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«Survive!» heisst eine der Unterkategorien des Festival International de Films de Fribourg 2014. In diese Sparte gehören aktuelle Grössen des Katastrophenfilms aus aller Welt. Mit dabei ist der koreanische Film «The Flu», in dem die Grossstadt Seoul von einer gefährlichen Krankheit bedroht wird.

The-Flu

Das Stichwort „asiatische Filme“ verbindet der durchschnittliche Kinogänger vor allem mit zweierlei: Animes und Kung-Fu-Filme mit fürchterlich schlechten grafischen Effekten und skurrilen Kampfszenen. Eine unverständliche Geschichte ist halb zu erwarten und ausserdem kann man die asiatischen Schauspieler sowieso kaum unterscheiden. Einen Katastrophenfilm vom östlichen Nachbarkontinent möchte man sich also eigentlich nicht ansehen. So die allgemeine Meinung, bezogen auf The Flu eine gänzlich falsche!

Angst vor der Pandemie

Koreanische Gauner öffnen einen Schiffscontainer, in dem chinesische Einwanderer verschifft wurden, um in Korea zu arbeiten. Ihnen schwappen nur Stille, Dunkelheit und Exkremente entgegen. Im Container lebt, ausser einem kleinen Jungen, niemand mehr. Eine tödliche Seuche ist unter den Eingesperrten ausgebrochen. Eine Seuche, die sich rasend schnell weiter ausbreiten wird.
SARS, Vogelgrippe, Schweinegrippe; im letzten Jahrzehnt gab es einige Pandemiewarnungen, die allerdings nie so ausgeartet sind, wie prophezeit wurde. Trotzdem schlummert die Angst vor einer unheilbaren, sich schnell ausbreitenden Krankheit in jedem von uns. In The Flu wird diese Angst in schockierende, gerade deshalb so realistische Bilder gesetzt.

Ohnmacht im Angesicht der Krankheit

Das für den absoluten Ernstfall kein Land der Welt genügen abgesichert ist wird hier überdeutlich gezeigt: Um den Rest von Korea vor der innerhalb von zwei Tagen tödlichen Krankheit zu schützen wird der betroffene Aussenbezirk von Seoul unter Quarantäne gesetzt. Damit nicht genug. Nach den Befehlen von amerikanischen Beauftragten, die in diesem Film erfrischenderweise einmal die Bösen darstellen, müssen alle Bewohner des Bezirks in ein Quarantänelager, um sich auf Ansteckung testen zu lassen. Dieses Quarantänelager ist eine gewaltige Zeltstadt aus Plastikplanen in welcher geradezu atemberaubend eindringliche Szenen gedreht wurden. Während den Gesunden Entlassung  nach zwei Tagen versprochen wird, sollen die Erkrankten geheilt werden. Die vollkommen überforderte Regierung bricht ihre Versprechen: Als auch nach 48 niemand entlassen wird und herauskommt, dass die Kranken nicht geheilt, sondern zum Sterben in ihren eigenen Trakt gebracht werden, kommt es zum Aufstand. Die totale Anarchie entbrennt. Über allem steht die Suche nach dem Überlebenden des Containers, welcher Antikörper gegen die Seuche entwickelt hat und somit womöglich der koreanischen Bevölkerung Rettung bringen könnte.

Kitsch und Katastrophe – Korean Style!

Obwohl Anfang und Schluss viel zu kitschig geraten sind und der Plott teilweise doch etwas sehr viel „Zufall“ enthält ist der Film äusserst sehenswert. Für Hollywoodgewöhnte bietet er Bekanntes auf eine neue Art und vermag ausserordentlich zu fesseln. Besonders die Szenen im Quarantänelager sind auf eine entsetzliche Art eindrücklich. Es wird gezeigt, wie in der totalen Katastrophe alle genau gleich hilflos und von anderen abhängig an Fäden tanzen. Es bleibt die Hoffnung, dass wir nie wirklich in so eine Situation kommen, denn abseits der Leinwand gibt es nicht immer ein Happy End.

Eine kleine Bemerkung zum Schluss: Ein wenig schmunzeln durfte man über die Filmmusik. Nach Twelve Years a Slave kann man sich auch in The Flu auf ein Cover der Inception Melodien anhören. Zwar nicht von Hans Zimmer komponiert, aber trotzdem verdächtig ähnlich. Da kann man nur sagen: Altbewährtes…

Weitere Infos:
Nächste Vorstellung am FIFF: Freitag, 4. April, 14:00 im Cap’Ciné 5