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Selten hat eine österreichische Band für solch eine Furore gesorgt. Auf der einen Seite abschreckend, auf der anderen ergreifend. Um den aktuellen Hype unter die Lupe zu nehmen, gab ich mir gespannt das Album «Bussi» von Wanda zum besten.

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Selten hat eine österreichische Band für solch eine Furore gesorgt (Foto: zvg)

Man mag sie oder hasst sie – ein Dazwischen gibt es bei ihnen nicht. Mein Arbeitskollege, bekennender Wanda-Fan, liess das neue Album Bussi auf und ab laufen – und wenn ich «auf und ab laufen» schreibe, meine ich es auch so – ganze neun Stunden lief es in der Repeat-Schlaufe! Die einen haben die Türen zugedrückt, die anderen haben ihn vom Feinsten angemotzt – nichts da, er liess Bussi unbeirrt weiter laufen. Sein Motto: Irgendwann finden es die einen sicherlich gut und werden sich die Scheibe auch reinziehen.

Mich störten die Wiener Charmbolzen nie, ich hörte aber auch nicht genauer hin. Irgendwann kam dann der Moment, als ich mir das Album bewusst durchgehört habe – meine Erkenntnis? Die folgt sogleich.

Mit dem Ohrwurm schlechthin startet die LP, die Rede ist vom banalen Titel 1, 2, 3, 4. Durch den einfachen Refrain «1, 2, 3, 4, es ist so schön bei dir» und die eingängige Melodie, bohrt sich der Song in die letzte Hirnzelle hinein. Bei Track Nummer Zwei Meine beiden Schwestern kommt Kneipenfeeling auf. Man ist in einer Kellerkneipe in Wien, es ist nach vier Uhr, der DJ lässt den Song abspielen und die Übriggebliebenen schielen sich gegenseitig an. Runtergekommen sitzt eine junge Dame auf einem abgewetzten Ledersofa. Etwa zehn Tanzfreudige tummeln sich in der Mitte des Ladens rum. Neben dem DJ-Pult lehnt sich ein Typ an und fühlt sich vom Text animiert, die runtergekommene Frau anzumachen

Flaschen von Gestern,
meine beiden Schwestern,
ich schau dich gern von rechts an.
Hin und wieder stehen wir uns nah

Leider geht es nach hinten los. Bis er sich zu ihr vorgedrungen hat, wird schon der nächste Song abgespielt. Bei genauerem Hinhören fällt ihm auf, der ist ja noch besser! Die kleinen Falkos singen Bussi und der schamlose Herr spitzt die Lippen an, in der Hoffnung er kann nun doch noch mit einer rummachen! Falsch, dieser Track ist der All Time Favourite der jungen Wienerin. Urplötzlich durchströmt sie wieder Leben und sie zerfetzt die Tanzfläche förmlich. Will heissen, dieses Lied zeichnet sich schlicht und weg durch die Einfachheit aus.

Als der Laden das Zeichen setzt – verpisst euch -, wir schliessen gleich, spielt der Song Lieber dann als wann – ein Track, welcher davon handelt, dass man sich selber nicht gut finden soll. Kurz darauf ist die Kneipenkundschaft im Freien – es ist saukalt, Winter, es schneit unermüdlich. Der Möchtegern-Kavalier von vorhin packt sein Handy aus und versucht in seinem Suff die Spotify-App zu drücken – Gib mir alles fliesst in seine verstopften Ohren rein. Er muss voll aufdrehen, damit er überhaupt was hören kann. Das Schlagzeug hört sich in jedem Song fast identisch an, nichts Spannendes – in diesem Song zeigt sich das Keyboard im Vordergrund.

Auf einer Eisfläche gestürzt, rückt der Mann seine Kopfhörer zu Recht, das Lied passt ihm weniger. Nimm sie wenn du’s brauchst animiert ihn sogleich zum Aufstehen, schneller zu laufen, Wärme durchströmt seinen Körper. Auch hier zeigt sich wieder ein einfacher Chorus als vorteilhaft – die Menschen können dazu mitjohlen, müssen nicht viel denken.

Alarm! ertönt als der durchzogene Typ auf einer Bank auf die Bahn wartet – dabei ertappt er sich wie er dazu mitsingt «Tiuiui Tiuiui (Alarm!) Tiuiui Amore»!

Die U-Bahn fährt ein, er drückt aus Versehen auf den Lautsprecher und Mona Lisa der Lobau durchquert den fast leeren Wagon. Eine Frau, Mitte vierzig, runzelt genervt die Stirn und stöbert auf ihrem orangen Plastiksitz ihre Tasche – sie kontert mit dem Track Bussi und drückt wieder auf Stopp. Der Typ hat es geschnallt, der Song taugt nichts. Der nächste Track Das wär schön passt zur aufgehenden Sonne – er kommt leichter daher als die restlichen Titel des Albums.

Bei seiner Station angekommen, nimmt er die Rolltreppe hoch. Dazu läuft Sterne – ein Schunkel-Lied, das um vier Uhr hätte gespielt werden sollen. Jetzt passt es nicht mehr wirklich. Müde aber froh, sein Haus am Horizont zu sehen, beginnt der Track Andi und die spanischen Frauen. Die Klavierklänge spornen ihn an, die letzten Meter zu schaffen und ganz nebenbei kommt ihm noch die Frau von der Nacht in den Sinn. Gewillt, keinen Gedanken mehr daran zu verschwenden, er war einfach zu betrunken, rennt er fast die Treppe zu seiner Wohnung hoch. Wie Marco Micheal Wanda so schön singt: Es ist wurscht! Daheim angekommen, begleitet ihn der letzte Track des Albums Kein Herz im Hirn ins Bett, was für eine Nacht mit Wanda!

Wanda sticht durch ihre einfachen Texte heraus, die Lieder an und für sich sind nichts Neues. Muss es aber ja auch nicht immer sein! Dieses Album ist für alle, die Musik  zum Mitjaulen wollen und auf schlüpfrige Texte stehen. Wer den Wiener Rock’n’Roll von unseren östlichen Nachbarn mal live sehen will, hat am 10. Dezember 2015 im Dynamo oder am 17. Februar 2016 im Volkshaus Zürich die Gelegenheit dazu.