Venetus Flos ist tot. Es lebe ZENO. Nach einer Umbenennung veröffentlicht das Trio aus Wallbach am Rhein ihr Debütalbum «We Are Infinite» und schlagen damit eine bleibende Kerbe in den Bettpfosten der Schweizer Popmusik.

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jt. Vor zwei Jahren kam Bound For Glory, die erste EP von Venetus Flos, in die Regale (Negative White berichtete). Es war ein Electro-Pop zwischen Party und Nachdenklichkeit. Zwischen Pathos und kleinen Welten. Die Vergangenheit haben ZENO nun hinter sich gelassen, ebenso wie die Schweiz, als die Band nach Polen ging, um an ihrem Debüt zu werkeln. Im Herbst 2012 nahm das Trio zusammen mit dem bekannten Produzenten Roli Mosimann (The Young Gods, New Order, Faith No More) den Erstling We Are Infinite in Angriff.

Das Ergebnis ist schwierig zu umschreiben. Das erste Album aus der ZENO-Schmiede hat auch seine Schwächen, obwohl man sich nie sicher sein kann, ob es tatsächlich Schwächen sind. Denn genauso gut lassen sich diese Songs als schwerfälliger, mit einem Anfall königlich-anmutiger Gemächlichkeit bezeichnen. Der Einstieg ist mit Cascades sogleich wuchtig wie eine Naturgewalt. Stampfend und brausend reisst der Song alles mit, was sich ihm in den Weg stellt.
Andererseits bestechen dafür die Glanzmomente umso mehr, wenn die Jungs aufdrehen und ihre Tanzflächen-Sounds auf die Hörerschaft loslassen. Bereits vorab liess sich davon ein Bild machen mit dem Song Reach Out For The Sun. Eine Melodie, die hängen bleibt, samt Mitsing-Garantie an Konzerten. Mit Run To The Streets haben ZENO zudem eine Hommage an den tiefsten 90er-Sound geschaffen und ein gleichermassen kitschiges wie stimmiges Saxophon-Outro eingebaut.

We Are Infinite schlägt nicht beim ersten Dreh in der Stereoanlage voll ein. Gewisse Songs jagen einem zwar gleich von Beginn weg Tanzverlangen in die Beine oder belegen einen mit Gänsehaut. Doch je länger man sich mit der Musik auseinandersetzt, desto mehr erhält man Einblick in die komplexen, anspruchsvollen Arrangements. Simple Popmusik sucht man bei ZENO vergeblich. Das macht die Band nicht nur interessant, sondern auch zu einem vielversprechenden Spross hiesiger Electro-Musik.

 

Release
15. März 2013

Label
Goldon Records

Tracklist
01. Cascades
02. Reach Out For The Sun
03. Snail Shell Home
04. Riddles
05. Just A Cone
06. You Understand
07. Run To The Streets
08. Monumental Growth
09. Arcade Alleys Of Fallacy
10. Jumper
11. Euphoria

Line-Up
Julien (Stimme, Keys)
Olivier (Synths, Stimme, Gitarre)
Jan (Synths, Bass, Backings)