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Wir leben in einer kalten, geizigen Welt. Ein paar Gedanken zum seltenen Dankeschön.

Müde schlenderte ich nach dem Konzert von The Beauty of Gemina durch den Zürcher Hauptbahnhof. Da spricht mich ein junger Mann an und fragt mich: «Bist du der, der all die Interviews mit The Beauty of Gemina macht? Für Negative White?» Ich bejahe, worauf er sich herzlich bei mir für meine Arbeit bedankt.

Es war nur eine flüchtige Begegnung – mitten in aufgetakelten Partywilligen und müden Heimkehrern. Trotzdem werde ich diesen Moment nie vergessen.

Wir, also die Redaktion von Negative White, bekommen öfters Feedback von allen möglichen Akteuren – von Künstlern, Promotoren und Veranstaltern. Doch nie hat mich ein Lob so berührt wie jenes. Ich habe mir die ganze Heimfahrt den Kopf über das Weshalb zerbrochen. Ich bin auf drei Erklärungen gekommen:

Erstens erhalten wir die Rückmeldungen meistens über Mails oder in Form von Social Media-Posts. Ja, die sind nett und schön, aber in der Flut der Timelines genauso schnell verblichen.

Zweitens machen wir unseren Journalismus nicht für die Künstler, Promotoren oder Veranstalter, sondern für dich – die Leserin, den Leser. Und deshalb nehmen wir uns deine Kritik, dein Lob umso mehr zu Herzen.

Und drittens habe ich mich gefragt: Wann hat dir das letzte Mal jemand in die Augen geschaut und Danke gesagt für etwas, an dem dein Herz hängt? Und es auch wirklich so gemeint?

Um ehrlich zu sein: Ich weiss es nicht. Ich habe mich auch gefragt, wann ich das letzte Mal jemandem so gedankt habe. Und wieder: Ich weiss es nicht.

Wir leben in einer kalten Welt und geizen mit Emotionen. Denn wir – da nehme ich mich nicht aus – sind stets auf den Vorteil bedacht. Sich zu öffnen heisst, verletzlich zu sein. Wer will das schon?

Aber die Erde wäre ein freundlicherer Ort, würden wir öfter Danke sagen. Wir sollten es wieder lernen.