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Slampeotry ist die junge und spritzige Art mit der Sprache zu spielen. Die Thuner Wortakrobaten der Gruppe «Thun ist Nirgends» haben das ganze mit Musik gemischt und liefern zwei Mal pro Jahr eine sprachlich bunte Show in der Mundwerk-Bar in Thun ab. Negative White hat sich mit ihnen in ihrem Proberaum in Steffisburg getroffen.

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Die bunte Mischung macht’s (Foto: Tatjana Pürro)

Geschichten und Bilder tropfen von den Kellerwänden des Thun ist Nirgends -Proberaums in Steffisburg: Zeitungspapier. Postkarten. Ausdrucke. Konzertplakate. Und ein grosser Spiegel. Ein behagliches, kreatives Durcheinander. Ein geeigneter Trainingsraum für die Thuner Wortakrobaten. «Hier proben neben uns noch mehrere Bands», sagt Remo Rickenbacher während er seine Jacke über die Lehne eines Polstersessels legt. «Wir zum Beispiel – Infinite Hills», sagt Marco Gurtner und zeigt auf seine beiden Bandkollegen Jan Dintheer und Steven Wyss, die zugleich für die musikalische Seite von Thun ist Nirgends sorgen.
«Jan, Steven und Marco sind schon seit fünf Jahren gemeinsam in einer Band und wir anderen treten regelmässig an Slams auf. Alle von uns wissen was sie tun und haben Erfahrung», erklärt Remo und fügt gleich hinzu: «Wenn wir zusammen als Team auftreten, haben wir die Möglichkeit mit Texten und Musik zu experimentieren, auch mal Sachen auszuprobieren, die wir an herkömmlichen Slams niemals vortragen könnten.»

An herkömmlichen Slams – dort hat die sechsköpfige Gruppe ihren Anfang genommen. Remo Rickenbacher war lange Zeit der Einzige in Thun wohnhafte Slammer. Mit Sarah Mettler, Marco Gurtner und Michael Frei bekam die Schweizer «Slamiliy“ kurz nacheinander Zuwachs von gleich drei Thuner Newcomern. «Ich war hier der Drahtzieher, bin auf die Drei zugegangen und habe die Idee einer Zusammenarbeit aufgeworfen», sagt Remo. Auf seine Anfrage waren alle sofort Feuer und Flamme für das Projekt.

Thun ist Nirgends ward geboren

Die Idee zum Gruppennamen kam von Michael Frei und ist eine Hommage an die bekannte Berner Autorengruppe Bern ist Überall, die ebenfalls ihre Texte mit musikalischer Begleitung vortragen. «Ich hatte die Berner schon einige Male live gesehen und ihr Konzept gefiel mir sehr. Ich fand, das könnten wir eigentlich ein zu eins von ihnen abkupfern», sagt Michael.
Gesagt getan. Aber was, ausser dem Städtenamen, unterscheidet denn nun Thun ist Nirgends von Bern ist Überall?

Wir sind jung und sexy.Marco Gurtner

«Wir setzen uns keine thematischen Grenzen», antwortet Michael. Zwei Mal im Jahr tritt das Sextett in der Mundwerk Bar in ihrer Heimatstadt auf. Dabei lassen sie ihrer Kreativität freien Lauf. Sie tragen auch mal ganz neue Texte vor. Aber nie zwei Mal den gleichen in derselben Örtlichkeit – eine Slam-Poetry-Regel. «Auch deswegen würden wir gerne einmal an anderen Orten und ausserhalb von Thun auftreten», sagt Sarah Mettler, «so könnten wir auch die älteren Texte mal wieder vortragen.» Generell sei es ein Ziel der Truppe, mit ihrem Programm durch die Schweiz zu reisen, auch um den Jungen zu zeigen, dass Literatur nicht versnobt und verstaubt ist, sondern auch lebendig und witzig sein kann.

Von der kuschligen Sofaecke, wo wir unser Gespräch geführt haben, geht es weiter zur Probe für die nächste Show. Musik und Text muss zusammenpassen und ein einheitliches Bild ergeben. Das braucht etwas Übung. «Unsere Musiker machen das sehr gut», sagt Sarah Mettler, «wenn wir eine bestimmte Idee für einen Jingle im Ohr haben, können wir ihnen diese beschreiben und die beiden setzen sie genauso um.» Eine Aufgabe, die auch den beiden Musikern Spass macht. «Wir können hier eine andere Seite der Musik ausloten», sagt Jan Dintheer. «In einer Band werden ganze Songs gespielt. Diese Jingles, kurze, rhythmische Sequenzen zu den Slamtexten, sind da ganz etwas anderes», ergänzt Steven Wyss. Gitarre und Bass geben dem Vorgetragenen einen besonderen Schwung. Mal laut, schnell und durchaus etwas vulgär. Beim nächsten Mal leise und nachdenklich.

Sarah - der ruhende Pol der Gruppe (Foto: Tatjana Pürro)

Sarah – der ruhende Pol der Gruppe (Foto: Tatjana Pürro)

Diese bunte Mischung ist es auch, die den Stil der Gruppe ausmacht. Jeder der Slammer hat eigene Vorlieben und Arten der Performance. «Sarah ist zum Beispiel der ruhige Pol der Gruppe. In Sachen Performance, aber auch als Person», meint Remo, wobei die Slam-Poetin selbst gleich ergänzt: «Er hat recht. Normalerweise sind meine Texte eher nachdenklich, aber jetzt habe ich erstmals auch einen witzigen Text vorbereitet.» Experimentieren und ausprobieren ist in jedem Fall erwünscht.

Und was will das Thuner Sextett noch?«Wir wollen die Weltherrschaft» – Thun ist Nirgends

 

Bevor es aber so weit ist, stellen sie sich anfangs Mai erneut zwei Mal dem anspruchsvollen Publikum des Mundwerks. Wegen der grossen Nachfrage sind Thun ist Nirgends am 8. und 9. Mai gleich an zwei aufeinanderfolgenden Tagen in dem gemütlichen Kellerlokal zu sehen. An beiden Abenden werden neben den vier Slam-Poeten und zwei Musikern jeweils ein Special Guest auf der Mundwerk-Bühne sein Können unter Beweis stellen und unterschiedliche Texte performen.

Michael und Marco in ihrem Element (Foto: Tatjana Pürro)

Michael und Marco in ihrem Element (Foto: Tatjana Pürro)

«Wir laden zwei verschiedene Gäste ein, damit nicht an beiden Aufführungen genau dasselbe zu sehen sein wird», sagt Remo Rickenbacher. An beiden Abenden ist Platz für hundert Personen. Wer ganz sicher mit dabei sein will, kann sich im Voraus einen Platz reservieren. Der Anlass ist aber weiterhin gratis mit Kollekte. Wer genau mit den Thunern auf der Bühne stehen wird, ist noch nicht klar. Sicher ist auf jeden Fall, dass sich Fans von Sprache und Musik auf einen weiteren emotionsgeladenen Abend mit herrlichen Texten und passender Musik freuen dürfen.

Weitere Informationen findet ihr auf der Thun ist Nirgends Facebook-Seite.