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Wenn man heute «Türkei» hört, denkt man an Erdogan, Unterdrückung und Unruhen. Doch das tut diesem schönen Land Unrecht. Wir durften während vier Tagen eine ganz andere Seite der Türkei kennenlernen.

 

Erlebe die Reise durch Lykien auf der Storymap

Die Temperaturen sind unter dem Nullpunkt angelangt, und so manch einer überlegt sich eine Reise in wärmere Gefilde. Urlaub heisst für viele Sonne, Strand und Meer. Süsses Nichtstun für ein paar Tage, den grauen Alltag zu Hause vergessen. All dies kann man an den Küsten dieser Welt wunderbar tun.

Doch wem dies zu langweilig ist und wem der Sinn nach geschichtsträchtiger Kultur steht, der ist mit einem Besuch der Südküste der Türkei gut beraten, denn unweit der Badestrände zeigt das Land sein reiches kulturelles Erbe.

Das im Lead angekündigte «Wir» bestand aus vier Fashion-Bloggerinnen und mir, dem Musikjournalisten, der eigentlich gar nicht so genau wusste, was er auf dieser Pressereise zu erwarten hatte.

Lykien – Land des Lichts

Lykien, so die antike griechische Bezeichnung für die Region zwischen den beiden halbkreisartigen Einbuchtungen der Südküste westlich von Antalya, beheimatete in der Antike viele bedeutende Städte, die heute noch in teilweise unglaublich gutem Zustand zu besichtigen sind. Hier eine Zusammenfassung der Stationen auf unserer Reise durch das Land des Lichts:

Yedi Burun

Rund 25 Kilometer südlich von Fethiye befindet sich an der südwestlichsten Ecke Lykiens Yedi Burun, ein zerklüftetes Küstengebiet mit riesigen Olivenhainen und vielen Stränden, die in das berühmte türkisblaue Meer eintauchen.

Auf der Spitze des Hügels thront der Leuchtturm, zu dem auch eine kleine Pension gehört. Die Gegend ist nicht nur für Naturfreunde interessant, auch sportliche Menschen können sich im grossen Wandergebiet austoben.

Das Klettern auf den Kamm sollten allerdings nur Personen mit gutem Gleichgewichtssinn unternehmen, denn die Felsen sind scharfkantig und sehr spitz. Zudem fällt der Hügel auf der Nordseite sehr steil ab.

 

Patara

In der Nähe von Kaş in der Provinz Antalya liegt die ehemalige Stadt Patara. Die Region ist den meisten Touristen wegen des 20 Kilometer langen Sandstrands bekannt, doch wenige hundert Meter von der Küste entfernt befindet sich eine der sechs bedeutendsten Städte des lyrischen Reiches.

Nach der Zeit Alexander des Grossen (323 vor Chr.) befand sich dort eine wichtige Marinebasis während den insgesamt sechs Kriegen um das Erbe des Alexanderreiches. Von dieser Marinebasis ist nicht mehr viel zu sehen, aber das Amphitheater, sowie das Forum der Stadt sind nach über 2300 Jahren noch erstaunlich gut erhalten. Das gesamte Gelände der Ausgrabungsstätte ist riesig und für die Besichtigung der Stadtmauern, des «Korinthischen Tempels», des Leuchtturms und der beiden Theater sollte man sich einen guten halben Tag Zeit nehmen.

Den Abend kann man dann mit gutem Gewissen am wunderschönen Strand verbringen und – wenn man’s kitschig mag – den Delphinen beim Springen in den Sonnenuntergang zuschauen.

 

Kaputaş Beach

Der Strand von Kaputaş ist eine dieser typischen kleinen Strände in einer Bucht entlang der zerklüfteten Küste Lykiens. Neben der Postkartenidylle mit dem türkisen Wasser, sieht man hier auch eine etwas seltsame Zweiteilung des Strandes. Auf der westlichen Seite sind Strandliegen aufgebaut, die man für einen Tag mieten kann, ebenso Sonnenschirme, während auf der östlichen Seite die Leute es sich einfach mit einem Badetuch auf den Sand gemütlich machen. Zweiklassengesellschaft im Mikrokosmos.

 

Shanti Garden

Wer eine Bleibe sucht, die anders als alle andern ist, sollte sich den Shanti Garden unbedingt ansehen. Etwas nordwestlich von Kaş in den Bergen gelegen, findet sich hier eine der coolsten Resorts, die man sich vorstellen kann. Eine Mischung aus 60er-Jahre-Hippie-Aussteiger und moderner Wohlfühloase.

Statt einem grossen Hotelgebäude gibt es hier nur kleine Holzbungalows für zwei bis drei Personen. Jeder dieser Bungalows ist komplett individuell gestaltet: ebenerdig, doppelstöckig, mit gemeinsamem Wohnzimmer… Die Betreiber lassen ihrer Fantasie bei jedem Bungalow aufs Neue ihren freien Lauf und das trägt nur zur Atmosphäre bei.

Für mich persönlich besonders belustigend waren die Einwände einiger meiner Begleiterinnen, dass es ja nicht mal Meerblick gab… 10 Uhr Nachts, als wir dann mal nach zig Stunden Anreise aus der Schweiz und nach einem wunderbaren ersten Abendessen noch in Antalya endlich im Shanti Garden angekommen waren…

Die wahrscheinlich spannendste Übernachtungsmöglichkeit in der Region und wer für wenigstens einen Tag mal Aussteiger sein möchte, sollte sich dies auf keinen Fall entgehen lassen. Für die digitalen Zombies gibt’s aber auch dort gratis WLAN.

 

Bild: Sacha Saxer

Panorama oberhalb von Kaş. Bild: Sacha Saxer

Kaş

Im Westen Lykiens liegt das kleine Städtchen Kaş. Auch wenn es primär ein Tourismusort ist, so finden sich auch hier mitten in der Stadt antike Stätten, wie beispielsweise einer der für die Gegend typischen Sattel-Sarkophagen. Für einen interessierten Besucher ist Kaş ein idealer Ausgangsort für verschiedene Tagesausflüge.

Es lohnt sich aber auch, sich mindestens einen Tag im Ort selber umzuschauen. Vom Erwachen des Städtchens frühmorgens, wenn die Fischerboote ablegen bis in den späten Abend, wenn man die Unterschiede zwischen traditioneller türkischen Kultur zur zeitgenössischen hautnah erleben kann.

Fürs leibliche Wohl kann das Efendi-Restaurant wärmstens empfohlen werden. Der Fischteller mit Tintenfisch war ein Gedicht und sogar für einen Kichererbsen-Verweigerer war der Humus ein Genuss.

 

Bild: Sacha Saxer

Wunderschön: Simena. Bild: Sacha Saxer

Simena

Weil sich unser Reiseführer für Abweichungen vom Reiseprogramm entschuldigen wollte, organisierte er kurzerhand eine Bootsfahrt nach Simena, inklusive Essen auf dem Boot. Der Fuss der Insel ist klar touristisch ausgelegt, alle paar Meter wird man vom nächsten Markstand angehalten, die Ware zu begutachten (und natürlich zu kaufen).

Aber wenn man es bis zur Ruine der Festung oben auf dem Berg schafft, hat man nicht nur einen wunderbaren Überblick, sondern auch eine Vorstellung, wie es zur Zeit der Osmanischen Invasion sein musste.

 

Myra

Es gibt zwei wesentliche Sehenswürdigkeiten in Myra: Zum einen die Felsengräber, zum andern die Kirche von Nikolaus. Letztere wurde leider komplett touristisch vermarktet und zeigt kaum mehr Ähnlichkeit zur einstigen Form. Die Tourismusführer listen sie natürlich trotzdem auf, aber wenn man sie nicht gesehen hat, hat man nicht wirklich etwas verpasst.

Die Zeit investiert man besser in die Felsengräber etwas ausserhalb der Stadt. Der Legende nach wurden die Toten von Vogelwesen in den Himmel getragen. Deswegen baute man die Grabstätten in die Hügel und je reicher jemand war, desto weiter oben im Berg wurde sein Mausoleum errichtet. Aus heutiger Sicht fragt man sich wohl, wieso man die Leichen nicht einfach auf den Bergkamm getragen, und sie dort aufgebahrt hatte. Der Aufwand, der für die Toten getrieben wurde, ist erst ersichtlich, wenn man die Bauten mit eigenen Augen gesehen hat.

Für die gesamte Anlage sollte man zwei bis drei Stunden einplanen, wenn man sich für die Philosophie und die Architektur interessiert. Leider ist auch diese Stätte touristisch schon massiv erschlossen, man kann sogar deutsch mit verschiedenen Händlern reden.

 

Limyra

Einst die Hauptstadt Lykiens ist heute nur noch ein Ruinenfeld übrig. Wer diese antike Stätte besucht, sollte unbedingt einen Dolmetscher mitnehmen, denn der Verwalter lebt hier seit 30 Jahren mit seiner Familie und kennt jeden Stein mit Vornamen. Kommt mit ihm ins Gespräch und ihr erfahrt alles, was es über diesen Ort zu wissen gibt. Man sollte sich allerdings Zeit nehmen, denn man wird gerne zum Tee eingeladen, während dessen der Verwalter der Örtlichkeit sein Wissen zum Besten gibt. Einen solchen Enthusiasmus wird man selten wieder finden.

Wenn man Glück hat, kennt der Reiseführer auch die Lage der antiken Brücke von Limyra. Sie ist unscheinbar von der Strasse her zu erreichen und zeigt eindrücklich, welche Hindernisse man in der Antike zu überwinden gewillt war.

 

Rhodiapolis

Eine der jüngsten Ausgrabungsstätten befindet sich knapp 70 Kilometer südwestlich von Antalya. Weit oberhalb der heutigen Stadt Kumluca liegen die Überreste von Rhodiapolis. Auch hier erkennt man unschwer die griechischen Wurzeln. Hier zeigt sich deutlich, dass die grossen Städte früher in den Bergen angesiedelt waren und die neueren Siedlungen im Tal, beim Meer errichtet wurden.

Dadurch, dass die Ausgrabung noch relativ jung ist, kann man vieles noch im Originalzustand sehen. Aber natürlich wurde auch hier schon die antike Version extrapoliert. Ein interessanter Nachmittag ist es alleweil.

 

Gastfreundschaft

Wie eingangs schon erwähnt, war ich mit verschiedenen Fashionbloggern auf dieser Pressereise. Wir waren mehrere Gruppen, die sich auf dem Rückflug wieder getroffen haben, unterwegs. Die Damen in meiner Gruppe hatten ihre Schwierigkeiten mit dem Reiseführer. Ok, er war direkt, was nicht jedem passt. Ich verstand mich super mit ihm und konnte ihn so auch meistens von den Mädels etwas abschirmen.

Aber als ich in Antalya am Flughafen auf das Flugzeug wartete und von den anderen Gruppen Dinge wie: «Die Leute waren so eklig, die stinken» oder «Ich konnte nicht mal meine Gucci-Schühchen anziehen» anhören musste, wähnte ich mich im falschen Film. Egal wo, ich konnte nur die grösstmögliche Gastfreundschaft spüren. Egal wo wir waren, wir wurden stets zum Tee eingeladen, wenn man sich auch nur ein bisschen interessiert zeigte, versuchten alle einem alles Wissenswerte über die Orte zu erzählen – persönliche Anekdoten inklusive. Und wessen einziges Problem das nicht Anziehen von Gucci-Schühchen sein kann, dem kann ich nur gratulieren. Du hast offensichtlich keine Probleme im Leben.

Für mich waren dies vier spannendsten und gleichzeitig erholsamsten Tage des Jahres. Ich durfte eine Kultur, die ich sonst nur aus der Nachbarschaft kannte, näher kennenlernen, durfte erfahren, was deren Herkunft war. Wer bisher dachte, die griechische Mythologie beschränke sich auf das heutige Griechenland, liegt mehr als falsch.

Viele dieser Geschehnisse fanden weit ausserhalb Griechenlands in der heutigen Türkei statt. Wer sich für die Geschichte interessiert, sollte aber unbedingt einen lokalen Reiseführer engagieren. Die zwei, die mir zur Verfügung standen, kann ich uneingeschränkt weiterempfehlen: Fatoş Karaoğlu und Şafak Terzioğlu. Bei beiden werde ich mich sicherlich melden, wenn ich meine nächste Reise in die Region plane.

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