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Es gibt unzählige Bücher über die Musik. Viele sind schlecht bis scheisse. Wie wohltuend ist da die Wahrheit über die Popindustrie, die Tim Renner und Sarah Wächter für uns aufdecken.

 Wir hatten Sex in den Truemmern

Normalerweise sind Vorworte langweilig. Sie sind wie die Werbung im Kino, die einem gehörig auf den Zeiger geht. Doch im Werk der beiden Autoren sind bereits in den ersten Zeilen Erkenntnisse verborgen, die man direkt unterschreiben kann.

Musik ist kein Sport, es geht nicht um das Höher, Schneller, Weiter. Die Relevanz eines Songs lässt sich nicht an Verkaufszahlen messen. Denn Musik ist reine Emotion. […] Insofern ist Musik komplett überflüssig – genauso wie die Liebe. […] Allerdings ist ein Leben ohne Musik und Liebe nicht lebenswert.Auszug

Wer denkt, dass Renner und Wächter ihr Pulver nun bereits verschossen haben, irrt gewaltig. Gemeinsam haben die beiden Jahrzehnte an Erfahrung im Musikgeschäft auf dem Buckel. Tim Renner baute Tocotronic, Element of Crime, Sportfreunde Stiller und Rammstein auf. Von 2001 bis 2004 war er Geschäftsführer der Universal Music GmbH in Deutschland. Seine Geschichte alleine könnte ein Buch füllen.
Sarah Wächer, geboren 1984, legte lange als DJane auf und schrieb für diverse Musikmagazine. Später stiess sie zu Renners Label Motor Music und lernte das Business von einer anderen Seite kennen. Seit 2012 leitet sie die eigene Promo- und PR-Agentur «s’läuft».

Soviel zu den Autoren. Mit Wir hatten Sex in den Trümmern und träumten rasselt der Leser unterhaltsam quer durch die verrückte Popwelt. Von Ludwig van Beethoven bis in die Techno-Rave-Szene. Wer wusste, dass Phillip Boa mit bürgerlichem Namen Ernst Ulrich Figgen heisst. Da hätte auch ich mir einen Pseudonym zugelegt.
Renner und Wächter greifen viele Themen auf: Promotion, Casting-Shows, Bühnentechniker, Manager, Labels, Heino, die Systematik in der Popindustrie. Es ist eine immense Fülle an Information. Trotzdem brummt einem beim Lesen niemals der Kopf. Das ist dem grossen Schreibtalent der beiden Autoren zu verdanken, dass sie all das in eine kurzweilige, packende Form gebracht haben. Das Buch amüsiert, informiert, schockiert. Die Spannung erhält das Werk wegen seiner Authentizität. Die Protagonisten kommen selbst zur Sprache. Sei es Dieter Meier von Yello, Nikel Pallat oder Jan Mewes, der Heino-Macher.
Das Buch ist ein absolutes Muss für jeden Musikbegeisterten, jeden jungen Musiker und jeden Journalisten. Auf über 300 Seiten gibt Wir hatten Sex in den Trümmern und träumten einen faszinierenden Einblick hinter die Kulissen der glitzernden Poplandschaft, entzaubert das illusorische Bild der Öffentlichkeit. Nach dieser Lektüre sieht man die Welt mit anderen Augen.

Weitere Infos zum Buch
Etwa 336 Seiten
ISBN-13: 9783827011619

Berlin Verlag