Ein Passwort wird per E-Mail an Sie geschickt

Der Osterhase hatte uns was Schönes mitgebracht: Die österreichischen Überflieger von Wanda traten an Ostersonntag in der Halle 622 in Zürich auf. Mit Liedern über Städte, Schnaps und Liebe in der Blutsverwandtschaft  heizten sie dem Publikum ein.

Weiter, weiter scheint nicht nur der Name der aktuellen Wanda-Single zu sein, sondern auch das Motto, welchem sich die Wiener Band verschrieben hat. Wenn man bedenkt, dass ihr Debüt-Album Amore lediglich vor dreieinhalb Jahren erschienen ist, schnellt die Erfolgskurve von Wanda seither exponentiell nach oben. Mit jedem neuen Album (das aktuelle Niente ist bereits das dritte) werden mehr Hörer vom Wanda-Virus infiziert. Die Fan-Schar wächst rasant und so werden auch die Hallendimensionen stets angeglichen, was momentan einer zwar nicht ausverkauften aber anständig gefüllten Halle 622 gleich kommt.

Heite grob ma Tote aus

Als die Vorgruppe Voodoo Jürgens die Bühne beschritt, stand das Publikum noch lückenhaft in der Halle verteilt und man konnte sich noch gut Plätze ganz weit vorne ergattern. Auch die Reaktion der Zuseher blieb zunächst eher verhalten, was vielleicht auch an dem nicht ganz leicht zu verstehendem Dialekt des gebürtigen Niederösterreichers mit Wahlheimat Wien lag.

Die kauzige Art des Liedermachers in Kombination mit seinem Outfit bestehend aus Anzug mit Schlaghose, langem, wirrem Haar und dem markanten Schnauzer erinnerte von Kopf bis Fuss an Helge Schneider, was mir unweigerlich ein Grinsen ins Gesicht drückte. Und schliesslich gelang es dem Sänger mit seinen Mitmusikern gegen Ende ihres Sets doch noch das Publikum beim Lied Heite grob ma Tote aus zum mitsingen zu animieren.

Die Toten alle geweckt, wartete nun alles auf den Startschuss für Wanda. Um noch ein bisschen mehr Spannung zu erzeugen, wurde während des Umbaus ein Vorhang mit der Parole Amore in riesigen Lettern aufgehängt. Und die «vielleicht letzte wichtige Rock’n’Roll-Band unserer Generation» fackelte nicht lange an diesem Abend.

Mitgröhl-Hymnen en masse

Der Vorhang fiel und die Band startete direkt mit viel Liebe und dem dazu passenden Lied. Bologna, das Wanda den kommerziellen Durchbruch ermöglichte und nun innert Sekunden die ganze Halle in ein Tollhaus verwandelte. Nach oben gerissene Arme, strahlende und singende Gesichter soweit man blicken konnte.

Ziemlich gewagt, den grossen Hit direkt am Anfang zu verzocken, es kann ja kaum mehr besser werden – doch dieser Gedanke verpuffte schnellstens wieder, nachdem Wanda einen Song nach dem anderen von ihrem hitreichen Erstlingswerk abfeuerten. Ein wahrlich gelungener Einstieg. Und auch der folgende Mix aus zweitem und drittem Album überzeugte mit Liedern wie Weiter, weiter, Meine beiden Schwestern oder Lascia mi fare. Allesamt Mitgröhl-Hymnen, die auf dem schmalen Grat zwischen nervtötendem Schlager und sinnierender Rock-Poesie balancieren.

Die drei Arten die glücklich machen, Schatzi

Bisschen mehr Rockattitüde schimmerte dann vor allem bei Ich will Schnaps durch, das in der Liveversion jeweils zum fast Viertelstündigen Psychedelic-Monster mutiert. Die Musiker spielen sich in einen Rausch und irgendwie wirkt alles ein bisschen zu sehr gewollt lässig und rau. Vielleicht recht cool zu hören wenn man selber auch von irgendetwas berauscht ist, wenn man’s aber nicht grad voll spürt, ist’s leider schrecklich langweilig zum ansehen.

Auch die drei Arten des Schmerzes «ah, ah, aaah» und die drei Arten die glücklich machen «yeah, yeah, yeah», die uns Sänger Marco Wanda währenddessen näher bringen wollte, erschlossen sich mir nicht ganz. Auch wenn er das Publikum dabei immer wieder liebevoll Schatzi nannte.

Sei’s drum. Weiter ging es dann mit der pathetischen Ballade Ein letztes Wienerlied, bei dem zum Schluss ein Vierköpfiges Blas- und Streichorchester seinen grossen Auftritt hatte. Von mir aus hätte das Quartett gerne noch mehr einbezogen werden können. Zum Beispiel hätten sie ganz wunderbar zu 0043 gepasst, wobei diese andere traurigschöne Ballade eh gar nicht gespielt wurde, leider. Dafür wurde dem Stammtisch-Pop mit Columbo, Bussi Baby und 1, 2, 3, 4 zum grande Finale nochmals ordentlich gefrönt.

Wanda ist einfach eine Band, die es versteht ihr Publikum mit ihren Liedern zu unterhalten und der dies auch am besten ohne grosses Tamtam gelingt. Das klappte vor dreieinhalb Jahren schon im kleinen Gonzo wie auch heute noch in der Halle 622. Es bleibt abzuwarten, ob es für Wanda je eine Grenze nach oben geben wird, oder ob wir auf der nächsten Tour wieder zufrieden aus einer noch grösseren Halle schunkeln werden.