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Anstatt sich Marilyn Manson anzutun, hat sich unser Reporter Sacha Saxer mit den Salzburger «Space Rockern» von Steaming Satellites zusammengesetzt und mit ihnen über ihr neues (Debüt-)Album geredet.

Steaming Satellites im Werk21 (Foto: Sacha Saxer)

Steaming Satellites im Werk21 (Foto: Sacha Saxer)

Negative White: Ihr habt vor knapp zwei Monaten euer drittes Album veröffentlicht, aber dennoch betrachtet ihr es als euer Debütalbum. Wie kommt das?

Steaming Satellites: Wir hatten in den letzen zwei Jahren ein paar Streitigkeiten in der Band gehabt, waren sogar kurz davor, uns aufzulösen und für uns war das Album wie eine Art Neuanfang. Ganz nach dem Motto: «Jetzt machen wir nochmal was Vernünftiges oder wir lassen es ganz sein.» Deshalb ist das für uns eine Art Debütalbum geworden.

Ich hab mir das Album angehört und muss sagen, das war eine gute Entscheidung.

Danke. (lachen)

Das war das erste Mal, dass ihr einen Produzenten hinzugezogen habt.

Ja. Wir haben alles live eingespielt. Es war uns sehr wichtig, dass wir den Live-Charakter rüberbringen. Jeder kann sich auf sein Instrument konzentrieren und weiss, was er zu tun hat. Das ist auch mit ein Grund, wieso wir das als Debütalbum ansehen. Früher ist viel am Computer entstanden und rumgeschnippelt und gebastelt worden. Das wollten wir diesmal nicht.

Steaming Satellites (Foto: Sacha Saxer)

Steaming Satellites (Foto: Sacha Saxer)

Das machen nicht viele Bands. Der Aufwand ist doch sehr gross im Vergleich zu konventionellen Aufnahmen.

Ja, das stimmt schon. Wir haben die Songs auch gerne mal 40-50 mal gespielt, jeden Tag einen Song. Aber das Ergebnis ist einfach viel mehr das, was wir wollten. Da wir Overhead Mics hatten, konnten wir auch nicht einfach einzelne Instrumentenspuren austauschen, das hätte man gehört. Jeder Song ist das Resultat von zwei bis drei Takes, nicht mehr.
Wir haben auch sehr viel Wert auf die Vorproduktion gelegt, dass jeder weiss, was er zu tun hat.

Ich hab gehört, dass ihr euch früher oft in den Details verloren hattet, noch während den Aufnahmen neue Kompositionen eingebracht habt.

Oh ja, da haben wir uns ab und zu ein bisschen verlaufen. Die Gefahr besteht natürlich immer ein wenig. Aber mit einem Produzenten kannst du das minimieren. Da hast du jemanden, der das Ganze von aussen betrachtet und auch mal Stopp sagt.

Wie stark ist denn der Einfluss eines Produzenten auf ein Album? Es sollte ja immer noch eure Musik sein.

Natürlich muss zuerst einmal eine gewisse Vertrauensbasis bestehen. Das ist die Grundvoraussetzung für uns, wenn wir mit einem Produzenten zusammenarbeiten wollen. Für uns war es ja auch das erste Mal. Er hat uns ein Stück weit gefordert, hat uns klar unsere Schwächen und unsere Stärken aufgezeigt. Das war aber auch wichtig, dass wir mal einen Spiegel vorgehalten gekriegt haben. Für uns war das ein wichtiger Schritt für die Zukunft.

Steaming Satellites (Foto: Sacha Saxer)

Steaming Satellites (Foto: Sacha Saxer)

Ihr habt jetzt also beschlossen, dass ihr wirklich weiter macht und schaut nicht einfach darauf, wie gut das aktuelle Album ankommt?

Nein, es hat sich jetzt wieder eingependelt. Klar wird es immer mal wieder Krach geben, aber damit können wir jetzt umgehen.

Die Tour ist bald vorbei. Wie war das Feedback der Fans bisher?

Super. Bis auf so zwei, drei Shows, wobei auch da die Stimmung super war, aber es für uns halt nicht ganz so gut gestimmt hat. Man denkt natürlich auch an Besucherzahlen, man will ja auch was verdienen. Aber sonst gibt’s eigentlich nichts zu beklagen.
Es ist halt anstrengend. Wir spielen ja immer montags bis samstags, dann den Sonntag frei. Wir haben uns in jeder Stadt verbessert. Das ist auch unsere Philosophie, dass wir Jahr für Jahr wieder kommen und immer mehr wachsen. Wir sind keine Hype-Band, wir bauen uns Stück für Stück auf. Das ist uns auf dieser Tour eigentlich so gelungen, wie wir uns das vorgestellt hatten.

Habt ihr schon Fans, die euch von Konzert zu Konzert folgen?

Ja, tatsächlich. Vor allem auch in der Schweiz gibt’s ein paar, die immer ganz vorne stehen. Das ist immer ganz lustig; da sind immer so um die vier, fünf Leute um die Zwanzig, die fahren wirklich zu jedem Konzert in der Schweiz.

Steaming Satellites (Foto: Sacha Saxer)

Steaming Satellites (Foto: Sacha Saxer)

Ihr werdet ja oft mit Kings of Leon und ähnlichen verglichen, aber ich denke nicht, dass das euer Grundeinfluss ist. Wenn man in eure Alben reinhört, merkt man, dass das viel 60er-, 70er-Musik drin steckt. Wie kommt man als relativ junge Musiker darauf, solche Musik zu machen?

Weil’s cool ist. Keine Ahnung. Ich meine, moderne Musik ist ja auch nur eine Abkupferung von alten Sachen. Für uns sind einfach die 60er und 70er die wichtigste Musik. Natürlich haben wir auch moderne Einflüsse, aber die Zeit hatte einfach eine eigene Energie gehabt.
Es ist auch die Einstellung aus der Zeit. Wie man damals Musik gemacht hat, wie man zur Musik gestanden hat, wie man sich der Musik hingegeben hat. Es ist sehr bereichernd, wenn man sich anschaut, wie das damals funktioniert hat.

Denkt ihr, das fehlt heute ein wenig?

Oh ja. Heute ist viel mehr Berechnung dahinter. Ich denke, das war früher nicht so im Vordergrund. Es war natürlich auch da, denn jeder will ja ein bisschen Geld verdienen, aber es war alles viel freier. Heute ist irgendwie keine Freiheit mehr da. Es geht immer nach dem Motto: «Passt das in das Schema rein?» Dass man komplett ohne Vorgaben Musik macht, gibt’s gar nicht mehr.
Es muss immer irgendwelchen Genres entsprechen, damit man in gewissen Clubs spielen kann, damit man in gewissen Magazinen erscheint. Wenn man sich zwischen diesen Genres bewegt, dann hat man’s sehr schwer, weil dann die einen sagen, das sei zu schräg, und die anderen sagen, das sei zu poppig. Dass genau diese Band dazwischen gefördert werden, denn dort könnte ja etwas Neues entstehen, das fehlt irgendwie.

Das hängt auch mit den Radiosendern zusammen. Teilweise hören wir dann: «Eure Musik ist zu gitarrenlastig.» Da denk ich mir dann auch immer: «Da gibt’s ja genug Pop-Musik, die genauso viel Gitarre im Sound haben wie wir und dort ist es ok.» Da ist eine gewisse Doppelmoral vorhanden.

Steaming Satellites (Foto: Sacha Saxer)

Steaming Satellites (Foto: Sacha Saxer)

Das ist ja auch von Land zu Land sehr unterschiedlich. Ich hatte erst vor kurzem ein Gespräch mit Arcane Roots aus England, und die wollten erst einen ruhigen Song als Single rausbringen, aber das Management meinte, im Moment laufen die härteren Sachen besser. Das passiert leider in der Schweiz nicht.

Das ist in Österreich ähnlich. Es gibt eh nicht viele Radiosender, die sowas spielen würden. Die fahren halt die Mainstream-Schiene. Zum Glück gibt’s noch ein paar alternative Radiosender wie «FM Wien», die die alternative Szene unterstützen. Klar, die haben auch einen eigenen Stil und eigene Vorgaben, aber die bringen wenigstens was anderes und machen wirklich viel für die österreichische Musikszene. Das gibt’s glaub ich in Deutschland auch nicht. Wie’s in der Schweiz aussieht, weiss ich jetzt nicht.

Da gibt’s einen Zusammenschluss von dreizehn nichtkommerziellen Radios, die spielen alles ausser Mainstream.

Oh, cool. Sowas gibt’s bei uns gar nicht, dass Radiosender zusammenarbeiten. Da wird eher nur gegeneinander gearbeitet.

Was sind die nächsten Schritte für euch, wenn die Tour vorbei ist?

Ende November haben wir eine ziemlich grossen Support-Slot für Alt-J gekriegt in der Wiener Stadthalle. Das ist etwa das grösste Ding, das wir bis jetzt gehabt haben. Im Januar und Februar haben wir noch eine England-Tour vor uns. Es gibt viel zu tun auf jeden Fall.

Steaming Satellites (Foto: Sacha Saxer)

Steaming Satellites (Foto: Sacha Saxer)