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Am vergangenen Mittwoch lud das Projekt BlutEngel des Sängers Chris Pohl ins Zürcher X-Tra. Die umstrittene Band bestritt einen packenden Auftritt, der sowohl für die Ohren als auch für das Auge etwas zu bieten hatte.

Es war ein Abend für düstere Klänge, den Lost Area eröffneten. Zahlreiche Veränderungen in jüngster Zeit hat die Band und ihren Sound geprägt. Den grössten Einfluss hatte wohl der neue Sänger VDiva. Die tiefe, dunkle Stimme traute man dem Schönling gar nicht zu. Dennoch durchdrang sie den Club wie ein Donnerhall. Die neueren Songs waren durch einen deutlichen Rückgang der elektronischen Elemente geprägt, was mehr Raum für Drums und Gitarre schaffte. Lost Area klang so – auch Dank VDivas Stimme – deutlich rockiger. Unglücklich war jedoch der Sound abgemischt. Gerade bei den älteren, teils schwer beladenen Songs verschwammen die Arrangements zu einem dröhnenden Brei. Lost Area boten dennoch einen erfrischend unbeschwerten Auftritt.
BlutEngel gehört zu den umstrittensten Gruppen der Gothic-Szene. Entweder man mag sie oder eben nicht.

Zugegeben, die klischeehafte Behandlung von Themen wie Trauer, Depression, bis hin zu Selbstmord ist nicht jedermanns Sache. Gekoppelt mit poppigen, Synthie-lastigen Lines sagt manch einer BlutEngel Einfallslosigkeit und Oberflächlichkeit nach. Trotzdem hat das Konzept, das sich über die Jahre nicht grossartig verändert hat, Erfolg. Und ein kurzer Blick ins Publikum brachte auch Szenefremde Besucher zu Tage. Unliebsame Emotionen, die Pohl mit BlutEngel aufgreift, werden vom Publikum als zum Leben gehörend aufgenommen.

Die Show der Berliner startete mit einem ausschweifenden, stimmigen Intro. Blickfang war eine bloss in einen Hauch von Unterwäsche gekleidete Dame, die mit einem feurigen Tanz auf die Engel einstimmte. Es sollte nicht der einzige laszive Auftritt bleiben. Chris Pohl umgab sich auf der Bühne mit Frauen, von denen nicht alle sangen. Das Poppige der Future Pop-Formation zeigte sich denn auch in den für die Szene eher untypischen, choreographischen Tänze der attraktiven Damen. Die Pyro-Effekte trugen weiter zur opulenten und atmosphärischen Stimmung des Konzert bei. BlutEngel trägt dick auf. Der Sound von Songs wie Doomsday oder Über den Horizont mag die Gemüter spalten, doch die Show zog die Besucher in den Bann. Auch durfte sich Zürich älteren Stücken wie das schnelle und pumpende Soul of Ice oder dem tragischen und bedrückenden Lucifer erfreuen.

«You look so pretty with tears in your eyes» – Grund zum Weinen war der Auftritt von BlutEngel auf keinen Fall. Die tanzbaren Songs mögen polarisieren, doch das Gesamtbild der Gruppe sorgte für einen stimmungsvollen Abend.