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In weniger als 10 Minuten waren die Karten von Rammstein, die am 12. Dezember im Hallenstadion in Zürich auftraten, verkauft. Ganze 12’500 Zuschauer – und noch ein paar mehr, in der Hoffnung, auf dem Vorplatz ein Ticket zu ergattern – strömten an diesem Abend nach Oerlikon. Vorherige Berichte der Best-Of-Tour der Deutschen versprachen, diesen Abend unvergesslich werden zu lassen.

Wer früh genug beim Hallenstadion war, brauchte trotz des voraussichtlich grossen Andranges nicht lange anzustehen. Bereits zu Anfang gab es jedoch einige enttäuschte, verwunderte, und verwirrte Blicke: Es waren viele gefälschte Tickets im Umlauf, mit denen man natürlich nicht in das Hallenstadion eingelassen wurde. Bitter war dies vor allem für diejenigen, die mehr als 300 Franken dafür bezahlt hatten – wobei ich ja sagen muss, dass man aus Prinzip nicht so viel für ein Konzertticket bezahlen sollte.

So konnten sich wohl diejenigen mit einem gültigen Ticket glücklich schätzen und in das Stadion in Oerlikon eintreten. Bereits an den Garderoben und Getränkeständen war die Vorfreude und Spannung gross.

Pünktlich um 20 Uhr begann die Vorband Deathstars zu spielen. Die fünf Jungs aus Schweden verstanden es, den Zuschauern, die nun immer zahlreicher in die Halle strömten, eine gute Show zu bieten. Mit dem harten, lauten Sound brachten sie das Publikum gut in Stimmung, zahlreiche davon klatschten, schrieen und schienen auch sonst ihren Spass an den Schweden zu haben. Gegen Ende ihrer 40-Minütigen Show war die Halle beinahe gefüllt, und die Spannung erreichte ihren Höhepunkt, als sich die Schweden mit einem «Zürich dies hard, death dies hard, Rammstein dies hard!» verabschiedeten.

Obwohl Deathstar eine gute Show geliefert hatten, war es schliesslich nur diese eine Band, die ganze 12’500 Leute in das Hallenstadion gezogen hatte: Rammstein!

Die halbstündige Umbauzeit wurde von vielen genutzt, um noch mal schnell die Toilette zu besuchen oder sich einen Drink zu holen, nur wer in den vorderen Reihen stand, wollte seinen Platz natürlich um keinen Preis aufgeben!

Schliesslich, kurz vor Beginn, war die Halle gerammelt voll. Es strömten immer noch weitere Konzertbesucher in die Halle, als das Licht ausging und ein Strahl auf eine der seitlichen Treppen gerichtet wurden, wo man schon bald die Bandmitglieder von Rammstein entdecken konnte. Einer nach dem Anderen kamen sie die Treppe hinunter und gingen, begleitet von einigen Securitas, mitten durch die Menge zu der kleinen Bühne, genannt „B-Stage“, die in der Mitte der Halle aufgebaut worden war. Über die Treppe, die während dem Intro hinuntergelassen wurde und das B-Stage mit der eigentlichen Bühne verband, gingen sie dann auch zu ihren Plätzen und liessen sich dabei gebührend feiern. Über 12’000 Menschen hatten diesem Abend lange und erwartungsvoll entgegen gesehen, und die Vorfreude entlud sich mit einem lauten, praktisch einheitlichen Jubeln.

Den ganzen Abend über hielt sich die bombastische Stimmung. Begonnen wurde mit dem Lied Sonne, und weiter ging es mit Hits wie Asche, Feuer Frei! und Links 2 3 4. Einige Fans waren wohl enttäuscht, dass ihr neuestes Lied Mein Land nicht gespielt wurde, aber schliesslich wurde die Tour auch ganz klar als Best-Of-Tour angekündigt. Daran hielt sich Rammstein auch, obwohl wohl der eine oder andere Hit gefehlt hat.
Wie man sich das von Rammstein gewohnt ist, gab es auch bei diesem Konzert eine grossartige Show. Sie unterschied sich zwar, entgegen dem, was angekündigt worden war, nicht so gross von der Show vor zwe Jahren, trotzdem war es schön anzusehen. Insgesamt kann man die Show, die auf jedes Lied einzeln abgestimmt wurde, wohl als laut, hell, ein bisschen krank und verdammt heiss bezeichnen. Neben brennenden Gitarren, feuerspuckenden Masken und einem Funkenregen fehlten auch andere bekannte Elemente ihrer Show nicht, wie die Spermaspritze bei Bück Dich, ein von einem Flammenwerfer angestrahlter Topf bei Mein Teil, oder eine riesige Schaumkanone bei Pussy. Während Haifisch gespielt wurde, stieg der Keyboarder in ein Gummiboot und liess sich damit durch die Menge tragen und bei Engel durften die berühmten Flügel nicht fehlen.
Schlicht war ihre Darbietung eigentlich nur während einem Lied: Bei Ohne Dich, der einzigen Ballade des Abends, wurde einfach nur gesungen. Einfache Lichtstrahlen waren auf das B-Stage gerichtet, wo sie, eng gedrängt, das Lied zum Besten gaben. Diese Schlichtheit entsprach jedoch dem Lied gut.

Für jeden, der das Konzert besucht hatte, war es ein grossartiger Abend. Die Stimmung war während den ganzen 2 Stunden grossartig, der Sound war hervorragend abgemischt, und nicht nur die Feuershow, sondern auch die Lichtshow stimmte. Es wurden viele der Lieblingslieder des Publikums gespielt – dies war daran zu erkennen, dass kaum jemand stillstehen konnte, es wurde gehüpft, geklatscht, gejubelt, und praktisch in der ganzen Halle lauthals mitgesungen. Die Stimmung erreichte schlussendlich bei Engel ihren Höhepunkt – da konnten sich auch die Zuschauer auf den Rängen nicht mehr auf ihren Sitzen halten. Kaum einer war noch zu sehen, der tatsächlich still sitzen bleiben konnte. Meiner Meinung nach hätte Rammstein nach diesem Lied, vor dem sie sich fünf Minuten für eine zweite Zugabe bitten liessen, aufhören sollen – denn man soll ja dann aufhören, wenn es am Schönsten ist. Trotzdem konnten sie es nicht sein lassen und spielten noch Pussy. Auch dort war die Stimmung hervorragend, jedoch kam sie leider keineswegs an die Stimmung während dem vorherigen Lied an.

Alles in allem war es ein durchweg gelungener Abend, der sich kaum in Worte fallen lässt. Im Gegensatz zu dem Konzert in Basel vor zwei Jahren, bei dem man kaum etwas vom Gesang verstanden hatte, stimmte alles an diesem Abend, was sich natürlich auch auf die Atmosphäre auswirkte.

 

Komplette Setliste des Konzerts:
Sonne
Wollt Ihr Das Bett In Flammen Sehen
Keine Lust
Sehnsucht
Asche
Feuer Frei!
Mutter
Mein Teil
Du Riechst So Gut
Links 2 3 4
Du Hast
Haifisch
Bück Dich
Mann gegen Mann
Ohne Dich

1. Zugabe:
Mein Herz brennt
Amerika
Ich will

2. Zugabe:
Engel
Pussy