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Video-Premiere: Caroline Rose kämpft mit «Bikini» gegen Frauenfeindlichkeit

Caroline Rose wurde wohl oder übel Teil der modernen Gesellschaft. Aber die Welt ist beängstigend. Die New Yorkerin reagierte mit einem Album. Die Single «Bikini» feiert heute bei uns Video-Premiere.

Frauenfeindlichkeit, Einsamkeit und Tod. Das sind nur einige der Themen, welche die amerikanische Musikerin Caroline Rose in ihrem neuen Album Loner streift. Doch die New Yorkerin ist gesegnet mit einem schrägen Humor. Die düsteren Inhalte wickelt Rose in freche Satire.

Im Januar veröffentlichte Caroline Rose die erste Single des Albums. Soul No. 5 ist ein knackiges Indie-Monster. Rotzig, mit gehörig DIY-Riot-Grrrl-Schmackes. Am 23. Februar kam dann Loner auf den Markt und bestätigte, was bereits mit der Single zu ahnen war: Die Amerikanerin hat sich neu erfunden.

 

«Shizodrift» als Antwort auf die moderne Welt

Eigentlich kommt Rose aus einer ganz anderen Ecke. 2014 veröffentlichte sie das Album I Will Not Be Afraid. Das Werk entstand während vier Jahren auf Achse. Sie lebte in einem Bus, bereiste die USA. Doch dann – als hätte es der Albumname provoziert – stürzte Rose in eine Sinnkrise. «Ich war 24, einsam und realisierte, dass das Leben tatsächlich so hart sein könnte, wie die Leute immer sagen…», sagt sie. Unzufrieden sei sie auch mit ihrer Musik gewesen, sie hätte nicht wie ihre Person geklungen. Und sie fühlte sich entkoppelt von der modernen Welt.

Caroline Rose

«Es stellte sich heraus, dass die moderne Welt ziemlich beängstigend ist.» – Caroline Rose. Bild: zvg

Caroline Rose krempelte erst ihr Leben, dann ihre Musik um. «Ich mietete meine erste richtige Wohnung, malte die Wände bunt an und sortierte alle meine Kleider aus, die nicht rot waren. Ich akzeptierte es, queer zu sein, und diskutierte über Politik, Kapitalismus und Rihanna. Wohl oder übel wurde ich Teil der modernen Welt. Es stellte sich heraus, dass die ziemlich beängstigend ist.»

Loner ist das Produkt einer Konfrontation mit der Gesellschaft im 21. Jahrhundert. «Ich nenne es Schizodrift», sagt Rose über ihre Musik, die so manisch klingen soll, wie sie sich fühlt. Tatsächlich oszilliert Rose zwischen abgefreaktem Indie-Pop, Psychedelia und schrägen Orgel-Tunes. Ihre Songs sind mitreissend, obwohl sie leicht schief in der Landschaft stehen. Sie schlingern immer wieder knapp am Wahnsinn vorbei.

«All you got to do, is put on this little bikini… And dance!»

Heute erscheint die zweite Single-Auskopplung aus Loner. Der Song Bikini ist sowas wie die Blaupause für diesen «Shizodrift». Die Hüften schwingen zum Surf-Pop. Die schnoddrige Attitüde im Gesang dringt konstant durch den glänzenden Zuckerguss, den Caroline Rose über das Arrangement zieht.

Natürlich ist Bikini nicht so harmlos süss, wie es anmutet. Wer hinhört, erkennt schnell die Botschaft: Frauenfeindlichkeit, manifestiert in den Versprechungen, die die Welt den Frauen macht. Alles, was sie dafür tun müssten, sei einen Bikini anzuziehen und zu tanzen.

Rose mimt für das Video einen Entertainer, der immer irrer wird, umrahmt von Bikini-tragenden Frauen, die wie eine Zahnpasta-Werbung lächeln und ihre Instrumente nicht spielen. Sie sind nur Kulisse – alles Schein, nichts ist echt. Am Ende starrt Rose zehn Sekunden mit weit aufgerissenen, gierigen Augen direkt in die Kamera. Der Betrachter des Videos wird selbst zum Objekt der Betrachtung. Spätestens da wird es unangenehm. 

Für mehr Frauen im Musikbusiness

Misogynie ist etwas, dem sich Caroline Rose mit Verve bekämpft. Für Loner hat sie viel der Produktion übernommen. In ihrer Wohnung sammelte sich ein Kabinett an den verschiedensten Instrumenten und Synthesizer an. Zehn Stunden experimentierte sie täglich, lernte immer mehr dazu. Nicht nur, weil es ein persönliches Verlangen war, sondern auch wegen des Frauenmangels im Musikbusiness.

«Ich bemerkte in den Meetings, dass da nie auch nur ein weiblicher oder nicht-binärer Produzent zugegen war», sagt Rose über ihre Motivation, die Produzentenrolle stärker einzunehmen. Sie beschäftigte sich intensiv mit dem Problem und erkannte, dass eigentlich Diversität vorhanden wäre. Allerdings: «Wir werden einfach nicht ernst genommen oder erhalten oder verlangen nicht die Aufmerksamkeit, die wir verdienen.»

Deshalb hat Caroline Rose für Loner so viele Zügel in die Hand genommen: Songwriting, Producing, Mixing – bis zu ganzen visuellen Ästhetik. «Ich wollte sicher sein, dass alles so viel ich ist wie möglich.» Damit geht die Musikerin in die Offensive: Mit ihrem Tatendrang will sie ein Vorbild sein.