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Ein geheimnisvolles Projekt taucht auf: Wir haben mit Well Known Stranger geschrieben und eine exklusive Ton-Aufnahme erhalten.

 

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Rote Herzen blitzen auf. Jemand hat mehrere Fotos auf dem Instagram-Account von Negative White geliket. Der Account nennt sich «Well Known Stranger» und macht offenbar «music for the broken». Ein Link führt zu einer fast leeren Tumblr-Seite. Nur ein Zitat liest sich dort:

Bild: Tumblr/Well Known Stranger

 

Wir entdecken eine Facebook-Seite: «Embrace the darkness» prangt weiss auf schwarz:

Bild: Facebook/Well Known Stranger

Wer steckt hinter diesem Namen? Wir versuchen Kontakt aufzunehmen. Tatsächlich schreibt jemand zurück. Es sei nicht wichtig, wer hinter dem Projekt stecke, lässt die Person verlauten. Es gehe um die Musik.

Der oder die Unbekannte verrät nicht einmal seine Herkunft. Wir kommunizieren auf Englisch. Es könnte – so unsere Vermutung – tatsächlich jemand sein, der «well known» ist. Wir fragen, ob bereits Musik existiert, die wir hören können. Funkstille.

Düstere Einflüsse

Wir fragen weiter: Was seine Einflüsse seien? Er schickt uns zwei ellenlange Listen. Musiker von Sivert Hoyem über Asgeir bis zu RY X. Dazu Filme wie Fight Club, Das Schweigen der Lämmer oder Nightcrawler. Das sind keine cineastischen Picknicks – düstere Streifen, bedrohlich und gefährlich. Es scheint, als sei Well Known Stranger nicht das Ergebnis einer glücklichen Lebensphase.

Dann, in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch, schickt uns Well Known Stranger drei Fotos.

Bild: Well Known Stranger

Bild: Well Known Stranger

Bild: Well Known Stranger

Wir versuchen, die Metadaten der Bilder auszuwerten. Die Ergebnisse sind ernüchternd. Auch hier, keine Hinweise auf die Identität:

Camera: undefined undefined

Creation date: undefined
Last changed: 2018:02:27 22:29:03

Focal length: 50 mm
Exposure time: 0.0125 s
F-number: 2.2
ISO: undefined
Flash: undefined
Program: undefined

Wir bohren nochmals nach, ob bereits Musik existiert. Wir erhalten seinen Soundcloud-Link. Diese Aufnahme habe noch niemand in der Öffentlichkeit gehört. Der Song heisst You Would. Es ist eine ultrarohe Demo-Version. Mehr Skizze als Song. Immer wieder herrscht Stille, die Suche nach dem richtigen Sound, den richtigen Lyrics. Eine Dokumentation der Entstehung. Wir dürfen diese Prozess-Aufnahme exklusiv teilen:

Immerhin hören wir die Stimme des Fremden, ein Mann. Bekannt kommt sie uns aber nicht vor. Der Well Known Stranger verwischt seine Spuren: Keine Hinweise auf seine Identität, eine nebulöse Gestalt. Nur diese Blaupause von You Would ist auffindbar. Allerdings klingt diese nicht so, als sei Well Known Stranger bloss ein Witz. Auch in den schriftlichen Gesprächen lässt der Unbekannte durchblicken, dass es ihm ernst sei. Im Studio sei er gewesen. Und er lasse bald wieder von sich hören, verspricht er uns, bevor er sich wieder in geheimnisvolles Schweigen hüllt.