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Ein guter Song von Woodkid? Keine Überraschung – für den Film «Desierto» wuchs der Franzose über seine stimmlichen Grenzen hinaus. Ob es reicht um die entstandenen Mauern in unseren Köpfen zum Einstürzen zu bringen?

Ohne Rucksack mit Werkzeug wird man auf die Reise in das Land of All geschickt.

Man fühlt sich alleingelassen mit der Stimme von Yoann Lemoine alias Woodkid, dem langsamen Rhythmus des Songs und der zerklüfteten Topografie im Video. Deutlich spürbar ist das Gewicht des Stücks. Man muss seine Erwartungen zurückstecken, denn Woodkid wartet nicht mit einem Action-geladenen Song auf, sondern überzeugt mit Tiefgründigkeit.

I took a chance to build a world of mine
A one-way ticket for another life
On a petrol stained sailboat

Sofort formen sich Bilder von flüchtenden Menschen in Booten vor dem inneren Auge – die Medien haben sie uns zur Genüge gezeigt. Tatsächlich wurde das Lied für den Film Desierto von Jonàs Cuaron geschrieben. Es der einzige nicht instrumentale Part im Film. Ein rassistischer Polizist versucht, eine Gruppe Menschen die von Mexiko in die USA gelangen wollen aufzuhalten. Woodkid greift die Gefühle der Menschen gezielt auf und lässt den Zuhörer an den Zweifeln, wie auch den Wünschen teilhaben.

Kann ich diesen Ort jemals mein Zuhause nennen?
Scheint die Sonne wirklich heller als in meiner Heimat?
Können wir die Barrieren in euren Köpfen zum Einstürzen bringen?

Nur einige der Fragen, die Lemoine mit viel Gefühl einfliessen lässt.

Streicher, gefolgt von sanfter Pianomusik die mit dem Gesang einsetzt begleiten die Lyrics die von Sehnsucht und Unsicherheit erzählen. In der Mitte des Songs gesellen sich epische Klänge dazu, die der Dramatik Rechnung tragen.

Im Vergleich zu älteren Songs wie Brooklyn oder Baltimore’s Fireflies unterscheiden sich die Lieder wohl nicht im Grundton, aber Woodkids Stimme hat definitiv an Gefühl und Ausdruck gewonnen.

Am Ende der Reise steht man wie die Protagonisten im Film mit leeren Händen da. Ihre ungewisse Zukunft ist unsere Leere, die der Song hinterlässt. Das Nachdenken beginnt…

Woodkid 2013 in Zürich (Foto: Janosch Tröhler)

Woodkid 2013 in Zürich (Foto: Janosch Tröhler)