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Wer in Zürich der Sihlfeldstrasse entlang geht, kommt früher oder später an der Bonesklinic vorbei. Im Sommer feiert der Laden seinen 8. Geburtstag. In dieser Zeit ist das Geschäft mehr als nur Verkaufsstelle geworden: Ein Treffpunkt für die Metal-, Mittelalter- und Gothic-Szene.


Es ist schon ein etwas morbider Anblick, das Schaufenster der Bonesklinic. Schädel glotzen hinter der Scheibe hervor, dahinter blitzen blanke Klingen und spitze Hörner hervor. Was bedrohlich klingt, ist in Wahrheit nicht mal halb so wild. «Ich bin viel zu nett», meint der Besitzer Markus Schaad zu sich selbst. Das freundliche und aufgestellte Gesicht der Bonesklinic war auch schon in der bekannten Sendung «Aeschbacher» des Schweizer Fernsehens zu Gast. Es war eine Möglichkeit, die Szene in einem anderen Licht zu präsentieren und mit den gängigen Vorurteilen aufzuräumen, so Schaad zu seinem Auftritt in der Talk-Show. Doch die Zeiten haben sich geändert. Totenköpfe wie sie in der Bonesklinic – aus Plastik und echt knöcherne –  zu kaufen gibt, sind nicht mehr tabu, sondern haben auch in der gängigen Mode Einzug gehalten. Die Bonesklinic hat ein Teil seines Schreckens eingebüsst.

Ein skurriles Fleckchen Erde bleibt der Laden dennoch. Vollgestopft mit kitschigen Dekorationen wie Drachen oder Feen, den unzähligen Schädeln, Waffenrepliken, Schmuck und einer grossen Auswahl von Honigwein, ist die Bonesklinc ein einzigartiges Phänomen.

Treffpunkt Bonesklinic

Met, der Honigwein, ist denn auch die Haupteinnahmequelle und stellt eine wahre Alternative zum bekannten Traubenwein dar: «Die Mehrheit der heutigen Weine sind geschwefelt, wogegen wir natürlichen, nach mittelalterlichen Methoden hergestellten Met verkaufen», so Schaad über das Göttergetränk. Mit Honigwein verbinden die meisten eine gewisse Süsse. Doch Met kann auch zum Kochen, Essen und natürlich zum fröhlichen Trinken verwendet werden. Neu im Angebot hat die «Bones» einen äthiopischen Met, der zwar seinen Honiggeschmack entfaltet, aber ein herbes und gar nicht süffig-süssliches Aroma hat.
Als grösster Metlieferant der Schweiz kennen viele Anhänger der Gothic- und Metal-Szene, wo sich das Getränk grosser Beliebtheit erfreut, die Bonesklinc und Betreiber «Mac», wie Markus Schaad normalerweise genannt wird.Das spezielle Geschäft hat sich zu einem Treffpunkt etabliert. Vor den Toren der Bonesklinic sind Freund- und Liebschaften entstanden und ungewöhnliche Projekte wie der «Züri Raid» oder die «Inadequaten Denker» sind auf dem Gehweg der Sihlfeldstrasse entstanden.

Mit aussergewöhnlichen Aktionen macht auch das Geschäft selber auf sich aufmerksam. Meist aus irrsinnigen Ideen und Spässen entsprungen, entwickeln sich Degustationen oder jüngst ein Burger-Essen à la Discrétion zu echten Kundenmagneten. Schaad ist ein Entertainer und weltoffener Mensch zugleich. Jeder ist in der Bonesklinic willkommen. «Es ist ein ganz normaler Job. Man passt sich den Kunden an. Wenn einer ein bisschen schwierig tut, dann ist man halt auch ein bisschen schwierig. Aber wenn einem Besucher ein Lächeln aufs Gesicht zaubern, dann ist es nicht mehr ein Job: Es ist ein Traumjob.»

Das Stadtviertel hat in der letzten Zeit einschneidende Veränderungen erfahren. Wo vorher eine zweispurige Strasse war, dominiert nun eine Begegnungszone, die das Quartier ruhiger macht. Entsprechend sind auch die Anwohner sensibler gegenüber Lärm in den Strassen geworden. Gerade weil die Bonesklinic für viele junge Menschen Ausgangspunkt des Wochenendes ist, ein nicht zu unterschätzender Faktor. Doch sie hätten bis jetzt keine grossen Probleme bereitet, sagt Mac zu den Veränderungen in der Umgebung. Lediglich den Gehsteig müsse er öfters fegen.

Die Zukunft

Ein Ziel von Markus Schaad ist nebst der Pensionierung eine eigene Bar für die Metal- und Gothic-Szene. Vor einigen Jahren haben auch Bestrebungen in der Richtung stattgefunden. Ein Lokal wurde gemietet, mit Renovationsarbeiten begonnen. Zwei Tage vor Eröffnung kam dann der Schock mit der Polizei. Es handelte sich nicht um eine Gastronomie-Liegenschaft, lediglich ein Geschäft wäre zulässig gewesen. Noch grössere Beträge wären fällig geworden. An der finanziellen Belastung hatte die Bonesklinic bis vor kurzem noch immer zu beissen. Dennoch hat Schaad das Projekt noch nicht aufgegeben. Allerdings ist kein fester Termin für dieses Projekt gesetzt. Es soll zur richtigen Zeit am richtigen Ort geschehen.