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«Weed Garden» – Iron & Wine liefert den Soundtrack für den Herbst

Sie sind ein bisschen wie eine warme Wolldecke und eine Tasse Tee an einem regnerischen Sonntag, die sechs Tracks auf der neuen EP von Iron & Wine. Jetzt, da die Tage wieder merklich kürzer, kühler und nasser werden, ist «Weed Garden» der perfekte Soundtrack für einen Nachmittag auf der Couch.

Ein Gastbeitrag von Luca Ghiselli

Fast auf den Tag genau ein Jahr nach dem Release seines Albums Beast Epic veröffentlicht der Singer-Songwriter aus North Carolina mit Weed Garden weitere Songs, die während des Schreibprozesses zu Beast Epic entstanden sind, es damals aber nicht aufs Album schafften.

Sie sind in ähnlich simplem, unaufgeregtem Stil gehalten, kurzweilig, und doch tiefgründig. Warm, ehrlich, unprätentiös wie man es sich von dem 44-Jährigen gewohnt ist. Damit knüpft Sam Beam, wie Iron & Wine bürgerlich heisst, an jenen Weg an, den er mit Beast Epic wieder eingeschlagen hatte. Will heissen: Einfachere Produktion, Rückbesinnung auf schnörkelloses, melodiöses Songwriting. Die Kritik fand für Beast Epic fast ausschliesslich lobende Worte, in den USA schaffte es das Album in die Top 50 der Charts. Und in der Sparte «Best Americana Album» heimste Iron & Wine damit eine Grammy-Nominierung ein.

Liebevolle Abrechnung

Nun also sechs Bonustracks auf Weed Garden: Den Auftakt macht What Hurts Worse. Der Titel ist nicht Programm, versprüht der Track mit seinen lieblichen Akkorden, ordentlich viel Reverb auf der Stimme und all den Harmonien doch eher Zuversicht als Melancholie. Ein vielversprechender Auftakt!

Weiter geht’s mit Waves of Galvestone. Warum es der Song nicht aufs Album geschafft hat, ist ein Rätsel. Der Track ist eine liebevoll-folkige Abrechnung mit Texas, dem Kleinstadtleben, dem Kommen und Gehen. Darüber eine herrlich geradlinig gezupfte Gitarre und minimalistische Drums. «It’s too bad that you ain’t got a soft place to fall / It’s too bad Texas leans to the least of us all». Ein erstes Highlight!

Bluesiges Riff, Up-Tempo-Beat, perkussive Slap-Technik: Last of Your Rock’n’Roll Heroes steht etwas quer in der Landschaft, funktioniert als etwas monothone Verschnaufpause in der Mitte der EP aber ganz gut. Die zweite Hälfte der EP ist, zumindest textlich, nochmal ein Stück ausgereifter, tiefgründiger, aufwühlender als die erste.

Milkweed beginnt mit einem Cello-Intro, dessen Riff sich danach durch das Stück zieht. Darüber sparsam eingesetztes Piano-Geklimper und ein Text, wie ihn nur Sam Beam schreiben kann: «Always coming back / Coming back for something / Always coming back with the butterflies / Breakfast on the table / Backseat full of babyshoes / A pile of jumper cables». Alltagsmelancholie, ohne anzubiedern.

Entwaffnende Einfachheit

Es folgt Autumn Town Leaves – und es wird immer herbstlicher. Denn in dieser Herbststadt, da können die Blätter auf beide Seiten der Gartenmauern fallen, singt Iron & Wine. Der Track ist upbeat, mehrstimmige Gitarren, dazu eine gemächliche Bassdrum, die den Song behutsam, aber besitmmt nach vorne treiben. «Stacking stones around their broken hearts / Waving down any wind that might come blowing».

Zum Abschluss bleibt’s mit Talking to Fog herbstlich. Hier bedient sich Iron & Wine wieder bei einem beliebten Stilmittel – der Allegorie. «Sorrow says believe me, you can walk into my mouth / Let’s say it like the sunrise / When it’s talking to the fog / We’re both looking for a light / In the window of a house».

Fazit: Iron & Wine hat mit Weed Garden das Folk-Rad nicht neu erfunden. Das muss er aber auch nicht. Denn das, was der Singer-Songwriter hier abgeliefert hat, ist von hoher Qualität. Lyrisch bestechen die Songs mehr denn je, musikalisch sind sie von einer entwaffnenden Einfachheit. Der Herbst kann kommen, kuschelt euch ein.

Weed Garden

4
/5
31. August 2018

Release

Sub Pop

Label

Tracklist

  1. What Hurts Worse
  2. Waves of Galveston
  3. Last of You Rock'n'Roll Heroes
  4. Milkweed
  5. Autumn Town Leaves
  6. Talking to Fig