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Manche Träume werden wahr. So auch die der Indie-Folk-Formation Folly & The Hunter aus Kanada, die noch vor vier Jahren kaum zu träumen gewagt haben. Die Band aus Montreal hat gerade ihr drittes Album «Awake» veröffentlicht und kommt damit im Papiersaal in Zürich vorbei. Bewegende Melodien und harmonischer Gesang sind vorprogrammiert.

Mit Folly & The Hunter kommt eine wahre Herzblut-Folk-Band in die Schweiz, die seit ihrem neusten Album erst noch frischer und mitreissender wirkt. Die vier kanadischen Musiker haben sich zu Beginn für musikalische Gehversuche zusammengetan und sind seit 2011 zu einer gefragten Band herangereift. Negative White sprach mit Sänger Nick Vallee und Drummerin Laurie Torres über ihre Europa-Tournee, ihren baldigen Besuch in der Schweiz und über wahr gewordene Träume.

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(Foto: zvg)

Negative White: Ihr seid den ganzen Weg von Kanada hierhergekommen und tourt zurzeit mit eurem neuen Album Awake. Wie geht es euch bis anhin?

Nick Vallee: Es ist soweit ziemlich toll, wir haben erst gerade in Amsterdam gespielt. Das hat grossen Spass gemacht. Nun steht noch ein Konzert in Holland an und dann geht es ans Reeperbahn Festival.

Laurie Torres: Hamburg ist neu für uns. Wir spielen zum ersten Mal an diesem Newcomer-Festival, haben aber bereits viele tolle Sachen darüber gehört. Darum sind wir ziemlich aufgeregt dort spielen zu können. Es sind einige Bands von unserem Label vor Ort, zum Beispiel auch Aidan Knight oder die bekannte Indie-Band Half Moon Run.

Lasst uns über den Ort reden, wo ihr herkommt. Eure Band hat ihre Base in Montreal, einer Stadt voller Musik. Wie verhält es sich mit der Musikszene dort, findet man vor allem Folk- und Indie-Bands oder ist dies nur der Teil, der bis hier rüber schwappt?

Laurie: Ich denke, dass es das ist, was bis zu euch hinüber strandet. Es hat definitiv jede Menge Jazz in Montreal. (lacht) Aber auch frankophone und französische Musik ist sehr beliebt und hat eine namhafte Szene, Stile die wir im Ausland nicht allzu oft zu hören bekommen. Aber in der englischen Szene ist es tatsächlich mehrheitlich Folk und Indie, die vertreten sind.

Nick: Klar ist dies auch die Szene, welche wir am meisten wahrnehmen. Doch natürlich gibt es auch eine Punk-Szene, viele Metal-Bands und so weiter. Es gibt tatsächlich jede Art von Musik in Montreal, aber die Sachen mit denen wir in Berührung kommen, bewegen sich meist zwischen Indie und Folk.

In einer solch musikalischen und lebhaften Stadt ist es sicher einfach, sich inspirieren zu lassen, wenn es möglich ist, stets Konzerte verschiedenster Musik-Stile zu besuchen. Ist das so?

Laurie: Absolut, das ist sicher. Es ist aber auch ziemlich gut für die Inspiration, wenn deine Miete nicht zu hoch ist und du Zeit hast, an neuem Material zu arbeiten. (lacht) Aber Montreal ist ein toller Ort und hilft in all dem.

Euer erstes Album Residents kam 2011 heraus, als ihr noch zu Dritt ward. Zu Beginn habt ihr sogar nur zu zweit Musik gemacht. Wie kam Folly & The Hunter schlussendlich als Ganzes zusammen?

Laurie: Nick und ich spielten zu Beginn zusammen und Chris hatte damals seine eigene Band. Er kam dann zu uns, als wir eigentlich noch gar keine richtige Band waren, sondern eher jammten und versuchten, Ideen zu sammeln. So beendeten wir eigentlich die zwei laufenden Projekte und haben uns zu Dritt zusammengetan. Phil kam dann später hinzu, als wir etwa ein Jahr nach Gründung der Band ein Video mit ihm machten. Und von da an war er ein Teil von uns.

Seit damals ist eine Menge Zeit vergangen; ihr habt grossräumige Tourneen in Kanada hinter euch und seid schon mehrmals in Europa unterwegs gewesen. Auch mit eurem neuen Album seid ihr den gesamten Herbst und Winter unterwegs. Ist es hart, einen solch strengen Tourplan zu haben oder habt ihr euch daran gewöhnt?

Laurie: Es geht, live zu spielen war immer unser Wunsch. Und dies so viel und so oft wie wir können, ohne zu viel Zeit mit Dingen zu verbringen, die wir nicht wirklich wollen.

Nick: Die wirklich harten Zeiten sind die, wo du Lücken hast, während denen du gar nichts tust. Klar, ständig auf Tour zu sein, ist streng für den Körper, aber die Auftritte und Erlebnisse sind einfach grossartig. Für mich ist es okay, ich mag das Leben auf Tour sehr.

Nun kommt ihr auf eurer Tour am 1. Oktober in der Schweiz vorbei, wo ihr im Papiersaal Zürich spielen werdet. Letztes Mal habt ihr im beschaulichen Monthey gespielt. Seid ihr gespannt, was euch nun in Zürich erwartet?

Nick: Ja, ich bin gespannt was kommt. Ich freue mich darauf, Zürich ein bisschen zu erkunden, auch wenn wir nicht lange dort sein werden. Das ist eines der Tour-Probleme, du hast meist nicht genug Zeit, die tollen Orte der jeweiligen Städte zu besuchen. Wir werden sehen, ich war noch nie in Zürich und das wird sicher schön.

(Foto: zvg)

(Foto: zvg)

Ausserhalb seines Landes zu touren ist immer ein Privileg. Wie habt ihr als kanadische Indie-Folk-Band in Europa Fuss gefasst, wo doch schon ziemlich viele Acts aus dieser Sparte aus dem englischen oder amerikanischen Raum vertreten sind?

Laurie: Ich glaube, wir wussten nicht wirklich, was wir erwarten können. Es ist schwierig, sich vorzustellen, dass du zu Hause bist und Musik machst, die jemand irgendwo im Ausland hört und an eine deiner Shows kommen würde. Für mich ist es immer eine schöne Überraschung, dass wirklich Leute kommen um uns zu hören.

Nick: In grossen Teilen sind die Konzerte, welche wir hier spielen, genauso toll wie die in Kanada. Es ist also nicht erschwerend für uns. Ich persönlich bevorzuge es generell in Europa zu spielen. Aber bitte erzähle Kanada nichts davon. (lacht) Hier ist alles nahe beieinander und die Leute sind sehr herzlich, eine tolle Umgebung um Musik zu spielen.

Auch für euer neustes Album kamt ihr ein wenig aus Montreal heraus. Awake entstand in Toronto, die Songs darauf während der Tour zu eurem zweiten Album. Wie war es für euch, die Lieder für das neue Album unterwegs zu schreiben, war da ein gewisser Druck vorhanden?

Nick: Wir haben nicht die gesamten Stücke auf Tour fertiggestellt, es war mehr ein Sammeln von Ideen. Wir haben unterwegs an Riffs und Geschichten für die neuen Songs gearbeitet. Anschliessend an unsere Rückkehr hatten wir zu Hause zwei Monate, während denen wir fast jeden Tag mit Schreiben und Komponieren verbracht haben. Also haben wir die Ideen von der Tour während dieser Periode sozusagen genommen und fertiggestellt.

Mit dem neuen Album habt ihr euch auch in neue Gefilde aufgemacht und habt eurem Indie-Folk eine gesunde Portion Pop hinzugefügt. Wie seht ihr die Entwicklung der Band und eurer Musik jetzt wo euer neustes Werk veröffentlicht ist?

Laurie: Gute Frage, ich sehe unseren Weg sich so entwickeln, wie ich es mir in etwa vorgestellt habe. Damit meine ich, dass wir an neuen Orten spielen und mehr und mehr Shows dazukommen. Vor allem dass wir rund um den Globus spielen ist eine spezielle Sache, die wir in diesem Rahmen noch nicht erlebt hatten. Genau dieses Gefühl, dass neue Plätze und Erlebnisse hinzukommen, hilft uns bei der Entwicklung als Band. Und schlussendlich ist es auch schön, dass immer mehr Ohren unsere Musik hören und die Leute an unsere Konzerte kommen.

Wenn ihr einen Blick zurückwerft, als ihr noch nicht einmal eine komplette Band ward und zusammen gejammt habt und der Zeit jetzt, wo ihr mittlerweile drei Alben releast habt und ausserhalb eurer Heimat spielt, hättet ihr jemals erwartet an diesen Punkt zu kommen?

Laurie: Ich muss ehrlich gesagt mit Nein antworten. Denn wenn du dich auf einmal entscheidest wirklich Musik zu machen um davon zu leben, musst du erst den Leuten um dich herum klarmachen, dass das funktionieren wird. Und je länger du deinen Eltern, Freunden oder deinem Partner sagst, dass sie dir trauen sollen und es klappen wird, desto weniger glaubst du auf Dauer selber daran. (lacht) Klar habe ich tief innen drin an all das geglaubt, doch damals war es wohl eher ein Teil meiner Träume.

Nick: Ja, das stimmt. Zurück in den Anfängen ist es nicht wirklich realistisch an all das zu glauben und du denkst nicht daran, dass all dies mal wahr werden könnte. Aber du hoffst das Beste und du probierst es aus. Du kannst erst gar nicht daran glauben, was alles kommt. Denn niemand weiss, wer du bist, du spielst in diesen winzigen Lokalen und es gibt einige Millionen Bands, die dasselbe tun. Du hoffst zwar, aber du nimmst nicht gleich an, dass all dies passieren würde. Es ist jedoch umso überraschender, wenn es auf einmal ins Rollen kommt. (lacht) Bevor es zu der Band kam, war ich einfach ein Typ der gerne Musik spielte. Jeder fängt bei null an.

Und jetzt bist du der Typ, der mit seiner Band um die Welt tourt und Musik spielt. Wir freuen uns euch bald hier in der Schweiz zu sehen. Vielen Dank für das Interview!

Folly & The Hunter spielen am Donnerstag, 1. Oktober im Papiersaal Zürich. Support ist der amerikanische Singer-Songwriter Ed Prosek.