Nach dem Urteil der Wettbewerbskommission befürchten die nicht-kommerziellen Radios der Schweiz, dass die drei Plattengiganten EMI, Sony und Universal Musikschaffende und Radios weiter unter Druck setzen werden. 

Leo Niessner (zVg)

Leo Niessner (zVg)

 

Mit ihrem Urteil vom Freitag stellt die Weko bei der umstrittenen Musikbemusterungs-Praxis der Majorlabels Sony, EMI und Universal Radios keine Verletzung des Kartellrechts fest. Aus Sicht der UNIKOM-Radios, die seit zwei Jahren weder Interviews noch Musik der Majors erhalten, bedeutet das Urteil einen Teilerfolg. Zumindest für die Behinderung von Parallelimporten wurden der Musikindustrie-Dachverband IFPI und die Phononet gebüsst. Umso mehr ist die UNIKOM enttäuscht, dass andere unlautere Praktiken der Musikindustrie geduldet werden.

Musikschaffende, Radios sowie Journalisten, welche nicht das kostenpflichtige, ungenügende Musikzuliefersystem MPN (Music Promotion Network) abonnieren, werden auch in Zukunft keine neue Musik und auch keine Bandinterviews erhalten. Die Verlierer des Weko-Urteils sind daher Bands und Musikschaffende: Wer bei den drei Majors unter Vertrag ist, kann auf den UNIKOM-Radios, die bekannt sind für einen hohen Anteil an neuster Musik und Produktionen nicht gespielt werden. Zudem können keine Konzerte dieser Bands angekündet werden – zum Nachteil der Veranstalter und des Publikums.

Das Weko-Urteil dürfte gleichzeitig die MPN-Betreiberin Phononet darin bestärken, für das Hinaufladen von Musik auf ihre Plattform weiterhin Geld zu verlangen – einmal mehr zum Nachteil und Ärger von jungen Bands und finanzschwachen Vertrieben. Denn viele kommerzielle Radiosender holen sich neue Musik ausschliesslich über MPN. Wer dort nicht präsent ist, hat keine Chance auf Airplay.

Die nicht-kommerziellen Radios betreiben seit einiger Zeit eine eigene Musikplattform, welche es den Musikschaffenden erlaubt, ihre Titel allen UNIKOM-Radios kostenlos zur Verfügung zu stellen. Da diese Plattform auch den Majors zur Verfügung steht, sind die UNIKOM-Radios zuversichtlich, dass Sony, EMI und Universal unter dem grossen öffentlichen Druck und der wachsenden Verärgerung ihrer Partner im Ausland ihre Musik früher oder später über diesen Kanal zukommen lassen werden.

Mediencommuniqué von Radio 3fach (Luzern), Kanal K (Aarau), toxic.fm (St. Gallen), Radio X (Basel), Vibration 108 (Sion), Radio Cité (Genf), Radio Industrie (Zug), Radio Lora (Zürich), Radio Blind Power (Bern), Radio RaBe (Bern), Indie-Team (Leo Niessner, Musikpresse-Agentur div. Unikom-Radios und Print-Medien), Radio RaSa (Schaffhausen), Radio Stadtfilter (Winterthur).

Weitere Informationen: Leo Niessner alias DJLeo (Radiomacher/Journalist, Sprecher Unikom, Musiker)

Telefon: 078 76 76 244

Email: sternenflug@swissonline.ch