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The Makesmakes traten erfolglos am Eurovision Song Contest an. Nun ist die drängendste Frage: Können die Österreicher mit ihrem Debütalbum überzeugen?

The Makemakes schöpfen ihr Potential nicht auf (Foto: Valentin Weinhaeuptl)

The Makemakes schöpfen ihr Potential nicht auf (Foto: Valentin Weinhaeuptl)

Der Anfang könnte nicht vielversprechender sein: Mit Sweet Home lässt das österreichische Trio The Makemakes gleich ein fulminantes Feuerwerk explodieren. Der Song legt ein berauschendes Tempo vor; das ist Rock’n’Roll wie er sein sollte – wild und schmutzig. Dieser Magie kann man sich einfach nicht entziehen.

Mit Mary folgt ein veritables Blues-Rock-Stück, das sich bis zuletzt in einen faszinierenden Rausch steigert. Mary mag nicht ganz so eingängig sein wie Sweet Home, dafür ist der Song umso kultivierter.

Die Band legt darauf ein poppiges You Are Not Alone nach. Spätestens noch diesem dritten Stück – und somit dem dritten Stilwechsel – stellt man sich die Frage: Hat die Varietät Programm oder wissen The Makemakes schlicht nicht, in welche Richtung sie sollen?

Der wahre Schrecken kommt mit Merry Goodbye, einer Orgel-getriebenen, klebrigen Feuerzeug-Ballade. Wer das überstanden hat, wird mit I Am Yours belohnt. Sie können die Kunst der Ballade ja doch – ganz ohne überflüssigen Schmalz. Und trotzdem wird man das Gefühl nicht los, den Song schon mal gehört zu haben.

Das ist das grosse Problem mit den Makemakes. Sie wandeln ziellos auf den Spuren der Grossen der Rockgeschichte. Und nirgends zeigt sich dies besser als bei Big Bang, dessen Riff zum Verwechseln ähnlich klingt wie die letzten Momente von Jumpin’ Jack Flash oder die Gitarren-Spickel in All Down The Line der unverwüstlichen Rolling Stones.

Auch die Melodie von Heartache gehört in die Kategorie «Schon mal gehört». Immerhin muss man den Makemakes den raffinierten Tempowechsel zugute schreiben. Auch lassen sie ihren Instrumenten genug Platz ein Eigenleben zu entwickeln. Eine Sache, die heute viel zu selten vorkommt.

Schwer dahinschleichend kommt dann Light In The Tunnel. Der Song ist ganz passabel, aber auch kein Unikat. Gone For Good ist da ein anderes Kaliber: Sperrig, ohne durchgängige Struktur und getrieben von einzelnen Elementen, die sich geschickt ineinander fügen. Hier glänzen The Makemakes wieder. Ebenso blitzt ihr Können bei Little Is Much More auf, auch wenn man den Musikern einen gewissen Hang zu Stadion-Arrangements nicht absprechen kann.

Die wohl grösste Irritation ist das schläfrig-soulige Save Me. Ein Song für ein verschwitztes Schäferstündchen. Eigentlich ein spannender Song, der aber auf der Platte wie ein Fremdkörper wirkt.

Am Ende beweist das Trio Ehrlichkeit, vielleicht aber auch Ironie. Pathetic Peace Song kommt mit einer so fetten Portion Pathos daher, dass Scorpion’s Wind of Change zu zittern beginnt.

Lässt man das Intro aussen vor, versammeln sich zwölf Songs auf dem selbstbetitelten Album. Dennoch ist man danach fix und fertig. Es ist überfrachtet mit Referenzen der Musikgeschichte: Beatles, Stones, Hendrix, Led Zeppelin. Und man weiss nicht, ob es löbliche Huldigungen oder schlicht Ideenlosigkeiten sind.

Es gibt gute, ja sehr gute Songs auf der Scheibe, bei denen man von grossartigem Rock der alten Schule sprechen könnte. Doch die passten auch auf eine EP.

The Makemakes verlieren sich in ihren Einflüssen und verpassen es deshalb zu oft, dem Ganzen den eigenen Stempel aufzudrücken. Das ist bedauernswert, denn eines wird auf dem Album deutlich: Die Jungs hätten das Talent und Potential.

The-Makemakes_The-Makemakes

Release
24. September 2015

Label
Sony Music

Tracklist

  1. Snakes & Candy
  2. Sweet Home
  3. Mary
  4. Your Are Not Alone
  5. Merry Goodbye
  6. I Am Yours
  7. Big Bang
  8. Heartache
  9. Light In The Tunnel
  10. Gone For Good
  11. Little Is Much More
  12. Save Me
  13. Pathetic Peace Song