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Am Samstagmittag hatte ich in Graubünden mein erstes Mal, es war unbeschreiblich lecker, mein erstes Mal Capuns vor dem Open Air Lumnezia.

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Bligg mit seinem „Bäbi“. (Foto: Noemi Hermann)

Beinahe im Minutentakt schlängelte sich das Postauto am 25. bis 26. Juli mit Dutzenden gestiefelten Festivalgängern immer höher durch kleinste Dörfer hindurch, an Feldern und Felsen vorbei, bis nach Lumnezia. Nun sind die Bässe verstummt und die Kirchenglocken neben der Festivalbühne läuten den Sonntag ein.

Ich schaue ins tiefe Braun des frischgebrauten Morgenkaffes, der vor mir steht. Meine Augen fallen Schluck für Schluck, etwas zu und vor meinem inneren Auge erscheinen die Bilder des gestrigen Tages: Bligg, der wie ein freudvoller Vater lachend ein „rosa gekleidetes Bäbi“ in die Luft stemmt, die Frau mit dem Blumenkranz im Haar, die ihrem Pascal am anderen Ende des Handys erklärte, dass er, wenn er sie suche, einfach nach einer Frau, die ein Becher Bier in die Luft hält Ausschau halten soll.
Ich erinnere mich an Anna Rossinelli, die sich für ihre verlaufene Mascara entschuldigte und sich über die kommende Zeit als Brillenträgerin freute. Die Jungs von Irie Révoltés, die mit ihrem französischen Charme und ihrer Bühnenparty mit wirbelnden Schweisstüchern die Masse zum Tanzen brachte.

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Placebo als Headliner des 30. Openair Lumnezia. (Foto: Noemi Hermann)

Ein Schmunzeln huscht über meine Lippen, wenn ich an die Einladung des „Oben-ohne-Mannes“ mit ihm und seinem Kumpel zu Fuss von Luzern nach Lugano zu laufen denke, den jungen Mann, der mit einem schelmischen Lachen mich mit einen schlammgetränkten Schirm galant vor dem Regen beschützen wollte und so mein treuer Begleiter beim Schlammspaziergang bis zum Pizzastand war.

Ich bekomme Gänsehaut, kalte Tropfen, kullern mir über mein T-Shirt den Rücken entlang, gestern war es „Bühnenschweiss“ und Calanda-Bier heute sind es einzelne Wasserperlen, die von meinem frisch gewaschenen halbnassen Haar herunterperlen. Doch ich bereue nichts, wie es auf dem kleinen rosa Karton-Schächtelchen steht, dass mir heute morgen neben dem Bett in die Finger kam, als ich nach dem Weckerläuten noch schlafgetrunken aus dem Bett hängend nach meinem Haargummi suchte. Nur vielleicht meine Ohren bereuen es über Stunden, in der ersten Reihe neben den „Lyrics-Schreiern“ verweilt zu haben, um die Acts direkt vor die Linse zu bekommen, bis ich mich in den frühen Morgenstunden mit meinen Festivalbegleitern durch die Nebelschwaden am Zeltmeer entlang, den schlammigen Hang hinauf gekämpft habe, um nach einer Tasse Tee im warmen Haus meine kalten Füsse endlich unter eine kuschlige Decke stecken zu können.

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Das erste Mal… Capuns. (Foto: Noemi Hermann)