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Kürzlich habe ich meine allererste Yoga-Stunde absolviert. Einklang, Harmonie und innere Einkehr fand ich nicht, dafür empfand ich Schmerzen an Orten, von deren Existenz ich nicht mal etwas wusste.

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Reporter Ivan bei seinen ersten Yoga-Erfahrungen

Ich würde ja gerne sagen, dass mich mein Chefredaktor dazu gezwungen hat, nach Zürich zu fahren und mich eine Stunde lang mit Yoga, jener urtümlichen, indischen Philosophie von Körper und Geist, die seit einigen Jahren wieder schwer im Kommen ist, zu befassen. Aber nein, ich habe die Entscheidung, an der Schnupperstunde für Körperbewusstsein des Berliner Sexspielzeugvertreibers «Amorelie» mitzumachen, bewusst und in voller Anwesenheit all meiner Sinne selbst getroffen. Ich war weder angetrunken, noch stand ich unter dem Einfluss irgendwelcher Substanzen, als ich fand «Klingt spannend!» und mich anmeldete. Ich kann es höchstens noch auf das Stück paniertes Pouletschnitzel schieben, das ich einen Tag über dem Ablaufdatum am Mittag zuvor gegessen hatte. Ich weiss jetzt immerhin, ich nehme das gleich vorweg, dass Yoga nichts für Warmduscher ist – und ich pflege morgens warm zu duschen, sehr warm.

Ich, der Hahn im Korb

Dabei fing meine schmerzliche Odyssee zur Harmonie von Körper und Geist ganz zauberhaft an. In den Räumlichkeiten eines Schweizer Modelabels mitten in Zürich, wo ich mich an jenem Abend eingefunden hatte, war ich einer von nur zwei Männern. Der Rest waren Frauen in sehr eng anliegenden Yogapants.

Ohnehin scheinen Frauen die Zielgruppe für Yoga und das Sexspielzeug von «Amorelie» zu sein. Eigentlich hätte ich mir das auch denken können, denn nicht viele Männer können etwas mit Liebeskugeln anfangen. Aber gerade bei jenen aus unserer Alpenrepublik und insbesondere aus Zürich, dieser kosmopolitischen Weltstadt, hätte ich mehr Offenheit und Interesse erwartet.

Nun, wie bereits erwähnt, zauberhafter Anfang: Unzählige, sehr nette und zuvorkommende Frauen, ich als Hahn im Korb, und von der Decke hingen schon Kleider, für die ich normalerweise auf eine Monatsration Zigarettenpäckchen hätte verzichten müssen, und die man nach der absolvierten Stunde als kleines Geschenk mitnehmen durfte. Genau dafür, dachte ich mir, schreibe ich! Man kriegt an solchen Anlässen immer diese Pressetüten mit allerlei lustigem Zeug und Geschenken drin.

Zärtliche Yogamatte, tödlicher Schmerz

Doch bis dahin war es noch ein weiter Weg. Wir wurden gebeten, uns auf die bereits ausgebreiteten Yogamatten, bestens bekannt aus Film und Fernsehen, zu verteilen. Zärtlich fuhr ich mit meinen Fingerspitzen über den Schaumstoff unter mir, weich und zart fühlte er sich an. Und damit stand diese Matte im krassen Gegensatz zu allem, was in der kommenden Stunde auf ihr vorgehen sollte.

Vielleicht war das eine Art, den Dualismus des Menschen und des Lebens selbst zu symbolisieren? Ich weiss nur, dass ich mich durchaus damit begnügt hätte, eine volle Stunde den Schaumstoff abzutasten. Das wäre wahrlich meditativ und meiner inneren Harmonie zuträglich gewesen.

Aber so lief das natürlich nicht. Was mit einfachen Atemübungen angefangen hatte, verwandelte sich schnell in angespannte Muskeln, ein von Schweiss durchtränktes T-Shirt und Gleichgewichtsübungen, die mich die Götter und die Welt und diese unbarmherzige Yogalehrerin vor mir verfluchen liessen, mich also nicht ins Gleichgewicht, sondern auf die aus dem «Star Wars»-Universum bekannte «dunkle Seite der Macht» kippen liessen. Das gedimmte Licht nützte nichts, die Musik nicht und auch die ruhigen Instruktionen der Yogalehrerin nicht. Ich erwartete sehnlichst das Ende der Übung und fragte mich, ähnlich wie wohl die deutschen Soldaten während des 2. Weltkriegs während der Winterexpedition nach Russland, in welcher Hölle ich hier gelandet war. Meine Beine zuckten, meine Arme schmerzten, und mein T-Shirt klebte nass wie nach einem tropischen Regenfall an meinem Rücken.

Nur noch unten liegen

Und dann, nach einer schier endlosen Zeit, kam das Ende doch noch. Ich lag mit dem Rücken auf der Matte, noch immer zuckten meine Beine erbärmlich vor sich hin, und mein Herz pochte, als hätte mir Katy Perry höchstpersönlich an die Schulter gefasst.

In der anschliessenden Diskussion mit den netten, körperlich wesentlich fitteren Personen hier, liess ich mir von der Pein und den dunklen Gedanken, die mich erfasst hatten, selbstverständlich nichts anmerken. Wahrscheinlich sprach mein nasses Oberteil ohnehin für sich.

Die Leute von «Amorelie», hier vertreten durch Tuba Frank, deren Name normalerweise, und wenn ich nicht gerade innerlich gekeucht hätte wie ein sterbendes Rind, die Steilvorlage für zahlreiche sexuell angehauchte Witze gewesen wäre, haben diesen Anlass lanciert. Sie wollen ihre Sexspielzeuge in der Schweiz vorstellen und auf den wichtigen Zusammenhang zwischen Körperbewusstsein und einer erfüllten Sexualität hinzudeuten. Ich weiss, dass ich nach einer Stunde Yoga nur noch liegen könnte, unten, unbeweglich, vielleicht schon schlafend. Ob das irgend jemandes Liebesleben zuträglich wäre, kann jeder Mann und jede Frau für sich selbst am besten entscheiden.

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