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Video-Premiere: Lolasister kontrastieren in «Infinite Jest» Sanftheit und Gewalt

Eine ganz frische Band taucht auf: Lolasister aus Bern umkreisen Indie, Folk und Jazz. Bevor die erste EP erscheint, blicken wir mit der Single «Infinite Jest» in ihr Klang-Kaleidoskop.

Infinite Jest. So heisst nicht nur die erste EP, die Lolasister am 15. Juni veröffentlichen wird. So heisst auch die erste Single, deren Video heute hier Premiere feiert. Der Name kommt nicht von ungefähr: Die Berner Band verbeugt sich damit vor dem Autor David Foster Wallace und dessen Roman.

Tatsächlich braucht auch Lolasisters Infinite Jest eine gewisse Weltoffenheit, ohne die man nie zum Kern ihrer sanften Klänge vordringen mag. Die Mélange aus Indie, Folk und Jazz heischt nicht mit grossen Gesten nach Aufmerksamkeit. Vielmehr sind es die feinen Nuancen, die leichten Kurven, die den Sound aufregend machen.

So weich und leicht die Musik anmutet, so schwer wiegt die düstere Seite von Infinite Jest. Die Band um die Sängerin Leoni Altherr driftet in die menschlichen Abgründe: von Depressionen und Ängsten erzählen ihre Songs. So kontrastieren Lolasister im Video zu Infinite Jest die verspielte Melodie mit brutalen Bildern von Selbstverletzung.

Der «Clockwork Orange Effekt»

Altherr bezeichnet diese lustvolle Diskrepanz zwischen Dunkelheit und Leichtigkeit den «Clockwork Orange Effekt». In der Gesamtheit bleibe das Klangerlebnis der Band ein «freudenvolles Springen in den Abgrund».

Rund zwei Jahre hat es gedauert, bis Lolasister diesen Effekt verfeinert habe. Zusammen mit dem Tontechniker hat sich die Band in der Bretagne in einer zum Studio umgenutzten Scheune verbarrikadiert. Der ganze Sound scheint geprägt von der wettergezeichneten Umgebung. Vintage-Mikrophone sorgen für den alten, warmen Klang. «Wir wollten eine klangliche Ästhetik erreichen, die den Farben und dem Korn einer analogen Fotografie entspricht», erzählt Altherr.

Infinite Jest – sowohl die Single wie auch die EP – hat das Ziel erreicht. Die Musik ist total. Ein perfektes Gewebe der Stimmen und Instrumente, das sich kaum entknüpfen lässt. Der Gesang etwa ist ein Spiel zwischen Leoni Altherr und Sibyl Hofstetter. Der Tasten-Mann Luzius Schuler baut das Gerüst der Melodie, während Jeremias Keller am Bass und Benedikt Utzinger an den Drums das Fundament giessen. Doch so nüchtern diese technische Analyse ist; auseinanderhalten kann man die einzelnen Teilstücke im fertigen Song nicht mehr. Sie verschmelzen zusammen zu etwas Neuem.