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Viva con Agua – Leben durch Wasser. Eine junge, erfrischende Hilfsorganisation sammelt mit einem raffinierten System Geld für sauberes Trinkwasser. Wir haben Gregor Anderhub, Geschäftsleiter Viva con Agua Schweiz, in Winterthur getroffen.

Viva con Agua Knackeboul

Der Schweizer Rapper Knackeboul in Mosambik. (Foto: Viva con Agua)

In Hamburg entstand 2005 im Dunstkreis des FC St. Pauli die Initiative Viva con Agua, nachdem die Mannschaft während eines Trainingslagers in Kuba in Kontakt mit schlechter Wasserversorgung kam. Ein Jahr später wurde der Verein „Viva con Agua de Sankt Pauli“ gegründet. Seit 2009 ist der Verein auch in der Schweiz aktiv. Die Hilfsorganisation wurde vor allem durch ihr intelligentes Bezahlsystem bekannt: Sie sammeln auf Festivals Becher mit Depot und generieren so Spenden für sauberes Trinkwasser.

Sind sich die Menschen auf den Festivals überhaupt bewusst, dass sie gerade gespendet haben?

Gregor Anderhub: Natürlich ist an Openairs Alkohol im Spiel, nicht jeder begreift, was er mit seiner Becher-Spende gerade bewirkt hat. Wir gehen dahin, wo die Leute Spass haben. Das gehört zu unserer Philosophie. Wir versuchen, junge Leute in einem unbeschwerten Umfeld für soziales Engagement zu begeistern. Unser System ist einfach und ungezwungen. Wir stehen nicht in der Einkaufsstrasse und wedeln mit dem moralischen Zeigefinger. Wir erklären ganz nüchtern, was das Problem ist und argumentieren mit positiven Botschaften. Das unterscheidet uns von anderen Hilfswerken.

Euer System ist auf Mirko-Spenden aufgebaut. Ist das die Zukunft?

Auf jeden Fall ist es ein Grund für den Erfolg von Viva con Agua. Jeder kann einfach etwas dazu beitragen und etwas bewirken. Wir sind unbürokratisch und holen die Menschen da ab, wo sie sowieso Spass haben. Der Openair-Besucher hat ja das Depot für den Becher schon bezahlt. Wenn er ihn uns gibt, muss er also nicht nochmals die Brieftasche zücken. Einige sind vielleicht einfach froh, dass sie nicht am Getränkestand anstehen müssen, um das Depot zu kriegen. 

Viva con Agua Crew

Viva con Agua in Mosambik. (Foto: Viva con Agua)

Arbeitet ihr alle ehrenamtlich?

Die Helfer auf den Festivals und an den Konzerten arbeiten ehrenamtlich. Ich bin eigentlich zu 80 Prozent angestellt, aber arbeite natürlich mindestens 120.

Hilfsorganisationen stehen immer wieder in der Kritik, weil viel Geld in der Bürokratie stecken bleibt. Ist das bei Viva con Agua auch der Fall?

Wir versuchen, die Strukturen möglichst schlank zu behalten. Von den Spenden gehen 85 Prozent an die Projekte, die von Helvetas realisiert werden. Zehn Prozent nutzen wir, um den Verein auszubauen und für unser Anliegen zu sensibilisieren. Der kleine Rest geht dann für den klassischen Büroaufwand drauf.

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Viele Non-Profit-Organisationen wie Amnesty International oder Vier Pfoten arbeiten mit Spendeneintreiber wie der Corris AG zusammen. Wer sich auf der Strasse zu einer Spende entscheidet, bezahlt damit vor allem die sogenannten Dialoger. Durchschnittlich geht die erste Jahresspende an die Sammlerfirma. Viva con Agua versucht hingegen mit einem eigenen Netzwerk von ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, dieser Problematik auszuweichen. 

Ihr arbeitet mit Helvetas zusammen. Wie überprüft Viva con Agua, dass das Geld auch dort richtig eingesetzt wird? 

Einerseits sind wir von Viva con Agua jung, verrückt und manchmal etwas vogelfrei. Andererseits möchten wir unsere Projekte seriös umsetzen. Deshalb arbeiten wir immer enger mit Helvetas zusammen. Wir setzen gemeinsame Ziele und formulieren die Ideen aus. Jährlich berichten wir von den Projekt-Entwicklungen vor Ort. Mit den eigenen Augen den Fortschritt zu sehen, ist ein zentraler Aspekt.

Viva con Agua schickt auch bekannte Gesichter in die Entwicklungsgebiete. Knackeboul war zum Beispiel in Mosambik. Lohnt sich dieser finanzielle Aufwand?

Es ist lustig, dass alle denken, wir würden das bezahlen. Knackeboul ist auf eigene Kosten mitgekommen, weil er sich für das Projekt interessiert hat. Für Viva con Agua ist sowas kein zusätzlicher Aufwand. Wir sind aber auf bekannte Leute angewiesen, die auf Festivals auftreten und auf uns aufmerksam machen. Aber auch unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter bezahlen die Reise selbst. Sie kommen aus Neugier mit, wollen sehen was ihr Engagement bewirkt. Wir leben vor Ort immer in einfachsten Verhältnissen. Es ist alles sehr rudimentär.

Gregor Anderhub ist ein aktiver junger Mann. Mit leuchtenden Augen erklärt er die Idee hinter Viva con Agua. Er erzählt von spannenden Begegnungen auf einer Reise mit dem deutschen Reggae-Künstler Gentleman, der auch in Äthiopien sehr beliebt ist. Viva con Agua spiele sich nicht als weisser Retter des schwarzen Kontinenten auf, sondern möchte den Dialog zwischen jungen Menschen durch Musik und Kunst fördern.

Was sind die Herausforderungen für euch?

Sicher die Mehrsprachigkeit der Schweiz. Momentan fokussieren wir auf den deutschsprachigen Raum. Wir würden gerne auch in den anderen Sprachregionen Fuss fassen. Häufig wissen Interessierte auch einfach nicht, wo sie sich engagieren können. Diesen Leuten müssen wir aufzeigen, dass sie bei uns die Möglichkeit haben, selbst aktiv zu werden.

Über Gregor Anderhub
2014-06-06_Gregor-Anderhub

Gregor Anderhub, 28, ist Geschäftsleiter von Viva con Agua Schweiz. Nach der kaufmännischen Ausbildung absolvierte er ein Studium im Soziokultur und arbeitete in der Medienbranche. (Foto: Janosch Tröhler)

Hier trifft man diesen Sommer auf Viva con Agua: Liste
Hier kannst du bei Viva con Agua mitwirken: pool.vivaconagua.ch

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