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Mit Yellow Teeth bahnt sich im Wallis nebst dem Matterhorn zurzeit eine Grösse musikalischer Art an. Hinter dem Namen steckt Musiker und Storyteller Tiziano Zandonella, Karohemd-Träger, Blues- und Country-Lieberhaber und die Grosse Hoffnung, wenn es um Singer-Songwriter aus der Schweiz geht.

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Er wirkte etwas durch den Wind, sowohl im Verlauf seine Auftritts, als auch im Gespräch danach: Tiziano Zandonella, der junge Herr hinter Yellow Teeth, bespielte am zweiten Tag des M4Music-Festivals die Showcase-Bühne vor dem EXIL und vergas zwischen den Stücken mal den einen oder anderen Songtitel. Doch mit seinem verschmitzten Lächeln und warmen, freundlichen Blick nahm ihm dies niemand übel. Denn wenn es ums vortragen der Lieder ging, war der Walliser mit seiner reifen und tragenden Stimme präsent und hatte die Aufmerksamkeit der Zuhörer auf seiner Seite.

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Letzten August veröffentlichte Zandonella, der seine Finger lange in einer Punkband wundspielte, sich aber auch stets mit amerikanischem Folk und englischer Literatur beschäftigte, das Yellow Teeth-Debütalbum „Night Birds“. Weit weg von Punk, aber mit tragenden Blues- und Americana-Einschlägen, tanzt Zandonellas Stimme über melodiöse Slide-Gitarren und projiziert Bilder von whiskey-getränkten Bluegrass-Lokalen, gefüllt von harten Kerlen mit gebrochenen Herzen. Ganz weit weg also vom Toblerone- und Käse-Image seines Heimat-Kantons.

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So einprägend und ernst sein Storytelling, so erfrischend die lockere und etwas schusselige Art des aus Sion stammenden Musikers abseits der Bühne: Für die Akustik-Session treffen wir ihn irgendwo zwischen Wurststand und vereinbartem Treffpunkt, als er uns erst einmal erklärt, dass seine Gitarre im Bandbus sei und der Schlüssel dazu sein Bassist habe, der scheinbar nirgends aufzufinden war. Nach langem hin und her und zwischenzeitlicher Bierpause kam es dann zu einer ziemlich einzigartigen Live-Performance des 27-Jährigen in der Tiefgarage des Zürcher Schiffbaus. Tiefergelegte Folk-Musik sozusagen, jedoch mit einer Präsenz und Intensität wie sie auch ein Leonard Cohen oder Neil Young nicht besser zu Stande gebracht hätte.