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Ausverkaufte Hafenkneipe kurz vor Weihnachten, das kann eigentlich nur eines heissen: Überyou feiert mal wieder so richtig ab. Und das taten sie am 23. Dezember auch wirklich.

Dieses Shirt könnte dir gehören (Foto: Sacha Saxer, Sorry, Handybild muss reichen.}

Dieses Shirt könnte dir gehören (Foto: Sacha Saxer, Sorry, Handybild muss reichen.}

Weihnachten ist ein Familienfest. Und genauso fühlte sich der Überyou-Gig am Mittwoch vor Heiligabend auch an. Jeder schien jeden zu kennen und wen man nicht kannte, den duzte man aus Prinzip um schneller ins Gespräch zu kommen. Die unglaubliche Atmosphäre der Hafenkneipe trug sicher zu diesem lockeren Umgang bei, aber der wesentlichste Faktor waren auf jeden Fall die Besucher, die einfach nur einen Abend mit Zürichs verrücktester Band und Gleichgesinnten feiern wollten.

Ich hab mal Martina von der St. Galler Band Posh als aufgedrehtes Duracell-Häschen bezeichnet. Ian von Überyou lässt sie allerdings locker links liegen. Der Typ hat eine solche Energie, dass ihm während den ersten beiden Songs mindestens drei Mal das Mikrophonverlängerungskabel abfiel, bis endlich Gaffa-Tape gefunden werden konnte, um ihn fix ins Soundgefüge einzubilden. Gaffa hält auch seinen wilden Sprüngen stand!

Das Highlight war aber die Tombola, die sie zwischen den Songs veranstalteten. Jeder Besucher kriegte ein Los und die Auslosung erfolgte über Dartwürfe auf eine 10×10 Platte mit den Gewinnnummern. Alle paar Songs wurde ein neuer Preis geworfen, aber schon nach dem ersten Mal war klar, dass man vor allem dann gewonnen hatte, wenn man nichts gewann. Ob man jetzt das neue Gesicht für die Überyou Werbung wurde, als Mister und Miss Überyou gekürt wurde – beide dieses Jahr männlich, was sie aber nicht davon abgehalten hatte, sich vor den Handys abzuknutschen – , oder einen lebensgrossen Aufsteller des leider bald aussteigenden Drummers Lars mit nach Hause nehmen durfte, man wurde geschickt in die Unterhaltung des Abends eingebunden. Schade fand ich nur, dass ich nicht «Manager» der Band wurde, dessen primäre Aufgabe es war, für Biernachschub zu sorgen. Es hätte kaum eine Viertelstunde gedauert, und ich hätte ihren Koffer randvoll mit frischem, kaltem (und durch die Rennerei sicherlich sehr gut geschütteltem) Bier zurück auf die Bühne gebracht. Und das Bier hätte ausgetrunken werden müssen.

Neben den Ansagen waren auch die Anekdoten ihrer Südamerikareise sehr unterhaltsam und manch einer, der hierzulande mit Band Bookings zu tun hat, fragte sich, wieso das nicht auch hier so unkompliziert laufen kann. Im nächsten Frühling soll ein Film über ihren Trip erscheinen. Wir werden ihn sicher für euch anschauen.

Es gibt so viele Aspekte, die man an einem Konzert in Betracht ziehen muss, um ein abschliessendes Urteil abzugeben. So auch hier.

– Hätte es besser klingen können? Ja, bestimmt. Nur schon mehr Kraft auf den Vocals hätte Wunder gewirkt.

– Hätte es besser aussehen können? Jein, die Ausrüstung der Hafenkneipe gibt einfach nicht wirklich mehr her.

– Hätte die Stimmung besser sein können? Die Frage stellt sich nur jenen, die nicht dabei waren. Seit dem letzten Vale Tudo Gig im Kinski hab ich keine solche Sause mehr erlebt. Stagediving und Crowdsurfing in einer Bar wie der Hafenkneipe… hier war echter Körpereinsatz gefragt. Und dies alles sorgte dafür, das dies eines der besten Konzerte des Jahres wurde. Wer die Chance hat, Überyou mal live zu sehen… NUTZT SIE!

Selten eine so energiegeladene Show von Musikern, die mit einer solchen Leichtigkeit und Sorglosigkeit spielten, gesehen. Ich wollte echt nur als Gast dabei sein, aber Ehre, wem Ehre gebührt – über gute Musik muss man schreiben. Deshalb gibt es übrigens auch keine Fotos… ich hatte meine Kamera nicht dabei und wurde völlig überrumpelt.

Dafür gibt es hier noch ein Goodie.