Ein Passwort wird per E-Mail an Sie geschickt

Am vergangenen Wochenende lud die Rap-Crew Eldorado FM ins Bierhübeli, um mit ihnen die mittlerweile traditionelle Weihnachtsshow zu feiern. Aufgrund der grossen Nachfrage wurde am Samstag und am Sonntag gespielt. Höhepunkt des Abends war der Auftritt von Glanton Gang.

2013-12-20 - Eldorado - Artikelbild

Hands in the air (Foto: Alex Anderfuhren)

von Jonas Gabrieli

Trotz der alljährlichen Veranstaltung gab es dieses Jahr ein Novum. Zum ersten Mal veröffentlichte die Rap-Crew, die als Spassprojekt gedacht ist, im Vorfeld kein Gratis-Mixtape. Stattdessen veröffentlichte eine Hälfte der Rapkombo ein sozialkritisches Album. Glanton Gang heisst die Gruppe und das gleichnamige Album um Dezmond Dez und Tommy Vercetti. Das Album reiht sich ein in die Soloalben der beiden und ist gewohnt sozialkritisch und wütend. Aber kann man zu Sozialkritik tanzen? Die Fans beantworteten diese Frage eindeutig mit ja. Die Tickets für die Plattentaufe waren bereits im Oktober ausverkauft. Also entschloss man sich ein Zusatzkonzert am Sonntag zu veranstalten. Laut dem Manager Jony Fernandez habe es am Sonntagabend noch ganze drei Minuten lang Tickets an der Abendkasse gegeben, dann waren auch noch die letzten Eintritte für die Veranstaltung weg und somit der zweite Abend in Folge ausverkauft. Man habe es einfach probieren wollen und es habe geklappt, wird sich ein euphorisierter Manillio später auf der Bühne bedanken. Eben dieser Manillio eröffnete den Abend. Als der Vorhang nach einer halben Stunde Verspätung aufging, überraschte die dreiköpfige Band des solothurner Rappers mit E-Gitarre und Rockband-Shirts. Sein mit einem «Swiss Hip Hop Music Award» ausgezeichnetes Soloalbum Irgendwo kam gut an. Unterstützt durch eine tourerprobte und dadurch eingespielte Live-Band brachte er das Publikum auf Betriebstemperatur. CBN, viertes Mitglied von EFM, kam ebenfalls noch kurz auf die Bühne und zusammen gaben sie Tracks von Eldorado FM 4 und 5 zum Besten.

Tanzbare Sozialkritik

Nach einer kurzen Verschnauf- beziehungsweise Zigarettenpause kam der mit Spannung erwartete Höhepunkt: Glanton Gang.
Auch sie hatten eine Liveband aufgeboten. Allerdings waren es mehr als doppelt so viele Musiker im Vergleich zu vorhin. Mittels Trompete und Saxofon wurde der mexikanische Touch erzeugt, der sich durchs ganze Album zieht. Passend dazu hatten sich alle Bandmitglieder als Skelette verkleidet. Als das Rap-Duo die Bühne betrat musste man das Bild des gemütlichen Berners revidieren. Das Publikum aus der Hauptstadt flippte aus, rappte mit und der Einzelne verschmolz in einem Meer von nach oben gestreckten Händen. Dezmond Dez entschuldigte sich prophylaktisch falls es heute eine energielose Show als Folge der Plattentaufe vom letzten Abend gäbe. Doch seine Befürchtung war unbegründet. Der Saal strotzte nur so vor Energie. Man hätte das AKW Mühleberg an diesem Abend getrost abschalten können.
«Wenn auch nur die Hälfte des Publikums die Hälfte der Zeilen versteht, hat es sich gelohnt.», rappte Tommy Vercetti und brachte damit den Abend auf den Punkt. Die Glanton Gang wollte primär keinen Vortrag über Systemtheorien halten, sondern feiern. Auch die Diskussion um den Rapper-Typus den Knackeboul vermittelt, wurde nur einmal kurz angeschnitten und stand an diesem Abend glücklicherweise nicht im Zentrum.
So passte es, dass am Schluss der zweiten Zugabe sich noch einmal CBN, Dezmond Dez, Manillio, Tommy Vercetti und das Duo Lo & Leduc auf der Bühne versammelten und ein Medley der bekanntesten EFM-Tracks spielten. Als sich der Vorhang nach knapp drei Stunden Konzert schloss wurde vergebens eine dritte Zugabe gefordert.