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Ein Künstler, dessen Karriere genauso verblüffend ist wie sein Talent. Der aus England stammende Singer-Songwriter Rhodes hat innerhalb von zwei Jahren erschaffen, woran andere Musiker meist zerbrechen: Ein vollkommenes Debüt-Album namens «Wishes».

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(Foto: zvg)

Es ist nicht so, dass David Rhodes erst 2013 zum ersten Mal überhaupt Musik gespielt hätte. Doch hätte man dem jungen Engländer damals gesagt, dass er in zwei Jahren mit Jeff Buckley und Adele verglichen werden würde, hätte er wohl sanft gelächelt und innerlich lauthals losgeprustet. David Rhodes, so der volle Name des aus Baldock stammenden Singer-Songwriters, entdeckte früh die Liebe zur Gitarre und grossen, emotionalen Klangbauten für sich. Aber das Ganze mit eigenem Gesang zu ergänzen, dafür fehlte dem bescheidenen Mittzwanziger der Mut. Wohlgesagt der Mut, denn an Ideen hat es Rhodes nie gemangelt. Von klein auf spielte er in Bands, jammte während seiner Studien-Zeit in Bars und komponierte stets im Heimlichen Songgebilde, die er lange für sich behielt.

Anfang 2013 jedoch gab er sich auf Drängen seines Vaters einen Ruck: An einem Grillfest mit Bekannten und Freunden gesellte er sich mit Gitarre und Gesang auf die Bühne zu seinem alten Herrn. Was damals geschah war der Grundstein für eine talenterfüllte Karriere und hinterliess schon da staunende Gesichter. «Du musst das tun, du musst singen.», nach diesen Worten seines Vaters und dem Kauf eines Mikrofon war der Weg frei für die Entfaltung des Musikers und Hoffnungsträgers Rhodes. Ein Weg der nun im Debüt-Album Wishes gipfelt und eindrücklich die Entwicklung vom schüchternen Klang-Konstrukteur zum epochalen Emotionskünstler zeigt, der mit Stimme und Atmosphäre alles aus seinen Songs herausholt.

Seit dem Beginn als Solo-Künstler vor zwei Jahren hat der bescheidene Liedermacher schon einige Fragmente veröffentlicht, die nun auf Wishes in vollem Glanz erscheinen. Auf den drei EPs die Rhodes seit Oktober 2013 veröffentlicht hat, finden sich Hymnen wie Breathe, Your Soul oder das tiefgründige Stück Raise Your Love. Genau dieses zeigt den Mensch hinter Rhodes und offenbart welch Gefühle und persönlichen Erlebnisse in seinen Werken zu finden sind. Ein Lied über die Trennung der eigenen Eltern, die er nie wirklich verstanden hat und lange an dem Sinn und Zweck von Liebe zweifelte. Es sind genau diese Texte verbunden mit den vor sich hin wiegenden Gitarren-Welten, die in den Refrains genauso ausbrechen wie die Stimme des Engländers.

Als Debüt-Album kommt Wishes überraschend ausgereift daher, ein Album das Zeit hatte sich zu entwickeln. Die Tatsache, dass viele Stücke auf den im Voraus erschienen EPs zu finden sind, ist keine schlechte. Vielmehr erhält der Hörer ein Gesamthaftes, ja schier eine Retrospektive von Rhodes Entwicklung zum umjubelten Singer-Songwriter-Talent. Songs wie Breathe oder Morning erstrahlen auf dem Album in einem neuem Licht und mit Stücken wie Turning Back Around oder der erfolgreichen Single Close Your Eyes zeigt Rhodes, der schon zwei ausverkaufte UK-Tourneen hinter sich hat, zu welch grossen Kompositionen er nun im Stande ist.

Das Debüt des bei Sony Music gesignten Musikers ist mit 12 Songs eine Art Collage einer zweijährigen Entstehungsgeschichte, sowohl auf das Album als auch auf den Künstler Rhodes bezogen. Neben Close Your Eyes löst vor allem auch das Duett Let It All Go mit dem UK-Überstar Birdy Gänsehaut aus und lässt einem mit lyrischer Meisterarbeit noch lange den Text mitsingen. Rhodes Schaffen ist Musik für Liebhaber, für Leute die sich sowohl für erlesene Texte, als auch mitreissende Melodien interessieren. Ihm ist es wichtig dem Einzelnen Freiraum zu gewähren, um auch eigene Erlebnisse in den Stücken zu widerspiegeln: «Für mich ist es immer wieder erstaunlich, dass etwas, was ich in meinem Schlafzimmer geschrieben habe, jemanden so berührt. Sätze wie ‚Gib niemals auf‘ sind mehrdeutig. Für mich persönlich ist es an jemanden gerichtet, den ich gut kenne. Aber ohne zu sehr ins Detail zu gehen, kann so etwas für jeden etwas anderes bedeuten», so der Musiker im Negative White-Interview. Niemals aufgeben, dies hat auch David Rhodes nie. Und nach solch einem musikalischen Einstand, ist das Wort «aufgeben» ganz weit weg.

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(Foto: zvg)