Vergangenen Mittwoch spielte Emilie Autumn im Zürcher Palais X-Tra. Die Shows der exzentrischen Künstlerin sind weitum bekannt und beliebt. Unsere zwei Journalistinnen Annatina Vinzens und Fiona Styner lassen den Abend Revue passieren.

Annatina Vinzens

Enge, glitzernde Korsetts, kurze Höschen und löcherige Strümpfe – dies ist die Welt der extravaganten Künstlerin Emilie Autumn und ihren Begleiterinnen von den Bloody Crumpets. Rechnet man noch die Rattenmaske dazu, ein Rollstuhl, Absperrungen und Ketten, kann es sich nur um die Fight Like A Girl-Tour handeln, mit der Emilie ihr bisher noch nicht veröffentlichtes Album mit demselben Namen vorstellt. Der Schwerpunkt der Show, in der sich rasante, kraftvolle Lieder wie Fight Like A Girl mit neckischen und erotisch angehauchten Songs wie zum Beispiel Girls! Girls! Girls! abwechselten, lag eindeutig auf den neuen Liedern, auch wenn zwischendurch altbekannte Lieder (4 O’Clock, Liar, God Help Me) gespielt wurden. Jeder der Fans schien die teilweise sehr eindrücklichen Texte, die auch mit teilweise zweideutigen Botschaften verknüpft sind, zu kennen und sang lauthals mit, was Emilie ein ungläubiges, jedoch hocherfreutes Lächeln entlockte und sie einen kurzen Augenblick lang sprachlos machte. Dementsprechend grossartig war auch die Stimmung in dem nur etwa halbvollen Saal des X-Tras während dem ganzen Konzert.

Besonders begeistern konnten auch kleine Showeinlagen von Captain Maggott, der Blessed Contessa oder von Naughty Veronica, die während der Show von Emilie “The Art of Love” und somit das Küssen erlernte und dabei 3 Regeln festsetzte:

  1. Die Zähne bleiben im Mund.
  2. Die Zunge bleibt im Mund.
  3. Zeigt Leidenschaft!

Um das neu Erlernte auch anzuwenden, suchte sich Veronica eine junge Frau aus dem Publikum, die sich bereitwillig von ihr korrumpieren liess – wie es wohl jeder an diesem Abend gerne mit sich hätte machen lassen!

Fiona Styner

Ein Zirkus, Theater, ein Musical. All dies vermittelte die Bühne mir als Karnevalsmusik lief und man auf den Anfang des Konzertes von Emilie Autumn wartete. Es begann mit einer perfekt sitzenden Choreografie zu dem Song 4 O’Clock und lief gleich weiter in den Song Fight like a Girl nach dem das neue Album benannt sein wird und auch die Tour ihren Namen verdankt. Ein regelrechter Sog ging von der Bühne aus und zog mit sich. Kein Gehüpfe, kein Rumgefuchtel oder extremes Tanzen aus dem Publikum. Viel zu gebannt starrten alle auf die Bühne. Ein betrachten von Verlangen und dem nicht wissen was noch kommen mag. Die Menge war schlicht fasziniert. Dennoch füllte sich das X-Tra nur langsam und war auch gegen Schluss nicht bis hinten wirklich gefüllt. Die Stimmung war dennoch gut und Emilie Autumn und die Bloody Crumpets boten eine perfekte Show. Dabei griff Emilie auch zur Geige, duellierte sich mit Captain Maggot, welche später noch eine Feuershow bot, gab Veronica Nachhilfestunden im Küssen, welche diese gleich an einer Freiwilligen aus dem Publikum übte und liess die Contessa das Publikum Fingers and Toes rufen. Bei God Help Me setzte Emilie sich ans Klavier und die anderen drei machten eine Teeparty. Das heisst, der Tee flog ins Publikum, teils gespuckt, nicht geschüttelt und Brötchen und Muffins flogen angebissen und abgeschleckt hinterher. Ein Riesenspass für alle und die Atmosphäre blieb den ganz Abend. Das einzig störende waren die ewigen Rufe nach Veronica, welche etwas von dieser wunderbaren Theater-Musical-Burlesque-Zirkus-Atmosphäre nahmen. Emilie zog sich noch ein Paar mal um, und war bei dem Song Girls! Girls! Girls! dann sogar für einmal in Hosen auf der Bühne. Es wurden noch ein Paar Songs aus dem noch nicht veröffentlichten Album F.L.A.G. – Fight Like A Girl gespielt wie Time for Tea, We Want Them Young, One Foot in Front of the Other Foot und Take the Pills. Eine wunderbare Komposition, immer passend und immer unterhalten. Definitiv eine Show, die es sich zu sehen lohnt und einen unvergesslichen Abend hinterlässt. Von mir gibt es 5 Sterne.

 

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