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Wenn Guns N‘ Roses im Letzigrund spielen, werden wir nicht dabei sein. Der Grund ist ein unhaltbarer Fotovertrag.

Seit einigen Jahren hält sich diese Unsitte: Bekannte internationale Künstler knebeln Pressefotografen mit absolut katastrophalen Verträgen. Die Fotografinnen und Fotografen müssen sämtliche Rechte abtreten und es werden die Anzahl der zu publizierenden Bilder sowie die Bildgrösse festgeschrieben.

Das jüngste Beispiel eines solchen Vertrages zeigt sich bei der Hardrock-Band Guns N‘ Roses, die genau diese Verpflichtungen in ihren Vertrag geschrieben haben. Generell erhalten die Fotografen diese Bedingungen sehr kurzfristig und oft bleiben nur zwei Optionen: Unterschreiben und fotografieren oder auf das Konzert verzichten.

Die Fotografinnen und Fotografen von Negative White arbeiten ehrenamtlich und sind darauf angewiesen, ihre Bilder auch in die persönlichen Portfolios aufnehmen zu können. Mit solchen Verträgen wird das verhindert. Michelle Brügger, die das Konzert von Guns N‘ Roses hätte ablichten wollen, schreibt:

«Früher war alles einfacher» ist ein Spruch, den ich nicht sehr gerne höre und noch weniger verwende. Bei der Konzertfotografie ist das allerdings eine Tatsache. Die Verträge, die einem an manchen Konzerten kurz vor Beginn vor die Nase gehalten werden, sind schlicht und ergreifend eine Zumutung.

Gerade in der Musikindustrie, wo die Künstler gerne jammern, sie würden für ihre Arbeit nicht mehr bezahlt, sollte es eigentlich besser machen. Doch wenn in einem Vertrag steht, ich dürfe von meiner Arbeit einmalig nur maximal 6 Bilder in schlechter Qualität veröffentlichen, währenddessen der Künstler unentgeltlich volle Urheberrechte auf Lebzeiten erhält, frage ich mich ernsthaft, wer hier für seine Arbeit nicht bezahlt wird. Die Gegenleistung?

Ich darf für die ersten 3 Songs beim Mischpult in der Mitte des Letzigrunds hinter dem 2. Wellenbrecher fotografieren – also hinter all den Menschen, die während des ganzen Konzerts ihre Handys in der Luft halten werden, filmen, fotografieren und live auf Facebook streamen. Anders als diese Leute muss ich dann auch nach diesen 3 Songs das Areal verlassen und erlebe den Rest des Konzerts nicht mehr mit. Meine Arbeit ist dann ja schliesslich auch getan und so hätte ich mehr Zeit, die 6 erlaubten Bilder herauszusuchen.

Ich fotografiere mit Herz und Seele und will Emotionen einfangen, sie mit meinen Bildern transportieren. Natürlich wär ich enttäuscht gewesen, dass ich nur den Anfang des Konzerts mitbekomme und den Rest des Auftritts verpasse. Aber wenn mir dann auch noch die Rechte an meinen Bildern abgesprochen werden und ich die wenigen erlaubten Bilder auch noch ein einziges Mal in schlechter Qualität publizieren soll, dann habe ich gar keine Lust mehr, diese Band überhaupt zu fotografieren.

Negative White wehrt sich gegen solche unfairen Arbeitsbedingungen. Deshalb werden wir das Konzert von Guns N‘ Roses boykottieren, wie wir das bereits bei anderen Konzerten mit unhaltbaren Verträgen – etwa Noel Gallagher – gemacht haben.

Dabei gilt es zu bemerken, dass die Veranstalter in solchen Fällen keine Schuld trifft. Sie müssen sich den Bedingungen der Managements beugen. Die Fotografen werden in den seltensten Fällen vom Veranstalter direkt zugelassen, sondern müssen durch das Management bestätigt werden.

Update: Einschätzung der Rechtsberaterin

Wir haben den Vertrag durch unsere Rechtsberaterin prüfen lassen. Der Vertrag ist per se gültig. Entgegen einem vorherrschenden Irrglauben muss der Vertrag auch nicht in einer Landessprache verfasst sein. Das Obligationenrecht schreibt auch nur in gewissen Fällen überhaupt eine Schriftlichkeit für einen Vertrag vor.

Es ist empfehlenswert, die kritischen Passagen im Vertrag zu streichen und nur so zu akzeptieren.

Der Verband Schweizer FotojournalistInnen, einer Sektion des Journalisten-Berufsverbands impressum, hat im Februar 2017 eine Charta mit Westschweizer Festivals für faire Arbeitsbedingungen von Fotografen ausgehandelt. Mehr dazu gibt es hier zu lesen.