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Was kann man sich so alles durch die Nase ziehen und den Rachen runter lassen? Die Freak Show von Hellzapoppin hat’s gezeigt. 

«Macht mich nicht so an.» «Ich kenne die Tricks.» «Ich sehe ja im Promovideo, was die zeigen.» «Andere Prioritäten.» Ok, ok dann geh ich halt alleine. Das Showkonzept von Hellzapoppin Rock’n’ Roll Circus Freak Show scheint auf meine Freunde keinen grossen Reiz auszuüben. Und auch im Komplex Club waren nur wenige Zuschauer versammelt. Liegt es an der Hitze, dass so wenige Leute da waren oder ist dieser Wanderzirkus nicht mehr zeitgemäss?

Der veränderte Menschenzoo

Freakshows mit speziell aussehenden Personen und Leuten die meist ekelerregende, aber übernatürlich erscheinende Tricks zeigen, gab‘s ja schon seit je her. «Solche Ungeheuer haben Sie noch nie gesehen» versprachen skrupellose Schausteller Anfang des 20. Jahrhunderts ihrem Publikum – und stellten Menschen mit abnormalem Aussehen aus wie exotische Tiere. Das hat zum Glück überhaupt nichts mehr mit dem Konzept von Hellzapoppin zu tun. Die Künstler sind eigenständig und machen aus ihrer Besonderheit eine Show. Sie wollen gesehen werden und zeigen, was sie können.

Zudem muss man sagen, dass in der derzeitigen Besetzung nur zwei Personen mit dabei sind, die nennen wir es mal ein besonderes Aussehen haben und zwar sind das Short E. Dangerously, auch genannt Half-Man, weil er keine Beine hat und Nik Sin, der wohl kleinste Entfesselungskünstler der Welt. Aber wie bei den restlichen drei Künstlern ging es auch bei diesen beiden viel mehr, um das was sie besonderes Können.

Mich machte vor allem die Kombination zwischen Rock’n’Roll und einer solchen Show an. Und ich kann sagen, die Mucke hat auf jeden Fall gepasst, wobei eine Live Band das Ganze sehr aufwerten würde. Auch wäre es natürlich um einiges toller, die Show in einem freakigen Zirkuszelt oder Ambiente sehen zu können.

Das Publikum als Teil der Show

Die Show lebt neben der Musik ganz klar von der Publikumsnähe, witzigen Ansagen und den derben Sprüchen. Die fünf Künstler verblüfften zudem mit ihrem Können und gewannen mit einer sympathischen Art. So bezogen sie mehrfach das Publikum mit ein. Sei es für ein AcroYoga-mässiges Kunststück, Schwerter aus dem Rachen ziehen, Prüfen der Echtheit von Gegenständen oder wie zum Schluss als sie sämtliche Zuschauer auf die Bühne lockten, um zu zeigen, wie der Trick mit der Box funktioniert. Ihr wisst schon, dieser Trick, bei dem eine Frau in die Box steigt und worauf der Zauberer zig Scheiben oder Schwerter hinein steckt. Wer wollte durfte übrigens auch eine Spende in die Box werfen. 

Illusion, Trick oder Echtheit? Eigentlich ist es ja egal. Die Show begeisterte die Zuschauer, was an den vielen emporgehaltenen Handys zu erkennen war. Bis ins letzte Detail war alles einstudiert und sass 100-prozentig – muss es ja auch bei Teils tatsächlich gefährlichen Stunts.

Mit der Zeit hatte ich es dann allerdings gesehen mit dem «Ich schluck Ballon, Schwert, Bohrer, Kettensäge und noch mehr, ziehe etwas die Nase hoch und lasse es wieder aus den Augen hervorkommen.» Ich hätte wohl mehr Freude an anderen, weiteren Tricks gehabt oder vielleicht akrobatischen Nummern, welche zwar auch vorhanden waren, aber im Vergleich noch mehr Platz haben könnten.

Zu viel zum sonstigen Inhalt möchte ich hier nicht verraten. Es soll ja schliesslich spannend für die vielen Abwesenden bleiben. 

Denn am Schluss versprachen Hellzapoppin, dass sie wieder kommen; mit noch mehr Freaks und Tricks. Ob ich nochmals gehen würde, mag ich zu bezweifeln. Aber grundsätzlich kann man sich das sehr gut antun, auch wenn man schwache Nerven hat. Denn mal ehrlich, was schockt denn heute in diesem Bereich wirklich noch?