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Mit neuem Album im Gepäck ist die schwedische Indie-Rockband The Sounds zur Zeit auf Europatour und machte am 24. November in Zürich Halt. Mit dabei hatten sie die blutjunge Band Viktor & The Blood, die erst gerade ihr Debutalbum veröffentlichten.

Viktor & The Blood (Sacha Saxer)

Jonas Karlsson von Viktor & The Blood (Sacha Saxer)

 

sax. Eine neue Band, welche erst vor einer Woche ihren Erstling auf den Markt gebracht haben und  von denen noch kaum jemand gehört hat; was soll man da erwarten? Richtig, am Besten einfach nichts und sich überraschen lassen. Im schlimmsten Fall weiss man nachher, wieso man noch nichts von ihr gehört hat… Glücklicherweise war dies bei Viktor & The Blood alles andere als der Fall. Das Trio aus Stockholm spielten griffigen Indie-Rock und vermochten mit ihrem adretten und sympathischen Auftreten sicherlich mehr als nur ein paar Leute von sich zu überzeugen. Samuel Giers, bekannt als ehemaliger Drummer von Mando Diao, sowie Viktor Norén und Jonas Karlsson von Sugerplum Fairy – um verrückte Bandnamen sind die Jungs offensichtlich nicht verlegen – arbeiteten während ihres mit rund 20 Minuten leider sehr kurzen Sets stetig auf den Auftritt von The Sounds hin, die Intensität der Songs kontinuierlich erhöhend. Es lohnt sich auf jeden Fall, mal ein Ohr in ihr Album Apocalypse Right Now zu werfen. In zwei, drei Jahren könnte hier schon eine eigene Tour drin liegen. Denn auch wenn die Band selber noch jung ist, so merkt man deutlich, dass hier drei Musiker mit Bühnenerfahrung vor einem standen. Die Mischung aus cooler Distanziertheit und spitzbübischem Charme sorgte denn auch nicht nur bei den Damen in der ersten Reihe für glänzende Augen.

 

Nach dem wie schon gesagt etwas gar kurzem Gastspiel wurde die Bühne für den Hauptact vorbereitet – mit einer Gelassenheit, wie man sie selten bei Stagehands sieht. Es bleibt zu hoffen, dass nicht zu viele Deutsche im Publikum waren, sonst fühlen die sich wieder im Klischee der schweizer Behäbigkeit bestätigt. Immerhin, so ging dann auch nichts zu Bruch und das Quintett um Maja Ivarsson konnte ihr umfangreiches Set, welches die ganzen fünfzehn Jahre, welche es die schwedische Band nun schon gibt, umfasste, mit No One Sleeps While I’m Awake zunächst mal gemächlich einleiten. Doch schon beim nächsten Song wurde das Tempo gesteigert – Hit Me trifft immer ins Schwarze. Leider war Maja Stimme während den ersten Songs so leise abgemischt, dass es fast nicht möglich war, den Gesang über die Instrumente zu hören. Ein unverzeihlicher Lapsus des Tontechnikers, und leider nicht der einzige an diesem Abend.

Aber wie auch der nächste Song With A Mission hatte weder die Band noch das Publikum Zeit, sich gross an solchen Kleinigkeiten zu stören, es galt, einen gelungenen Abend zu verbringen und darum wurde auch gleich mal ein neuer Track eingespielt. Shake, Shake, Shake von aktuellen Album Weekend ist ein sehr tanzbares Stück, dass sich weniger über den Text als viel mehr über den Beat definiert. Damit passt der Song perfekt zum fünften Studioalbum der Schweden, auf welchem sie sich primär um den «Groove» kümmern und die Lyrics nicht bis ins Letzte hinterfragen wollten. Back to Basic, Musik darf auch mal einfach nur Spass machen.

Dass ausgerechnet beim Clubhit Painted By Numbers wieder ein Soundpatzer zu hören war, störte wohl nur die wenigstens, denn mitgesungen und -getanzt wurde dennoch. Allerdings empfand ich das Fehlen der Höhen beim Keyboard als grässlichen Faux-Pas. Dafür schaffte es Maja bei Wish You Were Here die Halle in ein Turteltaubenresort zu verwandeln. Überall waren in Gedanken versunkene Pärchen zu sehen, hier und da tanzten sie auch engumschlungen zur Ballade. Ein wunderschöner Moment der Ruhe im sonst sehr flotten Konzert.

Dass der Backstagebereich auf der Gallerie vom Besucherraum aus eingesehen werden konnte, sorgte dafür, dass das Publikum nach der Zugabe nicht locker liess, bis die Band abermals für zwei weitere Songs, die nicht mehr auf der Setliste standen, auf die Bühne zurückkehrte. Der Umstand, dass sie dies mit einem Lächeln auf den Lippen in Angriff nahmen, zeigte, wieviel Spass auch die Musiker an diesem Abend hatten. Ein durchaus gelungener Wochenendausklang, wie man ihn gerne öfters erleben würde.

 

Fotos: Sacha Saxer