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Yoann Lemoine hat nach einem unfassbaren Hype um seine ersten Songs das Album «The Golden Age» veröffentlicht. Erneut hat es der Franzose geschafft, den frischen Woodkid-Sound beizubehalten. Trotzdem gibt es einige Überraschungen.

Cover_The Golden Age_Woodkid

jt. Beispiellos war Woodkids Start in der Musikwelt. Erst wird das martialische Iron in der Gamer-Szene bekannt, kurz darauf jagt er mit dem Video-Clip zu Run Boy Run bereits den Grammy.
Den begehrten Musikpreis konnte Lemoine nicht abholen. Dafür schlägt sein erstes Album ein, wie ein Tropfen Blut in glasklares, stilles Wasser. In vierzehn Songs öffnet der Franzose die Tore zur Welt des Woodkids. Zwischen melancholischer Romantik und kraftvoller Epik mäandernd, lässt sich dem Album einen Hang zum Pathetischen nicht absprechen. Der einzige Grund, weshalb The Golden Age nicht in die Peinlichkeit abrutscht, ist Lemoines Stimme. Sie ist das Auge im Sturm der Gefühle, das Zentrum der Arrangements. Stets gelassen, auch wenn eine starke Windböe den Holzbuben zu ergreifen droht.
Dass Lemoine in seiner persönlichen Vocal-Performance so ganz auf Theatralik verzichtet, fördert auch die Bedeutung der Geschichte, die es zu erzählen gibt. Lyrics bilden nur die Oberfläche, doch darunter setzt sich ein unermüdlicher Mahlstrom in Bewegung, während die Junge losrennt.

Die Bezüge zur Filmmusik sind offensichtlich. Sich alleine darauf festzusetzen, wird der Komplexität von Woodkids Sound – nennen es Symphonic Folk – nicht gerecht. Mit dem vorab veröffentlichten Song I Love You wurde bereits der Beweis erbracht, dass die sanfte Note ausserordentlich mit den erhabenen Klangkathedralen einhergeht. Der Versuch, die Musik als Pop zu bezeichnen, ist ebenso tragisch, wie verzweifelt.
Die Sanftheit hat auch auf The Golden Age Platz, denn sie sorgt für Höhen und Tiefen in der Welt von Woodkid. Wenn The Shore erklingt, erinnert es an dramatisch-tragische Momente. Und wieder bleibt die Stimme ruhig, während sich darunter die Streicher und Bläser gegenseitig aufschaukeln. Das Debüt hat allerdings auch seine Längen wie etwa mit dem Boat Song. Diese lassen sich einfach verschmerzen.
Lemoine spielt mit eindrücklicher Symbolik und schafft es, seiner Geschichte gewichtige Bedeutung zu verleihen. Bilder werden zu Tönen. Archaisch wie die Ilias haftet The Golden Age das Ursprüngliche an, sodass es sich genauso um eine moderne Interpretation eines alten Epos handeln könnte. Musikalisch hat Lemoine etwas Einzigartiges geschaffen, ein eigenes Mittelerde sozusagen. In der Extended Edition des Albums kommt dies nicht nur durch die Musik selbst zum Ausdruck. Die Geschichte von Woodkid ist da in Buchform enthalten. Eine durchästhetisierte Welt.

Woodkid_The Golden Age_001

Gemächlichtkeit und Mut halten sich lange die Wage, doch der Klimax lässt nicht auf sich warten. Stabat Mater schreitet mit königlichem Anmut und eiserner Unerbittlichkeit. Das Ende ist nah, die Spannung füllt sofort den Raum.
Was folgt, ist Conquest of Spaces. Beinahe fühlt man sich vor den Kopf gestossen, dass die aufgebaute Spannung in eine zierliche Geige entladen wird. Doch mit Pauken peitscht der Song schnell weiter. Die Strophe macht unmissverständlich klar, wie treibend der Song tatsächlich ist. Dann kommt der Refrain in einer so einfachen, aber so sehnsüchtigen Melodie, dass es einem das Herz zerreist. Dieser Song wird auf der Bühne eine gewaltige Wucht entfalten, Woodkid und das Publikum zu einer Gemeinschaft zusammenschweissen, mit einem Gefühl, dass man alles erreichen kann!

I’m ready to start the conquest of spaces
Expanding between you and me
Come with the night the science of fighting
The forces of gravity

Wieso ist Conquest of Spaces der Höhepunkt des Albums, der die Hits Iron, Run Boy Run und I Love You um Längen schlägt? The Golden Age ist ein düsteres Universum. Nicht nur Lemoines Stimme ist nachdenklich, auch die Instrumentalisierung verspricht kein fröhliches Fest. Doch plötzlich kommt da dieser Song, derart lebensbejahend und von einer so unschuldiger Ehrlichkeit und Romantik, dass es einen förmlich erschlägt und mitreisst. Wir fliegen mit, entreissen uns der Erdanziehungskraft. Grossartig!

Wer das Happy End sucht, sollte hier auf Stopp drücken.
Doch was wäre es für ein Ende, wenn nicht noch der Fall, Falling, kommen würde. Die Erzählung endet so düster, wie sie begann. Woodkid verabschiedet sich in einem Trauermarsch und wartet auf The Other Side:

And in the arms of endless anger
Will end the story of a soldier in the dark

Release
18. März 2013

Label
Universal Music

Tracklist
01. The Golden Age
02. Run Boy Run
03. The Great Escape
04. Boat Song
05. I Love You
06. The Shore
07. Ghost Light
08. Shadows
09. Stabat Mater
10. Conquest of Spaces
11. Falling
12. Where I Live
13. Iron
14. The Other Side