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Dallas Green, der Songwriter mit der glockenhellen Stimme, war am 7. Febraur als City und Colour im Bierhübeli. Negative White lässt für euch den Abend Revue passieren.

Was an der Musik von City and Colour besonders fasziniert, ist Dallas‘ Stimme. Gerade durch die akkustische Schlichheit seiner Songs wunderschön hervorgehoben. Die Frage, die ich mir vor dem Konzert stellte: Wird seine Musik wohl auch live so berührend sein, wie auf den Aufnahmen?

Bevor ich die Antwort bekam, durfte ich mir aber erst den Supportact Hannah Georgas ansehen. Die sympathische Kanadierin und ihre Band hatten soliden Folk-Pop-Rock im Gepäck und boten einen guten Auftakt zum Erwarteten. Man konnte sich denken: Das ist super, wenn die Vorband etwas fetziger ist. Es wird nachher noch lange genug ruhig und melancholisch zugehen.

Denkste! Nichts da ruhig und melanchloisch.

Dallas hat eine ganze Band um sich versammelt. Gitarren. Keyborad. Schlagzeug. Alles mit dabei. Aber es ist doch ein Singer/Songwriter Projekt? Kein einsames Mikrophon auf einer halb leeren Bühne. Kein Spotlight auf dem einsamen Wolf, der seine traurigen Songs dem Publikum entgegen heult. Dafür Gitarrensolos und Lautstärke. Gegen soviele Instrumente kam nicht einmal Dallas an. Seine Stimme kam nicht im geringsten so zur Geltung, wie sie es verdient hätte. Die Essenz der Musik ging verloren.

Gerade als ich enttäuscht aufgeben wollte und mir sicher war, dass sich an den Missständen nichts mehr ändern würde, verschwanden die Musiker von der Bühne. Dallas zückte eine Mundharmonika und stimmte Body in a Box an. Endlich, das erste Mal in diesem Konzert klang City und Colour nach sich selbst. Da war der Dallas Green, den alle erwartet hatten. Die Stimmung wurde ganz anders, fast andächtig. Die Mundharmonika weinte durch das Bierhübeli und alle Zuschauer waren still. Zumindest bis der Song vorbei war. Dann gab es Applaus und wenn ich mich nicht alles getäuscht hat, war der bedeutend lauter als zuvor. Verdient!

Als nächstes der Song Comin‘ home. Seine Stimme ist so voller Melodie. In den höheren Lagen bekommt sie Flügel. Man fühlt sich geborgen, wenn Dallas singt. Gitarre ist eine ausreichende Begleitung. Wirklich mehr als ausreichend!

Irgendwer war da scheinbar anderer Meinung. Nach wenigen Lieder stand schonwieder die ganze Besetzung auf der Bühne. «Do you feel like dancing?», fragte Dallas und tatsächlich stimmten sie dann ein tanzbares Stück an, zu dem das grosse Intsrumentaufgebot passte.

Trotzdem wünschte ich mir nur eins: Bitte lieber Dallas, spiel doch als Zugabe noch etwas Akkustisches.
Tatsächlich hörte er auf mein stilles Bitten. Er stimmt alleine den wunderschönen Song Girl an. So wie diese erste Zugabe hätte von mir aus das ganze Konzert sein dürfen. War es aber leider nicht. Ich verliess das Bierhübeli etwas enttäuscht und hoffte nur, dass den Leuten, die extra aus Frankreich und Genf angefahren waren, das Konzert besser gefallen hatte.

Abschliessend: Die City and Colour-Lieder funktionieren einfach nicht, mit so vielen Instrumenten. Es stimmt zwar, dass eineinhalb Stunden nur Gitarre und Stimme mit der Zeit vielleicht langweilig geworden wäre. So war es jetzt aber auch nicht viel besser. Schade. Die wenigen Singer/Songwriter-Kostproben waren nämlich wirklich wunderbar.