Ein Passwort wird per E-Mail an Sie geschickt

Am Freitag Abend stattete die alternative Pop-Punk Band Yellowcard zusammen mit zwei Vorbands dem Komplex 457 einen Besuch ab. Es wurde gefeiert bis zum Platzverweis.

Set It Off heizten den Komplex 457 für Yellowcard mächtig ein (Sacha Saxer)

Set It Off heizten den Komplex 457 für Yellowcard mächtig ein (Sacha Saxer)

 

ds. Das Komplex war wohl um Clubatmosphäre bemüht, weshalb am Freitag Abend die Galerie und der Bereich hinter dem Mischpult abgeriegelt waren. Wo ausser direkt vor die Bühne sollte man also hin, dachten also die ersten Besucher und begannen die vordersten Reihen zu füllen. Auf die Art fiel es auch nicht weiter auf, dass der Saal noch halb leer war, als Like Torches pünktlich um halb acht die Bühne betraten. Die Band aus Stockholm störte sich auch nicht weiter daran, und begann schnurstracks ihren geradlinigen Sound den Besuchern um die Ohren zu hauen. Bereits früh in ihrem Set sagten sie einen Gastsänger an: Ryan Key, Sänger der Hauptband Yellowcard sang mit ihnen den gemeinsamen Song Missing It All. Allgemein schien der mit Harmonien versehene, schnell gespielte Pop-Punk der fünf Schweden Anklang im Publikum gefunden zu haben. Es wurde zwar noch recht zaghaft gewippt, aber immer wenn es passte, wurde artig mit geklatscht und als die Band den Besuchern ein Wort auf schwedisch beibringen wollte, wurde es lauthals zurück gebrüllt.

Waren Like Torches noch um die Schwedisch-Kenntnisse des Publikums bemüht, hatte die zweite Vorband Set It Off wohl Turnstunde auf dem Stundenplan stehen. Von Beginn weg sprangen die fünf auf der Bühne umher, als ob sie ein riesiges Trampolin unter den Füssen hätten. Dank mehrfachem «Come on, jump!» liessen auch die Zuschauer nicht lange auf sich warten bis sie die Tanzfläche auch endlich dazu benutzten. Die Musik fetzte abermals mit zackigen Gitarren und einem Schlagzeug welches das Ganze voran trieb, so dass kaum einer still stehen bleiben konnte. Der Frontmann Cody Carson scheute sich nicht den Kontakt direkt mit den Fans in den ersten Reihen zu suchen und stieg dafür auch so einige Male in den Bühnengraben runter und versuchte sich zum Schluss dann auch noch als Stage Diver. Nachdem der kurzweilige Auftritt von Set It Off durchs Komplex fegte, fand man nur Minuten später auch schon die einzelnen Bandmitglieder mitten im wartenden Publikum wie sie ihre CDs verkauften, für Fotos mit Fans posierten oder Schlagzeuger Maxx sich zum Geburtstag gratulieren liess.

Die Zuschauer waren mittlerweile in bierseliger Feierlaune und alles wartete auf die Hauptband. Um 21:30 Uhr beschritten Yellowcard gänzlich unspektakulär ohne Intro die Bühne, begrüssten die Anwesenden kurz und machten dann einfach genau da weiter, wo Set It Off aufhörten. Mit einer bemerkenswerter Spielfreude sprang der Funke direkt aufs Publikum über und es wurde wieder weiter geklatscht, getanzt, gesprungen und mit gesungen. Die Musik kam gut rüber und der für Yellowcard typische Einsatz einer Violine vermochte so einige Lieder noch aufzupeppen und verlieh ihnen einen ganz bestimmten Klang.

Es war in der Tat bombastische Stimmung, bis wohl ein, zwei Querulanten der Band negativ aufgefallen sind. Gitarrist Ryan Mendez und Violinist Sean Mackin baten um Saallicht und forderten denjenigen auf sich zu mässigen. In dem Moment als Sänger Ryan noch sagte, dass ihm gar nichts aufgefallen sei, er aber hier sei um mit allen eine gute Zeit zu haben, wurde er auch schon aus einer anderen Ecke der Halle mit einem vollen Becher Bier beworfen. Drastischer Stimmungsumschwung auch bei ihm. Mit einem Stinkefinger in Richtung Werfer verliess der Bier-Geduschte zusammen mit der ganzen Band kompromisslos die Bühne. Die Security reagierte darauf hin sofort und pickte den Übeltäter aus der Menge und verbannte ihn aus der Halle. Viele verdutzte Blicke unter den Zuschauern und dann tosenden Applaus, gefolgt von frenetischen «Yellowcard! Yellowcard!»-Rufen. Natürlich wollte niemand, dass der Abend so endete, hatte die Band ja schliesslich auch erst eine knappe Stunde gespielt und noch einige Hits fürs Finale aufgespart. Nach einigen Momenten kam Sean wieder auf die Bühne und meinte es ginge gleich weiter, sobald das ganze Bier aufgewischt und kurz die Technik gecheckt ist. Das erleichterte Publikum liess sich durch nichts und niemanden den Spass verderben. Sie setzten sich auf den Hallenboden und machten erst mal eine Runde Trockenrudern. Der Schlagzeuger gesellte sich auch wieder auf die Bühne und gab den Takt fürs Rudern vor. Ein imaginäres Sklavenschiff mitten in Zürich – mit dem hätte ich vor dem Konzert sicher nicht gerechnet! Der Rest der Gruppe und Ryan Key mit einem frischen Hemd bekleidet, kam langsam wieder auf die Bühne zurück und nach einem kurzen «This guy got kicked out, right? I hope he won’t meet us after the show.» setze die Band mit Believe den Auftritt fort. Zuerst kam es mir so vor, als wollte die Band nur noch rasch den Auftritt zu Ende bringen. Von der Spielfreude am Anfang war nicht viel übrig geblieben. Aber zum Schluss tauten die Bandmitglieder doch nochmals auf und es wurde ein versöhnliches Ende. Ganz ohne Bierwerfer.

Fotos: Sacha Saxer