Ein Passwort wird per E-Mail an Sie geschickt

Was bewegt Konzertbesucher an einem Abend, an dem eigentlich eine Band spielt, die ihnen so sehr gefällt, dass sie Ticketpreise in der Grössenordnung von 60 Franken aufwärts hinblättern und dennoch während dem Konzert nur mit ihren Kollegen schwatzen?

So kommt man sich an manchen Konzerten vor. (Sacha Saxer)

So kommt man sich an manchen Konzerten vor. (Foto: Sacha Saxer)

Schon häufig habe ich mich gefragt, was in den Köpfen der Leute, die sich zwar ein Ticket für ein Konzert – oftmals zu Preisen jenseits von 60 Franken – leisten, aber sich absolut gar nicht um die Darbietung des jeweiligen Acts kümmern. Schon beim Ultravox-Konzert im Kaufleuten ist mir das sauer aufgestossen, was sich in meinem Bericht sicherlich deutlich niedergeschlagen hat. Damals tat ich diesen Verhalten nur als reine Dummheit ab. Womöglich hatten die Leute, die es für so viel wichtiger hielten, sich über den Gemütszustand der Katze des aktuellen Lebenspartners zu unterhalten, als der Musik auf der Bühne zuzuhören, «gute» Gründe.

Aber Entschuldigung, wieso geht ihr an ein Konzert, wenn ihr euch über eure Katzen unterhalten wollt? Nicht, dass daran was Falsches zu finden ist, aber es gehört einfach nicht an ein Konzert.

Aber wenn ich an ein kleines Konzert in einer Kneipe gehe und die Leute labbern belanglosen Müll vor sich hin und denken dabei noch, dass sie natürlich völlig im Recht wären, dann frag ich mich, wie tief der Respekt der Menschen vor der Musik noch sinken kann. Ist das die logischer Weiterführung davon, dass mittlerweile die Bereitschaft, ein bis zwei Franken für einen Song zu zahlen, kaum mehr vorhanden ist? Ist ja nur ein Lied, nicht wahr? Die gleichen Leute zahlen dann aber ohne mit der Wimper zu zucken über sieben Franken für ein paar Zigaretten, die nach kürzester Zeit weggeraucht sind. Oder geben Hunderte von Franken für Schuhe und Klamotten aus, nur weil dort irgend so’n Markenlogo drauf ist. Natürlich möglichst gross, damit’s jeder sehen kann und weiss, dass man viel Kohle hat. Da bleibt natürlich kein Geld mehr für Musik übrig. Ausser eben für Konzerte, die man dann an der Bar redend mit Freunden verbringt.
In irgendeiner Welt macht das sicher Sinn. Aber in dieser Welt will ich nicht leben.

In eine ähnliche Kategorie gehören die Leute, die ständig nach Gästelisteplätzen lechzen. Die Gästeliste ist eigentlich ein kleines Geschenk des Veranstalters und manchmal auch der Band für Leute, die ihnen in irgendeiner Art und Weise entgegenkommen sind. Nur weil man irgendein Mitglied einer Band kennt, heisst das noch lange nicht, dass man Anspruch auf eine Gästelisteplatz hat. Klar, jeder ist gern auf dieser magischen Liste, doch wenn alle Bekannten der Band auf dieser Liste stehen würden, wer würde dann noch Eintritt zahlen und somit dafür sorgen, dass der Abend noch eine Chance hat, kein finanzielles Disaster zu werden?
Aber irgendwie scheint sich die Erwartungshaltung durchzusetzen, dass für Musik nichts mehr bezahlt werden muss. Musik ist gratis, schliesslich kann man sie sich ja im Internet einfach so runterladen. Klar, in der Schweiz ist es legal, sich irgendwelche Inhalte vom Internet runterzuladen, solange man sie nicht auch gleich wieder an andere hochlädt. Legal ist aber nicht gleich moralisch vertretbar! Sich einen Song zum Reinhören runterzuladen, ist an und für sich nicht falsch. Insofern man sich beim Gefallen des Songs auch eine offizielle Version – die nunmal meistens kostenpflichtig ist – runterlädt oder sich gleich das Album kauft. Denn das Erstellen eines Albums kostet viel Geld, involviert sehr viele Spezialisten auf ihrem Gebiet, die bezahlt werden müssen, und dann sind die Musiker – im Gegensatz zur Volksmeinung – auch nur einfache Menschen, die ihre Miete, Steuern und Lebensunterhalt zahlen müssen.

Was also macht ein Lacoste-Leibchen oder Nike-Turnschuhe wichtiger als die unzähligen wunderschönen Stunden, die uns die Musiker mit ihrer Arbeit beschehren?

Der Respekt vor der Arbeit der Musikschaffenden ist leider in der heutigen Zeit beinahe komplett verloren gegangen. Sei es die immer weniger vorhandene Bereitschaft, für Musik zu zahlen oder der fehlende Respekt bei Live-Konzerten. Musik ist zu einer bedeutungslosen Verbrauchsware geworden.
Jeder einzelne von uns hat einen Lieblingssong, der ihn mit für ihn unvergesslichen Erinnerungen verbindet. Nichts anderes in dieser Welt bietet uns die Möglichkeit, Erinnerungen unsterblich zu machen, als die Musik.

Wieso zollen wir ihr nicht mehr Respekt?