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Es war ein heisser Nachmittag, im Sommer vor ein paar Jahren. Ich quälte mich schwitzend durch die stickige Luft von Zürich. Irgendwann landete ich in einem Plattenladen und wurde von einer Hose mit halboffenem Reissverschluss verführt.

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Wenn jemand meine musikalische Erziehung geprägt hat, dann war es mein Onkel. Leidenschaftlicher Musik-Fan, Vinyl-Liebhaber und Hi-Fi-Aficionado. Erst stellte er mir Bob Dylan vor, dann The Who und Led Zeppelin.

Und eben jener Onkel ist begeisterter Anhänger der Stones. Umso erstaunlicher, dass ich eigentlich keinen Stones-Song wirklich kannte, bevor ich an einem Sommernachmittag in einen Zürcher Plattenladen stolperte. Sticky Fingers verführte mich, eine westdeutsche Pressung mit einem richtigen Zipper dran. 32 Franken bezahlte ich, die Schallplatte im besten Zustand. Im Nachhinein kann ich nicht mehr sagen, weshalb ich die Platte gekauft hatte. Aus Neugier auf die Stones? Oder aus Faszination über das Warhol-Cover?

Es spielt auch keine Rolle, denn ich hatte Glück. Glück, eine der besten Stones-Scheiben gekauft zu haben. Sticky Fingers – übrigens das erste Stones-Album mit der Zunge – wird vielleicht nur von Exile On Main Street übertrumpft. Auf jeden Fall zog mich der Sound des 1971 erschienen Albums sofort in seinen Bann.

Ich könnte nun über alle dieser zehn Songs einige Worte verlieren. Doch mein absoluter Favorit ist und bleibt Can’t You Hear Me Knocking. Ein, um es ganz bescheiden zu sagen, episches Werk. 7 Minuten, 14 Sekunden. Nach einem Drittel des Songs hört Jagger auf zu singen und die Band spielt sich beinahe fünf Minuten lang in einen bislang ungehörten Rausch, ein Solo jagt das nächste. Das deutsche «Rolling Stone Magazin» beschreibt Mick Taylor’s Solo als «nie langweilig werdend». Und verdammt, die lieben Leute vom «Rolling Stone» haben Recht.

Can’t You Hear Me Knocking ist ein perfekter Song, den fruchtbaren Lenden eines magischen Zusammenspiels entsprungen. Ein Song, der das Attribut «cool» nicht nur verdient, sondern sogar definiert.