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Verena von Horsten will mit ihrer Musik den Suizid in der Gesellschaft enttabuisieren. Ob ihr das gelingt, ist fraglich.

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Suizid. Schlimm für die Betroffenen. Deutlich schlimmer für die Hinterbliebenen. Eine dieser Hinterbliebenen ist die Sängerin Verena von Horsten.

Der Song Fire ist in Klang geformte Verarbeitung. Nach dem Selbstmord ihres Bruders schuf die Zürcher Künstlerin ein Konzeptalbum. Es befasst sich nicht nur mit Selbsttötung, sondern auch mit der Tabuisierung, die die Gesellschaft dem freiwilligen Ableben immer noch angedeihen lässt.

Dieses schwierige Thema schlägt sich auch in musikalischer Schwere nieder. Die Sängerin stöhnt, ächzt oder spricht über dem Klangteppich, aus dem immer wieder ein Element ausbricht: mal der Rhythmus, mal ihre Stimme. Erst im Refrain findet der Song zu einer klaren Linie: engelhaft, hoch und zart singt Verena zu einer synthetischen Orgel. Die Dissonanzen, die im ganzen Stück mal mehr, mal weniger zu hören sind, sind selten lang genug, um zu stören.

Trauer, Schmerz, Depression und Wahnsinn sind auch Themen, die im Clip von Fire immer wieder auftauchen. Die Sängerin wirkt geistig zerrüttet, wie sie da im goldenen Ballkleid Grimassen zieht. Sie steht vor einem Hintergrund, der halb Wald, halb Bildschirmlandschaft ist. Teile des Sets werden während des Clips angezündet.

Verenas von Horstens Ansinnen, Suizid und gesellschaftliche Tabus zu thematisieren, mag hehr sein, bei der Umsetzung allerdings hapert es. Ihre Botschaft erstickt an der Fülle von Klängen, die uns Verena in Fire vorsetzt, allein schon ihre Worte sind praktisch nicht zu verstehen.

Dafür spricht sie auf der Bildebene eine deutliche Sprache. Auf dem Albumcover posiert die Künstlerin im weissen Kleid in einem See, den Blick verklärt nach oben gerichtet. Man weiss nicht, ob sie eine Sterbewillige mimt, oder ob sie sich engelhaft gibt, um für die Toten zu sprechen.

Man bleibt mit Fragen zurück. Wie die Hinterbliebenen eines Verstorbenen.