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Am Dienstagabend stiegen zwei Schockrocker Giganten aus der Hölle empor und suchten die St. Jakobshalle in Basel heim. Was bei Marilyn Manson mit viel Rauch um Nichts begann, endete mit Rob Zombie in einem  unvergesslichen, höllischen Spektakel.

Düstere Gestalten im Joggeli (Sacha Saxer)

Düstere Gestalten im Joggeli (Sacha Saxer)

 

nm. So sieht also die Brut der Hölle aus: Von jungen Hobbysatanisten, zu sehr freizügig gekleideten Chicks, über die 08/15 gekleideten Leute bis zur Rock-Oma mit pink und blau gefärbten Haaren; am Mittwochabend zeigten sich die Anhänger der zwei Höllenpriester sehr durchmischt. Marilyn Manson und Rob Zombie zogen für ihre Twins of Evil Tour eine wirklich breite Masse an. Provozierend? Das war einmal. Heute gehören die beiden Künstler dem puren Kommerz an.

Trotz Massentauglichkeit blieben einige Tickets an der Abendkasse liegen. Vielleicht lag es daran, dass gerade Manson für seine unbefriedigenden Auftritte bekannt ist. Immer wieder komme es vor, dass er Konzerte nach kürzester Zeit abbreche, weil Drogen im Spiel gewesen seien. Auch an diesem Abend spielte Manson wohl keinen Song mehr, als geplant. Nicht einmal für eine Zugabe reichte es. Seine Leistung war, wenn man den musikalischen Aspekt betrachtet, alles andere als überzeugend und ohne seine Band wäre er wohl gänzlich durchgefallen. Mansons Stimme wirkte schlichtweg schwach und heiser. Da half sein ständiges Spucken auch nicht weiter.

Punkten konnte die Diva Manson aber auf jeden Fall mit seinen genialen Outfits. Nach praktisch jedem Song warf er sich in ein neues Gewand. So trat er einmal mit Nerz und Sonnenbrille auf, mal mit Federboa, dann wieder mit Anzug und Krawatte, in Militäruniform und besonders zu erwähnen als Papst mit rotem Gewand. Auch kleine feine Accessoires, wie ein Fleischermesser oder eine Rauchpistole setzt er zu genüge ein, um die Show optisch aufzuwerten.

Das Antichristentum war auf der Bühne allgegenwärtig. So blinkten rote Kreuze und Gräber den Zuschauer entgegen und am Schluss zerriss Manson auf einer von Stacheldraht gesäumten Kanzel genüsslich eine Bibel. Solche Showeinlagen liessen das kleine Mansonimperium immer wieder aufkreischen und aufjohlen. So richtig abgehen tat aber keiner seiner Schäfchen. Obwohl ich weiss, dass es bei der Kultfigur Manson mehr um seine spezielle Persönlichkeit, ums Provozieren und Inszenieren geht, fand ich den Auftritt und das noch bevor ich wusste, was nachher kommen wird, enttäuschend. Ich wartete vergebens auf etwas ganz Verrücktes. Sex und Rock’n’Roll fehlten, dafür war wohl von den Drugs zu viel vorhanden.

Eine zombastische Show

Als Mansonfan gekommen und als Zombiefan heimgekehrt. Das Rob Zombie meine Erwartungen übertreffen konnte, war zugegebenermassen einfach. Doch dass er mich völlig begeistern wird, hätte ich nicht gedacht. Rob Zombie noch nie gesehen? Dann sollte man sich Gimli aus Herr der Ringe oder einen indischen Yogi mit Rastas – beides in einer böser ausschauenden Variante – vorstellen. Zombie trug am Mittwochabend passenderweise ein Shirt, auf welchem eine Art Brustpanzer aufgedruckt war. Der Zombinator  war geboren.

Schon ab dem ersten Song hatte der energiegeladene Mann das Publikum in der Hand. Stimmlich wie auch instrumental lieferte die gesamte Band  einen fulminanten Auftritt. Musik, die ins Ohr geht, einmal den ganzen Körper in Bewegung bringt und mit einem lauten mitsingen und jubeln aus der Kehle wieder raus kommt. Was dazu das Auge aufnehmen durfte, war in gleichem Masse attraktiv. Die Künstler liessen ihrer Kreativität freien Lauf. Immer wieder wurden raucherzeugende, überdimensionale Roboter auf die Bühne gefahren und mehr oder weniger gruslige Gestalten über die Bühne gejagt. Das Bühnenbild bot zusammen mit den Filmausschnitten und Zeichentrickclips die pure Abwechslung und hatte den Zweck, die wildesten Fantasien anzuregen. Spass war offenbar ihr oberstes Ziel. Mit Elementen wie riesigen Luftbällen, welche ins Publikum geschleudert wurden, konnten sie dies definitiv erreichen.

Sämtliche Bandmitglieder gaben sich grösste Mühe, den Fans richtig einzuheizen und hatten zombastische Freude dabei. Der Sänger Zombie zeigte sich zudem sehr Publikumsnah, liess sich von den vordersten Reihen berühren und lief eine Runde durch die Halle begleitet von einem gigantischen Gitarrensolo. Ein echter Freak!

Null Zombies für Manson, fünf Höllenpunkte für Zombie.

 

Fotos: Sacha Saxer