Ein Passwort wird per E-Mail an Sie geschickt

Rufus Wainwright hat sowohl seine Vielfältigkeit als auch sein musikalisches Genie unter Beweis gestellt bei seinem intimen Konzert in Zürich. Und er machte dem Volkshaus alle Ehre.

Rufus Wainwright Press and Publicty

Musikalisches Multitalent – Rufus Wainwright (Foto: zvg)

Das gut durchmischte Publikum füllt das bestuhlte Volkshaus zeitig, die auffallend zahlreichen Frauengruppen machen in regelmässigen Abständen lauthals auf sich aufmerksam und man hört viele Englisch sprechende Leute. Jung und Alt, Männlein und Weiblein, Kulturfanatiker und Couchpotatoes finden sich hier, wie man es sich vom Volkshaus eigentlich gewohnt ist. Der Fahrradständer vor dem Eingang ist natürlich überfüllt.

Bevor aber der grosse Star, der sich so gar nicht wie einer verhält, die kleine Bühne betritt, entfacht seine Schwester Lucy schon mal das Feuer für ihn. In wenigen, sehr simplen Liedern ergiesst sich ihre nicht makellose, aber doch engelsgleiche Stimme über die Zuhörer, und während sie von Matrosen und verpassten Chancen eines Neuanfangs, dort, im dem verlassenen, heruntergekommenen Vergnügungspark und anderen Dramen erzählt, streift das blaue Scheinwerferlicht den Vorhang im Hintergrund, sodass man die Wellen des weiten Meeres, das sie Leben nennt, vor sich hat; wenn man denn die Augen öffnet, denn Lucy Wainwrights Stimme lädt dazu ein, den Kopf in die Hände zu legen und die Augen zu schliessen, um das alles noch viel wirklicher zu sehen. Schön und grausam sind die Lieder:

My love, my love / Are you on a winter beach tonight / Waiting on a last chance rocket race over the boardwalk / Follow the noise, no one but me and the neighborhood boys / Will remember where we where when this went down.

Rufus Wainwright schliesslich zeigt von Anfang an vor allem eines: Seine Musik kann man hören, wenn man einen Segelausflug macht und wenn man einen Heiratsantrag in der Kronenhalle plant, in der Bar des Hotels Schweizerhofs könnte seine Musik genauso gut gespielt werden wie in der hinterletzten Spelunke. Auf der kleinen Bühne des Volkshauses kommt seine Musik genauso gut rüber, wie sie auf der Bühne der grössten Opernhäuser der Welt rüberkommen würde. Wie kein anderer schafft es Rufus Wainwright, unglaublich viele Elemente sinnvoll zu vereinen: sanfte Klänge mit starker Stimme, raffinierte Texte mit leichtfüssigen Melodien, seinen grenzenlosen Humor mit einer immer durchschimmernden Tragik.

Auch er tritt nur mit der Gitarre auf, noch öfter sitzt er am Klavier, vollkommen unscheinbar gekleidet; nur die Krawatte, die muss natürlich glitzern. Auch sonst spielt Wainwright mit Klischees: er scheint nicht widerstehen zu können, ein kleines Theater zu machen aus diesem bescheidenen Auftritt im Volkshaus. Liza Minnelli, die schockierende Ähnlichkeit mit Lucy Wainwright hat (!), tritt auf, und sogar Rocky Balboa erscheint auf der Bühne, um zwei Sätze in lächerlichem Deutsch zu stammeln. Wainwright spielt sowohl Lieder, die arg nach Musical klingen, wie auch seine kommerziellen Erfolge, andererseits aber auch den finalen Akt aus seiner selbstverfassten Oper Primadonna, Les Feux Artificiels. Und in der Zugabe schenkt er uns auch noch Hallelujah im Duett mit seiner Schwester, sodass einem die Haare zu Berge stehen.

Und obwohl auch lila und rotes Licht die Bühne beleuchtet, beim allerletzten Song (der zweiten Zugaben-Runde) ist das Licht blau.