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Tolliver schneidet tagsüber Pornos und schleift nachts an seiner Musik. Sein musikalisches Schaffen ist geprägt von Religion und Gottlosigkeit. Heute feiert seine Single «I Gotchu» bei uns Premiere.

Am Anfang stand eine Reise: Jonathan Tolliver liess seine Heimatstadt Chicago hinter sich. Er flüchtete aus einem der schwierigsten Viertel der geschichtsträchtigen Metropole. Der Sohn eines Pastors und einer Gospelsängerin wollte Musiker werden. Also ging er dorthin, wo alle mit grossen Träumen hingehen: nach Los Angeles.

Aber eine Karriere in der Musikbranche wird einem nicht geschenkt. Es ist ein langer Weg. Um über die Runden zu kommen, heuerte Tolliver in der anderen bekannten Branche von LA an: Der Film-Industrie. Aber nicht etwa in Hollywood. Nein, der junge Mann sass tagsüber im Schnittraum und arbeitete an kleinen Pornofilmchen.

Doch nachts, da feilte er seine elektronisch angehauchten, von Partys und Sex erzählenden R&B-Songs. In der Dunkelheit entstand die Debüt-EP Rites, die im September erscheinen wird.

«I wrote I Gotchu about my brother’s broken ass marriage. I’m not close with him anymore and his rough life circumstance gave me a chance to get closer. I love that boy.»
— Tolliver

Heute können wir das Video zur allerersten Single I Gotchu hier präsentieren. Der Song ist ein ebenso reduziertes wie sperriges Kunstwerk.

Dominiert von seiner weichen und variantenreichen Stimme, positioniert sich Tolliver bereits mit I Gotchu mitten in der Avantgarde eines modernen R&B, der sich gleichermassen von Jazz, Soul und Blues, aber auch Electronica oder Hip-Hop inspirieren. Der Künstler biedert sich mit seiner Single nicht dem Hörer an, sondern fordert. I Gotchu ist Klangkunst im Format eines serpentwithfeet, dem aktuellen Grossmeister dieses fusionierten, verwinkelten Genres.

Auch wenn Tolliver seine Heimat hinter sich liess: Die Wurzeln umklammern auch sein künstlerisches Sein. Besessen vom Heiligen und Profanen, setzt sich der Musiker mit einem von Schuld beladenen Leben auseinander. Er, der Pastorsohn, aufgewachsen in einem religiösen Umfeld, trifft auf die gottlose Realität. Ein aufreibendes Erlebnis, das Tolliver in seiner Musik verarbeitet.

Bild: zvg