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Mit ihrer Debut-EP Bound For Glory vereint das Schweizer Trio Venetus Flos Wave im Stil der 80er-Jahre und Electro-Pop der Gegenwart. Ergebnis ist ein faszinierend einvernehmendes Synth-Pop-Produkt mit sehnsüchtiger Ader.


Einstieg in das fünf Songs beinhaltende Debüt bietet das langsame, schwere und bedrückende Loyal To The Cash. Dabei zeichnen die langgezogenen Elektronic-Elemente ein trist-graues Bild. Ein melancholisches Stück, in dem auch die Stimme von Julien Zeno nicht besonders zuversichtlich klingt. „seven thousand hands keep you on the ground“. Zwar vermag die Gitarre die dunkle Wolkendecke ein wenig zu lichten, aber der Melodiebogen bleibt monoton. Erst nach gut zwei Minuten bricht sich die Stimmung für einen Moment in einen Hilferuf: „Don’t switch the lights of“.
Dagegen wirkt Cocaine In Spain vollkommen gegensätzlich. Übermütig stürzen sich die Gitarren von Oliver und Julien Zeno in einen an U2 erinnernden Wettlauf. Unterstützt von einem eher dezent gehaltenen Synthie erschaffen Venetus Flos hier eine offene Landschaft, eine Strasse, der es möglichst schnell zu folgen gilt. Hier wirkt die Band jung und voller Tatendrang.
Der dritte Song ist zweifellos das Herzstück und gleichzeitig der Hit der EP. In Northpole besingt Venetus Flos eine bedrohte Liebe und das Exil in der klirrenden Kälte des hohen Nordens. Ein leicht glitzernder Fade-In lässt den Schnee vom Himmel rieseln, kalt und beständig. Dann, gleichzeitig mit dem Piano beginnt die Geschichte: „There was one out of all these farytales / that took my breath away“. Ein schwacher Mann verfällt der Liebe wie kein anderer vor ihm. Im Hintergrund treiben die Drums den Song vorwärts. Eine lange Bridge beginnt auf den unglaublich eingängigen Refrain einzustimmen. Die Spannung wird aufgebaut, die Energie entlädt sich aus einer Kombination eines vorauspreschenden Arrangements und der mitfühlender, berührenden Stimme. Der Song sammelt sich seine Elemente, wächst in sich selbst zu einem gewaltigen Höhepunkt, der Nothpole zu Ende bringt.
Leider nutzen Venetus Flos die epische Stimmung, die in Northpole erschaffen wurde nicht, um die Linie weiterzuführen. Stattdessen lassen sie den Hörer mit Woodstock in einen Song fallen, der mehr an die Melodie eines antiken Gameboy-Spiels erinnert. Dafür wird sich Woodstock hervorragend auf den Tanzflächen von Indie-Partys zurechtfinden. Mit seinem schnellen Tempo und dem 8-Bit-geprägten Sound, der mit einer guten Portion Pop daherkommt, ist er ideal für einen angeregten Tanzbeinschwung.
Suicidal Birds ist dafür der passende Abschluss für die EP. Eine nachdenkliche Ballade über vom Himmel fallende Vögel, die nur allzu gut als Metapher für eine Gesellschaft herhalten, die sich selber gegen die Wand fährt, nicht wissend, ob sie das jetzt willentlich tut oder nicht. „Birds fall down / tumblin‘ to the ground“. Venetus Flos schliessen wie sie begonnen haben: Irgendwie traurig, aber dennoch mit einem Funken Zuversicht.

Tracklist

1. Loyal To The Cash
2. Cocaine In Spain
3. Northpole
4. Woodstock
5. Suicidal Birds

Label

Goldon Records

 

 

 

http://www.myspace.com/venetusflos

Bilder: zVg (Goldon Records)