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Das Schweizer Elektro-Duo Dieter Meier und Boris Blank beschallte am 30. November das erste und vorläufig einzige Mal seit fast vierzigjähriger gemeinsamer Musikarbeit eine Schweizer Bühne. Und dies in Gelb, Rot, Blau, Schwarz und Weiss… mindestens!

Bild: Matthias Hoffmann

Dreidimensionaler Yello-Sound: Bis zum vergangenen Donnerstag konnte sich keiner so wirklich vorstellen, wie und ob die Klangkünstler Yello ihre Musik, die sie ja schon seit jeher bewusst mit schrägen Schnippschnapp- und Dada-Videos sichtbar zu machen suchten, auf einer Bühne realisieren wollen. Unter anderem war das der Grund, so Meier, weshalb es so lange gedauert hat, bis sie endlich nicht nur online, sondern auch live schallten.

Magmatös

Weil man als Besucher im Eingangsbereich noch mit Yello-fernen Popsongs konfrontiert wurde, kam man noch nicht so ganz in gelbe Stimmung. Da half auch die farbstimmige Apfelschorle nichts. Wäre da nicht der Merchandise-Stand gewesen, der auf die aktuellen Bühnengäste verwies, hätte man sonst wen erwartet.

Hat man sich dann aber erst an Ohropax-Boxen vorbei durch die Hallentore durchgeschleust, wurde man von einer wabernden Soundlava empfangen. Kenner erkannten darin bereits Blanks Klanghandschrift.

Ein Klangmagmastrom zog von Beginn an Besucher in den gelben Bann.

Und endlich, als das Licht ausging, sich die Yello-Töne mit den Besucherstimmen zu einem schnurrenden Klanglavastrom vermengten, wurde das erste gelbe Geheimnis eröffnet: Die skurrilen Plopp- und Brr-Töne im Eröffnungssong Magma produziert Boris mit seiner Stimme selbst!

Bild: Matthias Hoffmann

Do it

Erst mit dem zweiten Song Do it fand Dieter Meier seinen Weg auf die Bühne. Wer die Vorgeschichte der beiden Yello-Unikate kennt, weiss, dass es für Blank nicht ein Leichtes gewesen war, die Show im Alleingang zu eröffnen – hat er grosses Lampenfieber, was der zweite Grund war, bisher nicht vor Publikum aufzutreten. Gut, ganz alleine war er nicht. Er hatte sich ein Musiker-Team aus fünf Bläsern, zwei Vokalistinnen, einem Gitarristen, einem Drummer und einem Perkussionisten zusammengestellt, mit dem Yello dann in zwölfköpfiger Formation das Hallenstation gelb färbte.

Eine zwölfköpfige gelbe Hydra beschallte das Hallenstadion.

Dieter Meier wusste schon immer, wie er sich in Szene setzen muss. So bestritt er die gesamte Klangshow ganz seinem Establishment-Credo «[just] Do it». Wenngleich die Zwischen-Track-Kommentare etwas unerprobt klangen und er immer wieder ins Hochdeutsche verfiel, wirkte dies umso sympathischer und authentischer – geplant oder nicht. Damit quatschte und palaverte er Yello gleich noch tiefer in die durchschnittlich fünfundvierzig Jahre alten Herzen.

Im Limbo laufen

Bald wird deutlich, was mit dem Konzept gemeint war, das Boris Blank zuletzt überzeugt hatte, Yello doch live auf die Bühne zu bringen. Während man als Dieter/Blank-Konsument nebst den Songs vom neusten Album Toy auch altbekannte Songs wie Bostich und Oh Yeah in neuem Klangkleid geniessen konnte, wurde das Hallenstadion durch die auf der Grossleinwand flimmernden Bildcollagen und den wummernden Surround-Sound eine omniastische Camera Obscura.

«Limbo heisst: Mer lauft, aber eigentli hät mr d’Füess i de Luft.»

Nicht einmal die Musiker selbst konnten sich dem gelben limb(o)ischen Vibe entziehen. So hämmerte beispielsweise der Perkussionist mit ganzem Körpereinsatz in grinsekätzischer Manier auf seine Instrumente ein und die Saxophonisten knieten sich bei der Zugabe sogar wortwörtlich nochmals voll rein – was mit einem Tenor- und Basssaxophon gar nicht so leicht ist. 

«Being stereoso»

Fifi Rong – Lost in Emotion. Bild: Martina Egle.

Wie alle langjährigen Künstler haben auch Yello gewisse Veränderungen und Erprobungen in ihrem Schaffen durchscheinen lassen. So hat sich Dieter Meier zu seiner unverkennbaren Bassstimme bei einigen Liedern wie The Rythme Devin oder Vicious Games soulige Verstärkung von der malawisch-britischen Sängerin Malia geholt. Sie schien allerdings etwas unecht, so dass man sich als Zuschauer in der zweiten Reihe nicht ganz sicher war, ob da nicht womöglich etwas am Playback-Regler geschoben wurde.

«Shievering’s starting…»

Da war Boris Blanks Projektpartnerin viel passgenauer gewählt. Die von Blanks Klangbildern inspirierte Fifi Rong aus Shanghai verschmolz während den Songs Kiss the Cloud und Lost in Motion regelrecht mit Boris Blanks Elektrosound. Die musikalische Symbiose zwischen dem einheimischen Tonmeister und der chinesischen Sängerin gipfelte in einer Projektion auf Grossleinwand, in der die in rotem Asia-Style Gekleidete als Schwarzweiss-Figur von stilvollen Lichtmustern überlagert wurde und so eine betörende E-Motion erzeugte.

Wunderbar dadaistisch

Bild: Matthias Hoffmann

Als wäre die Neuaufbereitung der alten Yello-Clips nicht genug, präsentierte Blank einerseits ein Videoprojekt, bei dem er eine GoPro-Aufnahme aus der Sicht einer fahrenden Radkappe mit Musik unterlegt und andererseits seinen neusten Clou: das Hosentaschen-Tonstudio. Live und «defenitely plugged, aber unrehearsed» demonstrierte der medienbekannte Tontüftler sein Können – und blähte die Musiktraumblase im Hallenstadion nochmals voll auf.

Yellos 3D-Sound wurde zum Klangkino sondergleichen.

Während sowohl das org(i)ale Elektroniksolo samt Borisschrei, wie auch das eruptive The Race-Finale als wahrhaftige Erinnerungen an das spontane, tonfarbexplosive und synthie-authentische Klangkino nach dem verebben der Besuchermasse nachklingen, wird durch der gelbe Fan-Rau(s)ch klar, dass man Teil einer einmaligen Show gewesen war. Nicht zuletzt als tanzender und Elektroexeprimentalmusik zelebrierender Motivator.

Setlist

  • Magma
  • Do it
  • The Evening’s Young
  • Limbo
  • Bostich
  • The Rythm Devine (with Maila)
  • 30’000 Days
  • Toll of Love
  • The Time Tunnel
  • Kiss the Cloud (with Fifi Rong)
  • Lost in Motion (with Fifi Rong)
  • Tied Up
  • Liquid Lies
  • Starlight Scene (with Malia)
  • Oh Yeah
  • Blue Biscuit
  • Si Senor The Hairy Grill
  • Zugabe:
  • Bostich (Reprise with Yellofier App)
  • Vicious Games (with Malia)
  • The Race