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Sie ist aktuell eine der grössten amerikanischen Popstars. Sie tourt nicht nur durch die grössten Hallen der Welt, nein, sie turnt auch noch hoch oben über den Köpfen des Publikums, während sie live ihre Hits zum Besten gibt. Aus der nach einer Farbe benannten Rotzgöhre ist ein angesehner Superstar geworden, der vergangenen Dienstag auch Zürich besuchte: P!nk.

Artikel 2013-05-23 - Pink - 001

Eine packende Show (Foto: Nicola Tröhler)

ss. Es war regnerisch an dem Dienstag im Mai, als sich vor dem Zürcher Hallenstadion bereits zur Mittagszeit die ersten Menschen tummeln. Meist junge Frauen, viele davon kurz geschnittene Haare, einige in pink gefärbt. Das Durchschnittsalter zwischen 24 und 30 Jahren – Teenies sind kaum zu sehn. Wie das Vorbild sind auch sie älter geworden. Waren es beim ersten Schweizer Konzert im Jahr 2004 noch provikativ wirkende Pupertierende, sind es jetzt junge Erwachsene, die auf die Frau warten, die damals als Rotzgöhre galt, und heute eine stolze Mutter einer zweijährigen Tochter ist: P!nk. Die Fangemeinschaft von damals blieb. Und sie wurde noch weitaus grösser: während vor neun Jahren eher junge Menschen angezogen wurde von der aus Philadelphia stammenden Künstlerin, so traf man an diesem Abend durchaus Konzertbesucher zwischen 45 und 55 Jahren an, ja sogar einzelne  70 Jährige wurden gesehen.  Ob es daran lag, dass die Künstlerin ruhiger , oder die Vermarktung nur mehr auf den Mainstream ausgelegt wurde, blieb an diesem Abend unbeantwortet. Umso eindrücklicher die Tatsache: 13’000 Besucher im restlos ausverkauften Stadion. Und hätte es ein zweites Konzert gegeben, wäre wohl auch das innert Kürze ausverkauft gewesen.

Mit der Band Churchill wurde musikalisch in den Abend gestartet. Eine aus den Staaten stammende Band, die mit Pop-Rock-Folk-Takten teilweise ein wenig an Lady Antebellum erinnerten. Stark aber der Auftritt: durch die frische, herzliche Art, durch Publikumsanimation und guter, handgemachter Musik klatschte so mancher Besucher zum ersten Mal freudig in die Hände.

Kurz nach neun Uhr dann endlich ein Flackern auf den Bühnenbildschirmen: ein ulkiges Video zu P!nks Song The Truth About Love mit einem noch ulkigeren Typen. Dieser wiederum stellte sich wenige Minuten später als sogenannter Geschichtenerzähler und Moderator raus, der das Publikum mit auf die Reise nehmen sollte, um „The Truth About Love“ zu entdecken. Sekunden später ein Knall, Rauch und eine kopfüber hängende P!nk, die aus dem Nichts zu kommen schien und in die Höhe gezogen wurde. Das Publikum – erst geschockt und erstaunt zugleich – schien wortwörtlich vor Begeisterung zu explodieren. Doch wer dachte, dass wäre die einzige akkrobatische Einlage, der wurde an diesem Abend eines Besseren belehrt: die Sängerin bot Akkrobatik der ersten Klasse, turnte in schwindliger Höhe zu Hits wie Try und Sober, schwebte an dünnen Seilen durch die ganze Halle über die Menschenmenge, und hing mehrfach kopfüber in der Luft. Ein bisschen wie Zirkus, nur besser, denn während andere mutige Popstars in solchen Posen fast ausschliesslich auf Playback zurückgreiffen, sang  die 33 Jährige jeden einzelnen Ton live. Dennoch liess es sich die Sängerin nicht nehmen, ihre gesanglichen Qualitäten unter Beweis zu stellen, in dem sie alleine von einer Gitarre oder einem Piano begleitet, Songs wie Who Knew, Perfect und The Greatest Escape performte. Symphatisch und humorvoll erklärte die Blondine dazu: «Ich kann zehn Songs auf dem Tamburin spielen und vielleicht noch auf dem Xylophon. Dann habe ich gemerkt, dass ich einen halben Song auf dem Piano spielen kann. Da dacht ich mir, ich kann bestimmt auch einen Ganzen spielen.» Und sie kann. Trotz angekündigten Fehlern – keiner an diesem Abend in Zürich. P!nk strahlte mindestens genauso wie die 13’000 begeisterten Zuschauer.

Überhaupt überzeugte Alecia Beth Moore, wie die quirrlige Sängerin bürgerlich genannt wird, mit ihrer einfachen, lockeren Art. Ohne weiteres Gehabe legte sie sich mehrfach an den Bühnenrand zu ihren Fans, liess sich anfassen, ärgerte sich belustigt über eine leere Pizzaschachtel, die ihr ein Fan mitgebracht hatte, und strahlte über jedes kleine Geschenk für Töchterchen Willow Sage. Und dass das Muttergen die ehemalige Rockgöhre voll und ganz überkommen hat, zeigte schliesslich auch die Geste einem kleinen Mädchen nicht nur die Hand zu schütteln, nein, sie überreichte ihr sogleich noch eine Rose.

Nicht weniger glücklich aber dürften die restlichen Zuschauer  gewesen sein: fast zwei Stunden tobte Sängerin P!nk über die Bühne, begeisterte sowohl mit alten Hits aus Can’t Take Me Home-Zeiten, als auch mit neuen Klängen. Sie tanzte mindestens genauso gut wie ihre Tänzer, deren Leistung definitiv nicht unterschätzt, sondern in höchsten Tönen gerühmt werden sollte, sie spielte Schlagzeug, als hätte sie nie was anderes getan. Der an Johnny Depp als Hutmacher (in Alice im Wunderland) erinnernde  Moderator mit seinen skurrilen Einlagen und Kostümen überzeugte ebenso wie das starke Bühnenbild mit seinen Animationen. In Perfektion dürfte dieses Konzept kaum zu schlagen sein, und jeglichen Kritikern sollten spätestens nach dieser Show die Argumente gegen die Künstlerin ausgegangen sein. Einzig eins bleibt zu sagen: wer bisher das Glück hatte, P!nk ganz ohne Show, reduziert auf Band und Gesang zu erleben, der weiss, dass sie Shows wie diese nicht nötig hätte. Aber das strahlende Gesicht, wenn sie hoch oben über das Publikum schwebte, überzeugte, dass ihr Herz, ihr Willen und ihr Spass zu gross ist, um auf solche Spielereien zu verzichten. Und angesichts der Perfektion einer solchen Show verzeiht dir das jeder, liebe P!nk!

Fotos: Nicola Tröhler