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Unnahbar bis träumerisch: The Horrors im Mascotte

Mit ihrem fünften Album «V» scheinen The Horrors im New Wave angekommen zu sein. Nur noch die schwarzen Outfits und Faris Badwans wild zerzauste Haare erinnerten bei ihrem Auftritt im Zürcher Mascotte noch an die «Strange House»-Zeiten.

Es war noch recht wenig los im Mascotte, als die Vorband Mueran Humanos (zu deutsch: «Sterbt, Menschen!») die Bühne betrat. Mit Spanisch-sprachigen Rocksongs wollten sie die früh erschienenen Fans dann aber nicht töten, sondern sie zum Warmtanzen auffordern. Die winterliche Kälte vor der Tür lassend, tröpfelte dann auch im Sekundentakt mehr und mehr Publikum ins muckelige Mascotte.

Auf den ersten Blick unweigerlich an das Rock-Duo The Kills erinnernd, boten Mueran Humanos musikalisch einen Stilmix aus Industrial-Rock und Ambient oder wie sie ihr Genre auf ihrer Facebook-Seite nennen: «sexy». Na ja, jedem das seine. Mein Ding war es nicht, was das aus Argentinien stammende, in Berlin wohnhafte Duo lieferte.

Schwer in Konzertstimmung zu kommen

Als es Zeit wurde für The Horrors, drängte man sich auf der kleinen Fläche zwischen Bühne und Bar einen guten Platz zu erhaschen, obwohl es eigentlich gar nicht so viel Interessantes zu bestaunen gab auf der Bühne. Hinter dichten Nebelschwaden und stroboskopischen Lichtblitzen formierte sich die Band um Sänger Faris Badwan. Alle komplett in Schwarz gekleidet. Ausser Keyboarder Tom Furse, der schien gerade Waschtag zu haben.

Die Beats treibend, der Bass wobbernd und die Synths grossflächig angelegt – und irgendwo darunter Faris Badwans Stimme. Zu Beginn (und auch wieder gegen Ende) der Show vergleichsweise leise im Soundmix und mit gewohnt ordentlicher Portion Hall drauf, erschuf dies zusammen mit dem immer wieder entfachten Shownebel und dem auf die Zuseher gerichteten Strobo-Licht eine künstliche Distanz zwischen Publikum und Band. Gewollt oder nicht, die unnahbare Art der Horrors machte es unglaublich schwer in richtige Konzertstimmung zu kommen. Und das obwohl die Leistung der Band ansonsten durchaus als solide bezeichnet werden konnte.

Bild: Evelyn Kutschera

Vom Shoegaze zum Wave

Je länger der Auftritt dauerte, desto klarer wurde es, dass The Horrors mit dem Stilwandel seit Beginn ihrer Karriere zufrieden waren. Kein Garage-Punk mehr, dafür setzte sich die Setlist hauptsächlich aus Liedern vom aktuellen fünften Album V und dem einen oder anderen Stück aus den drei vorangegangenen Alben zusammen. Charakteristisch dafür dass Sea Within A Sea zu Recht noch immer ein Stammplätzchen auf der Setliste innehat. Das siebenminütige Brett von einem Song leitete schliesslich 2009 den Stilwechsel der Horrors ein und ist heute wie damals ein Shoegaze-Meisterwerk.

Ein ähnliches Meisterwerk in Form eines träumerischen Wave-Songs haben The Horrors als Schlusslied auf ihrem aktuellen Album platziert und auch als letzten Song ihres Konzerts dargeboten. Das groovige Synth-Pop Stück Something To Remember Me By brachte die Meute vor der Bühne zum Tanzen, zauberte vielen ein Lächeln ins Gesicht und mir einen Ohrwurm für den Nachhauseweg.

Bisschen schade, hatten The Horros für genau diese Art von Songs nicht mehr ihre Videowand dabei, wie sie es noch vor sechs Jahren ebenfalls hier im Mascotte gehabt hatten. Ich will lieber schöne Farben sehen während ich mir das anhöre und nicht gefühlt zehnmal pro Sekunde geblitzdingst werden.