Ein Passwort wird per E-Mail an Sie geschickt

Welle:Erdball waren letzten Samstag zu Gast in Zürich und verwandelten das renovierte Dynamo zu einem dunklen Tanzpalast. Ein familiärer Abend ohne Mengenrabatt.

Welle:Erdball spielten auch schon 2011 im Dynamo (Foto: Archiv Negative White)

Welle:Erdball spielten auch schon 2011 im Dynamo (Foto: Archiv Negative White)

Zum Glück konnte man letzten Samstagabend überall mit Glühwein und allerlei leckeren Weihnachtsgetränken, wie dem heissen Met am Zürcher Hauptbahnhof, schon ein paar Runden vorglühen. Eine Vorband, welche fürs übliche Ankommen und Warm-up sorgt, gab es für die Konzertbesucher im Dynamo keine. Das war ja grundsätzlich völlig okay, der Start der Welle:Erdball-Show war dann aber doch etwas zu nüchtern. Als sich die Band ohne Intro oder Umschweife auf die Bühne stellte, hatte es den Anschein, als wären weder sie noch das Publikum «parat».

Gemäss dem Motto «Ladys first», durfte die zauberhafte Lady Lila mit ihren platinblonden Haaren als Erste an die Front. Erst nach diesem soften Einstieg betrat auch Frontmann Honey mit seinem breiten Grinsemaul die Bühne. Ausdruckslos, mit Sonnenbrille bewaffnet, schalteten Welle:Erdball ihren typischen Stampfe-Sound ein und schlugen dem Publikum feinsten 90er-Elektro-Pop um die Ohren. Langsam erwachte damit auch das Publikum und der Saal füllte sich immer mehr.

Das Konzert gliederte sich in zwei Teile, wobei Welle:Erdball beim ersten Part ihre neue EP 1000 Engel vorstellten. Grosse neue Knaller gab es keine. Die neue Sendung hatte für diesen Abend zumindest aber etwas Aussergewöhnliches: Honey entschuldigte Fräulein Venus gleich zu Beginn des Konzertes. Sie konnte leider an diesem Abend aus persönlichen Gründen nicht anwesend sein. Als Ersatz hatten sie jedoch die bezaubernde Sarah mit dabei, welche ihren Job sehr gut machte.

Auch das Publikum, hauptsächlich Leute aus der schwarzen Szene, erledigte seinen Job ebenso gut. Wenn man die Gothic Szene etwas kennt, erstaunt es nicht, dass innert kürzester Zeit eine friedliche, familiäre Stimmung herrschte, in der fleissig mit oder ohne Knicklichter getanzt wurde. Der erste Part des Konzertes war dann auch ziemlich schnell vorbei und es gab eine grössere Pause.

Der eine oder andere nutzte die Gelegenheit und besorgte sich in der Pause noch eine CD am Merchandise Stand. Im Grunde genommen keine allzu interessante Information, wenn es nicht noch eine kleine Anekdote dazu gäbe: Ein charmanter Kunde versuchte an diesem Abend sein Glück und fragte beim Kauf einer CD die Verkäuferin, ob es denn Mengenrabatt gäbe. Die nette Dame hinter dem Tisch meinte: «Bei einer? Das ist bis jetzt die beste Frage dieses Abends gewesen.» Hätte sie zu dieser Zeit gewusst, und er nüchtern realisiert, dass er genau diese CD bereits zu Hause besass, wäre die Verhandlung vielleicht anders verlaufen. Soviel zum guten Glühwein.

Zurück zum zweiten Teil der Show. Musikalisch blieb Welle:Erdball auf ihrer Linie und sie spielten eine gute Mischung aus ihrem bekannten Repertoire, welches seit ihrer Gründung im 1990 ja genug gross ist. Der Sound hatte eine intensive Dichte, viele ansteckende Melodien und mit den meist sehr abrupten Enden, hörten die Stücke auf, bevor die Melodien, wie es bei 0815-Elektromucke meist der Fall ist, zu Tode gespielt wurden. Optisch wurde einerseits durch den permanent wild gestikulierenden Honey und natürlich durch die beiden Fräuleins jede Menge geboten. Natürlich wurden auch wieder riesige Luftballone in die Menge geworfen, wobei sich in einem eine Hundertfrankenote versteckt hatte. Mit dieser hätte der vorher erwähnte Käufer sich noch ein paar gleiche CD’s leisten können.

Ob mit oder ohne Mengenrabatt, das Konzert hat sich zumindest tanzmässig bestens gelohnt.