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Danko Jones haben ihre Hausaufgaben gemacht. In einem gut gefüllten Komplex 457 stellten die Kanadier ihr neues Album „Rock And Roll Is Black And Blue“ vor. Natürlich versetzten die alten Hits das Publikum ebenso in Wallungen.

The Mango Kid alias Danko Jones (Foto: Nicola Tröhler)

 

Vom Himmel tanzten die ersten Schneeflocken. Nach der Türöffnung war ein Konzertsaal in der kleinstmöglichen Ausführung vorzufinden. Kein Balkon, kein verlängerter Raum. 2011 wurde nicht einmal das Winterthurer Gaswerk gefüllt, wieso sollte also das Komplex plötzlich rappelvoll sein? Zunächst bot sich genau dieser traurige Anblick. Ein paar einsame Grüppchen und Gestalten schienen sich beinahe in der Grösse des Lokals zu verlieren. Als die erste Vorband, Adrenaline 101 aus Zürich, zu spielen begann, sah es noch nicht rosiger aus.
Die vier Musiker von Adrenaline 101 überraschten mit einem beatgetriebenen Nu Metal. Leider trifft die Genre-Bezeichnung nur auf den ersten und letzten Song zu. Dazwischen gab es Hardrock und Heavy Metal irgendwo zwischen Nickelback und Motörhead. Die Stimme von Delon Cyclon erreichte beim Singen nie den nötigen Charakter. Adrenaline 101 tun gut daran, weiter auf den Crossover von Metal und Hip-Hop zu setzten, denn mit diesen Songs kann Stimmung erzeugt werden.
Bombus ist die lateinische Bezeichnung für die Hummel. Das einzige, was beim Auftritt der Schweden summte, waren die Vibrationen des Double-Bass. Die vierköpfige Band als brachial zu bezeichnen, wäre eine schamlose Untertreibung. Gesang spielt die zweite Geige, im Vordergrund stehen die gewaltigen und schweren Riffs und erbarmungslose Drums. Der Sound von Bombus ist laut und hart, verzichtet auf grossartig melodiöse Spielereien, sondern haut dir geradewegs in die Fresse. Nach Adrenaline 101 waren Bombus geradezu ein Kulturschock. Das Publikum wurde erschlagen.

Lange dreissig Minuten musste das Schweizer Publikum auf die Helden des Abends warten. Jene Band, die sich mühsam, aber stetig erfolgreich in den Rockolymp kämpft und dabei noch die toten Legenden ehrt. Danko Jones, der Sänger, der seiner Band auch gleich noch den Namen gibt, ist ein wahrer Entertainer und Spassvogel. Er hatte die Menge ab der ersten, gespielten Saite im Griff. Selbst Barney Stinson wird da zum Kanada-Fan. Ihr Kickass-Rock’n’Roll fegte durch das Komplex, welches mittlerweile doch als recht gefüllt bezeichnet werden konnte. Danko Jones begeistern nicht nur mit ihrem schnellen, geradlinigen Garage Rock, sondern auch mit der Ehrlichkeit und Authenzität, die ihre Songs versprühen. Keine Sekunde zweifelt man an der Glaubwürdigkeit der drei Musiker, die sich oben auf der Bühne die Seele aus dem Leib jagen. Die schnellen und markanten Riffs jagen unverblümte Energie durch die Lautsprecher, unterstützt von einer imposanten Lichtshow. Eine Band, die ungehemmt nach oben klettert!
Auch wenn keine vergleichbare Intimität zwischen Band und Publikum entstehen konnte wie im Gaswerk, löste Danko trotzdem Lacher und Jubelrufe aus, wenn er sich mittels „Spoken Word Performance“ an die Besucherinnen und Besucher wandte. Danko Jones bedeutet pure fucking Rock. Da fliegen gerne halbvolle bis volle Bierbecher durch die pogende Meute.
Danko Jones spielten ein ausgewogenes Set mit neuen Songs und alten Hits wie Do You Kiss On The First Date, Forget My Name oder Full of Regret. Und weil Rock’n’Roll ja das Böse ist, durfte I Think Bad Thoughts in der Zugabe auf keinen Fall fehlen. Und natürlich Mountain. Den Song, den sie nie zufriendenstellend aufnehmen konnten. „This heart gets stronger, this skin gets thicker, this mouth gets louder!“

Obwohl Danko Jones eine heisse Show ablieferten, blieb der Schnee draussen liegen. Da haben die Kanadier doch ihr Heimatwetter mitgebracht und sollten der Schweiz schnell wieder einen Besuch abstatten und das kalte, nasse Weiss am besten gleich mitnehmen!

Fotos: Nicola Tröhler