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Die deutsche Hardcore-Band Wolf Down hat sich nach Sexismus-Vorwürfen aufgelöst. Die Umstände haben die Heuchelei einiger Mitglieder offenbart.

Am 25. Juli 2017 begann etwas, das bloss einen Tag später zur Auflösung der bekannten deutschen Hardcore-Band Wolf Down führte. Der Blog «Wolf Down Outing» publizierte zwei Erfahrungsberichte von Frauen, die mit dem Gitarristen Tobias in einer Beziehung waren. Beide Frauen bleiben dabei anonym. Im einen Bericht wird explizit von sexueller Gewalt gesprochen:

Tobias fragte nicht nach, wenn doch, hiess «Nein» für ihn «Überzeug mich», er achtete nicht darauf, wenn ich weinte, ihm sagte, ich habe schmerzen und es mache mir keinen spass, oder mir (auch das passierte ein paar mal) in den Mund kotzte.

Dabei forderten die beiden Frauen ganz klare Konsequenzen der Band, die sich 2011 im Ruhrgebiet formierte und schnell an Popularität gewann:

Wir haben die Geduld mit Mackern, Sexisten und Vergewaltigern verloren. Sollten Wolf Down versuchen, sich beziehungsweise das Verhalten einiger ihrer Mitglieder zu rechtfertigen oder abzustreiten oder gar die Anschuldigungen schlichtweg zu ignorieren, werden sie nicht ungestört bleiben.

Bis dahin waren das blosse Anschuldigungen. Doch dann meldete sich gestern Larissa Stupar, Gründungsmitglied und Sängerin von Wolf Down bis 2014 auf Facebook zu Wort. Sie schreibt, dass sie die Band damals aus «persönlichen Gründen» verlassen habe. Nun konkretisiert sie erstmals diese Gründe:

The experiences that I had made shortly before I called it quits have been unbearable and I didn’t want anything more than escaping the toxic environment that had been created within this band. I have known Tobias and Sven to be bigoted sexist pricks with an ill perception of women. They never made it a secret and were openly objectifying women, sharing pictures and stories between them.

Damit haben die Vorwürfe der beiden anonymen Frauen bereits deutlich mehr Gewicht erhalten. Bereits zwei Stunden nach den Äusserungen von Stupar veröffentlichten auch Wolf Down ein Statement, unter anderem vom beschuldigten Mitglied Tobias. Er schreibt:

I wouldn’t ever want to justify anything I did, I would never want to be one of the assholes that deny or trivialise their actions. I take all the blame for my actions and I’m the only one, who is to blame.

Die Band schliesst das Statement mit der Bekanntgabe ihrer Auflösung:

We distance ourselves from his behaviour and stand with the victims. The consequences we are taking are not a reaction to the outing but a result of reflecting on the situation.

Now being additionally faced with the accusations against Sven we (Dave & Pascal) came to the conclusion that Wolf Down can no longer be a band.

Negative White hat über Kontakte zur Band in Erfahrung gebracht, dass diese Vorwürfe offenbar stimmen. Besonders perfide daran bleibt, dass sich Wolf Down wie viele Bands in der Hardcore-Szene in ihren Songs gesellschaftskritisch äussern. 2011 sagte der Schlagzeuger Sven in einem Interview mit Stageload zur Position der Band:

Veganarchismus beziehungsweise anarchistischer Veganismus, Libertärer Kommunismus, und radikaler Feminismus sind dabei Utopien und politische Ideen in denen wir uns verorten.

In einem Interview von 2016 mit dem Magazin Vice bestand die Band darauf, ihre Antworten als Kollektiv abzugeben. Zum Thema Sexismus in der Hardcore-Szene sagten sie:

Klar, Hardcore als eine weitere männerdominierte Subkultur ist durchweg von Chauvinismen und Sexismen geprägt und zu Teilen sehr von Machos und heteronormativen Stumpfköpfen unterlaufen. Dazu gehört das gesamte Spektrum von homophoben bis misogynen und allgemein unemanzipatorischen Tendenzen. Seien es Lyrics, die Homosexuellen Gewalt androhen, Shirtmotive die Rapefantasien zeigen, Musikvideos die Frauen objektivieren oder «Crews», die nichts anderes als gewaltaffine, heterosexistische Männerbünde sind. Das bringt einen Habitus in die Szene, der leider schnell repräsentativ wird. Feministische und queere Stimmen sind leider marginal.

Diese Aussagen, die Wolf Down in der Vergangenheit gleichermassen Liebe und Hass beschert haben, wirken mit den neusten Enthüllungen wie blanker Hohn. Die Auflösung der Band war die einzige Option, die Wolf Down in dieser Situation noch hatten. Offen bleibt dabei, ob die Angelegenheit auch rechtliche Konsequenzen haben wird.