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Die Zürcher Kombo The Moonling veröffentlichte mit «iMASK» im April ihr Debutalbum. Ein Album, das sich weigert, in irgendwelche Genreschubladen gesteckt zu werden. Ich habe mir für euch das widerspenstige Klangerzeugnis zu Gemüte geführt.

The Moonling – iMASK

The Moonling – iMASK

sax. Oftmals kriegt man bei einer CD-Kritik einfach eine Scheibe, die sich brav einer Musikrichtung zuordnen lässt, in die Hände gespielt. Diese Scheiben unterscheiden sich unter anderem darin, wie experimentierfreudig sie sich in der jeweiligen Richtung zeigen. Ganz anders bei iMASK, dem Erstlingswerk einer bis dato noch ziemlich unbekannten Zürcher Band.

Da ja doch die meisten irgend einen Rahmen brauchen, in welchem sie die Musik einordnen können, bevor sie sich diese zu Gemüte führen wollen, hier mal eine (persönliche) Grobeinschätzung: Indie-Cabaret-Rock. Wer sich nichts darunter vorstellen kann, ist hier goldrichtig. The Moonling scheren sich einen Dreck um Genre-Grenzen, suchen sich ihren eigenen Weg in der unendlichen Musiklandschaft. Und was für einen interessanten Weg sie dabei eingeschlagen haben.

Das Album beginnt mit Anima Maris, einen Stück, das passend zum Namen mit Walgesängen und ätherischen Radioklängen beginnt. Schon jetzt wird das Zusammenspiel zwischen Mond und Meer thematisiert. Meer und Mond sind Themen, die durchs ganze Album begleiten und die Stimme von Sebastian Möhr schafft es mit ihrer Wandelbarkeit, die Klänge tiefster See mit dem Vakuum auf dem Mond zu verbinden. Das Wechselspiel von deutschen und englischen Lyrics unterstützt die Komplexität der Musik wunderbar.

iMASK ist eines der Konzeptalben der letzten Monate, wenn nicht Jahre, dass die Bezeichnung wirklich verdient. Man sollte die Scheibe in einem Stück hören, genauso wie man ein Theaterstück von Anfang bis Ende sehen sollte. Zuviel über die inhaltlichen Details zu verraten, wäre Frevel. Dennoch will ich hier einen kleinen Einblick in die akustische Welt von The Moonling bieten.

Die Jungs liefern nicht nur intellektuelle Songs, sondern zeigen mit der Ballade Kaleidoscope auch eine romantische Seite auf. Sie wird vor allem bei Freunden der alten Lacrimosa-Songs auf viel Gegenliebe stossen. Dass auf diesen eher ruhigen Song der wohl tiefgründigste Track des Albums D.ex.M folgt, zeigt, wie divers die Truppe ist. Knallharte Logik im Sinne von George Orwell’s 1984 als Ablösung auf eine romantische Ballade – kommerzielles Interesse kann man den Zürchern bestimmt nicht vorwerfen.

Im Gegenteil, sie versuchen die Grenzen des Möglichen auszuloten und scheuen dabei keine Risiken.

Welcome To The Show hätte perfekt als Opener des Albums gepasst, dennoch entschied sich die Band, den Song erst als Nummer Drei einzureihen. Damit konnte sie die Freakshow noch ein wenig vor dem Zuhörer verbergen und ihn so um so stärker überraschen. Eine gewisse Parallele zum 2011er Album A 1000 Punches von (den ebenfalls Zürchern) Redwood ist nicht von der Hand zu weisen, doch wo letztere eher einen Zirkus einläuten, zelebrieren The Moonling Cabaret Bizarre wie’s im Buche steht. Der teilweise an Wahnsinn erinnernde Gesang unterstreicht diese Wirkung noch.

Auch Gesellschaftskritik kommt nicht zu kurz, auch wenn man sich Feverdance wohl mehrmals anhören muss, um die Botschaft des Liedes aufnehmen zu können. Der Übergang zu World Wide Window ist in Feverdance schon in den Lyrics gegeben, doch im im Folgesong wird noch stärker auf die heutige Gesellschaft, vor allem ihre Abhängigkeit von digitalen Medien und Helfershelfern eingegangen.
Mit Nihilist-Blues treibt The Moonling diese mediale Abhängigkeit vollends auf die Spitze, prangert die Scheinheiligkeit der Gesellschaft im Umgang mit Facebook und Co an. Und das alles in einem Song, der irgendwie zum Mitpfeifen anregt und vordergründig alles im besten Licht erscheinen lässt.

Und knallhart auf die nihilistische Hymne kontern die Zürcher mit Soma, einem Song, der von (Selbst)erkenntnis handelt und völlig diametral zur Quintessenz des Vorgängersongs steht.
Mit Spieglein, Spieglein An Der Wand liefern The Mooning einen weiteren eher introvertierten Track, der zur Reflektion über das eigene Dasein in unserer Welt anregen will. Der Track geht ungewöhnlich direkt auf den Hörer zu, bezieht ihn in seine Aussage mit ein und hält schlussendlich jedem den Spiegel vor seinem eigenen Handeln vor.  Das Schöne an diesen extrem kritischen Songs ist, dass jeder einzelne von ihnen auch als tanzbarer Track an ner Rockparty funktionieren könnte. Die Message wird einen nicht aufgezwungen, sondern nahegelegt. Es bleibt dem Hörer überlassen, was er mit der Musik anfangen will.

Ganz ehrlich, ich hab jetzt schon diverse Alben teilweise auch schon vor der offiziellen Veröffentlichung hören dürfen. Aber ich glaube wiklich nicht, dass ich bis Ende Jahr noch ein Album zu hören kriege, dass mich auch nur annähernd auf so vielen Ebenen berühren wird wie iMASK von The Moonling.

Meiner persönlichen Meinung nach handelt es sich hierbei um DAS Album des Jahres für alle, die gerne auch ihren Kopf einsetzen und sich mit den Lyrics beschäftigen. Mehrere Tracks sind tanzbar, aber dies steht bei diesem Album ganz klar nicht im Vordergrund. Dies ist ein Album nicht nur für Musikliebhaber, sondern auch für Kunstliebhaber. Vertrieben wird die Scheibe in Eigenregie und ist auf iTunes oder – viel empfehlenswerter – an jedem The Moonling Konzert erhältlich.

 

Release
26.04.2013

Label
Eigenvertrieb

Tracks:
01: Anima Maris
02: Through The Looking Glass
03: Welcome To The Show
04: Feverdance
05: World Wide Window
06: Kaleidosccope
07: D.ex.M.
08: Nihilist-Blues
09: Soma
10: Spieglein, Spieglein An Der Wand
11: Shannon-Moles & The Definition Of Noise
12: Backstage
13: Fool Moon