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Mark Jansen von Epica traf sich im schönen Backstage des Wacken Open Air mit uns um über die Zukunft der Band und natürlich ihr aktuelles Album «The Quantum Enigma» zu sprechen.

Epica am Wacken Open Air 2015 (Foto: Sacha Saxer)

Epica am Wacken Open Air 2015 (Foto: Sacha Saxer)

Negative White: The Quantum Enigma ist ziemlich anders als Requiem for the Indifferent. Der Vorgänger ist geradezu zahm im Vergleich, passend zur Requiem-Thematik. Was war der Grund für diesen Wandel?

Mark Jansen: Dafür gab es nicht wirklich einen Grund. We machen immer einfach das, was für uns gerade stimmt. Wenn wir neue Songs schreiben, dann lassen wir einfach mal alles geschehen. Bei Requiem waren wir mit dem Sound nicht 100 Prozent zufrieden, deshalb haben wir versucht, diesen ein wenig zu ändern durch eine andere Mischung des Sounds auf dem Album. Ich denke, das ist der grösste Unterschied der beiden Alben. Wir haben einen viel aggressiveren Mix auf The Quantum Enigma.

Ihr habt zusätzlich mit einem Chor und einem Live Orchester gearbeitet. Ich würde das Album gerne in einem Opernhaus hören, zusammen mit dem Chor und Orchester.

Ja, wir haben eine solche Show mal für Retrospect gemacht. Da hatten wir Orchester und Chor. Ich würde es sehr gerne nochmals mache. Hoffentlich so bald wie möglich.

Ihr seid eine der wenigen Bands, die es sich leisten können, sehr lange Songs auf den Alben zu haben. Aktuell geht die Tendenz ja mehr in die Richtung 2-3 Minuten Songs. Und ihr habt Tracks die länger als 12 Minuten dauern.

Mit dem ist genau gleich. Wir machen einfach, wonach uns gerade ist. Wir versuchen jedes Album ausgeglichen zu gestalten. Ich denke, für mich sind Alben, die nur 3-Minuten-Songs enthalten, langweilig. Und wenn du ein Album nur mit langen Songs hast, dann ist das auch langweilig. Aber wenn du eine gute Balance hast, dann hast du den Schlüssel zu einem erfolgreichen Album. Ich weiss nicht, wie das für andere Bands funktioniert, aber für uns klappt es sehr gut ein ausgewogenes Album mit ein paar langen und ein paar kurzen Songs zu haben. Und wie ich gesagt habe, wir schreiben einfach, wonach uns gerade ist. Manche Songs fallen lang aus, manche sind eben nach 3 Minuten schon fertig. Wenn wir mir dem Schreiben anfangen, wissen wir nie, was passieren wird. Wir lassen es einfach geschehen.

Wenn du einen langen Song schreibst, was gefällt dir am besten? In 12 Minuten kann man schliesslich sehr viel machen.

Ja, das ist genau das, was mir am besten gefällt. Dass ich alles machen, wie ich will. (lacht) Wenn du die Freiheit hast, zu tun, was dir gerade gefällt, das ist das Beste. Wenn die Leute nur 3 Minuten Songs erwarten und du keine längeren Songs schreiben kannst, das würde mich einschränken. Ich möchte mich nicht einschränken müssen. Ich möchte das tun können, wonach mir gerade ist. Dem Rest der Band geht es genauso. Wir möchten immer die Freiheit haben, uns so auszudrücken, wie wir es für richtig halten. Wir möchten nicht von Restriktionen zurückgehalten werden.

Bis jetzt klappt das sehr gut.

Ja, darüber sind wir glücklich.

Was ist der nächste Schritt für Epica? The Quantum Enigma ist jetzt ein wenig mehr als ein Jahr alt, deshalb denke ich, dass ihr kurz vor dem Aufnehmen von neuen Songs seid.

Wir sind noch nicht am Aufnehmen, aber wir sind am Schreiben. Es wird der nächste Schritt nach The Quantum Enigma und ich denke, dass wir wieder mit dem gleichen Team arbeiten, da wir mit dem Sound von The Quantum Enigma sehr zufrieden waren. Es wird also in einem ähnlichen Stil wie The Quantum Enigma sein, aber ich hoffe, wir können noch einen Schritt weiter gehen und ein noch besseres Album machen. Das ist immer das Ziel und solange wir das Gefühl haben, dass wir ein besseres Album machen können, werden wir weitermachen. Wenn wir denken, wir haben die Spitze erreicht, dass wir kein besseres Album mehr machen können, das wäre dann der Zeitpunkt um aufzuhören.

Oder den Sound zu ändern, so wie es andere Bands gemacht haben?

Ja, vielleicht. Aber auch dann, wenn wir das Gefühl haben, dass wir kein besseres Album mehr machen können, müssen wir aufhören. Aber wir sind noch nicht mal nahe dran.

Hoffen wir, dass es so bleibt.

Das hoffe ich auch. Ich sehe noch viele, viele Jahre für Epica.

Mark Jansen und Isaac Delahaye (Foto: Sacha Saxer)

Mark Jansen und Isaac Delahaye (Foto: Sacha Saxer)

Gibt es schon Pläne euer Epic Metal Fest (22. Nov. in Eindhoven, NL) in Zukunft weiterzuführen?

Das hängt davon ab, was für ein Erfolg diese Version wird. Wenn alles gut geht und alle mit dem Konzept zufrieden sind, möchten wir es gerne wiederholen, auch in anderen Ländern. Aber alles hängt davon ab, wie das Festival von den Besuchern aufgenommen wird.
Wir geben unser Bestes. Wir spielten ja auch schon an vielen Festivals und wir wissen, was wir als Besucher von einem Festival erwarten. Also probieren wir alle glücklich zu machen; die Besucher und die Bands. Das ist alles, was wir tun können. Wir geben unser Bestes und wenn es ein Erfolg wird, machen wir es nochmals. Wenn es nicht so erfolgreich ist, haben wir es wenigstens versucht. Aber wir haben jetzt schon über tausend Tickets verkauft, deshalb denke ich, dass es klappen wird.

Wie misst man den Erfolg eines Festivals? Der finanzielle Aspekt ist einfach. Wenn man mehr Geld einnimmt, als man ausgibt, ist es ein Erfolg. Aber wir misst man den Fan Aspekt, den emotionalen Aspekt?

Das ist genau was ich meine. Wenn die Fans glücklich sind, ist das der grösste Erfolg, den wir haben können. Falls wir ein bisschen Geld verlieren, ist das nicht wirklich ein Problem, denn wir machen das nicht um reich zu werden. Wir machen alles, um unseren Lebensunterhalt zu verdienen. Das ist wichtig um weitermachen zu können. Aber wir machen das nicht um reich zu werden. Wenn das unser Ziel wäre, hätten wir andere Jobs, bei denen man einfach reich wird.

Wie als Banker arbeiten. Das wäre allerdings langweiliger als euer aktueller Job, auch wenn ihr dabei höchstwahrscheinlich reicher werden würdet.

Genau. Aber ich möchte keinen langweiligen Job, der mich reich macht, sondern einen, der mich erfüllt. Und den habe ich: Musiker.

Gibt es Pläne für Neuveröffentlichungen von älteren Alben?

Das Consign to Oblivion Album, unser zweites Album, ist sehr schwierig zu kriegen. Dieses wird sehr bald von unserem alten Label Transmission Records neu herausgegeben.

Es wird exakt das gleiche Album sein, keine Neuaufnahme der alten Lieder?

Ja, es wird exakt das gleiche Album, allerdings mit einer zweiten CD mit vielen orchestralen Versionen der Lieder. Wir haben ein halbes Jahr an diesen Versionen gearbeitet. Disc 1 wird also die gleiche sein wir früher, eventuell neu gemustert, aber Disc 2 wird komplett neu sein.

Wird es davon auch eine Earbook-Version geben wie von The Quantum Enigma?

Das hängt komplett davon ab, was das Plattenlabel machen will, denn sie besitzen die Rechte an den Songs und auch die Rechte, die Versionen des Albums zu veröffentlichen, die sie für richtig halten. Aber ich erwarte kein Earbook, denn die kosten sehr viel in der Herstellung. Ich denke, es wird einfach die Digipack-Version geben.

Ich habe gerade letzte Woche das Earbook von The Quantum Enigma erhalten und es ist wunderschön. Im Prinzip wie eine Kreuzung zwischen Vinyl und CD.

Ja, ich liebe es auch. Ich finde CDs sind ein bisschen hässlich, weil sie so klein sind. Bei einer LP oder einem Earbook hat der Künstler so viel mehr Platz für seine Arbeit. Es macht bestimmt viel mehr Spass an sowas zu arbeiten.

Simone Simons (Foto: Sacha Saxer)

Simone Simons (Foto: Sacha Saxer)

Simone hat im vergangenen Jahr ein Kind zur Welt gebracht. Wie hat dies die Band beeinflusst? Ich habe selber zwei Töchter und weiss, wie die mich beeinflusst haben, aber ich bin ja nicht so oft auf Tour wie ihr.

(lacht) Ja, es ist manchmal schwierig alles in Einklang zu kriegen. Aber wir haben von Anfang an gesagt, dass wir alles mögliche machen, um es ihr zu ermöglichen, beides in Einklang zu bringen, denn wenn man Kinder hat, ist es wichtig, dass du genügend für sie da sein kannst. Deshalb ist immer jemand – Simone oder Oliver (Palotai, Keyboarder bei Kamelot) – zu Hause und schaut zum Kind. Wir diskutieren auch viel mit Kamelot wann es für wen möglich ist auf Tour zu gehen. Das ist nötig, denn sonst würde das Kind die Eltern nicht genügend sehen und das ist nicht gut. Wenn wir nicht touren können, ist das auch nicht gut. Deshalb versuchen wir eine Balance zu finden – genau wie bei unseren Alben – zwischen unseren Privatleben und unserem Beruf.

Nachdem ich sie heute morgen auf der Bühne gesehen habe, muss ich sagen, das Kind tut ihr gut. Sie strahlte regelrecht. Das letzte Mal sah ich sie kurz vor ihrer Schwangerschaft und damals sah sie ziemlich müde aus. Nun wirkt sie sehr fit.

Ja, es geht ihr sehr gut. Auch wenn es sehr schwierig ist, gleichzeitig Mutter und Musikerin zu sein. Es ist sehr ermüdend. Aber sie macht das wirklich grossartig und ich bin sehr stolz auf sie.