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Was anfing mit einer grossmäuligen Kampfansage an die Lightshow von Mustasch, entpuppte sich als eine grandiose Überraschung. The Moonling tauften ihr Debutalbum «iMASK» im Zürcher Provitreff vor zahlreichem Publikum und stellten dabei so manche Genre-Schublade auf den Kopf.

Freitagabend, eine noch völlig unbekannte Band aus dem Zürcher Hinterland – wer zum Geier weiss schon, wo Aesch liegt? – lädt zur CD-Taufe ihres ersten Silberlings im Provitreff, gleich neben dem berüchtigten Strassenstrich von Zürich. Was soll man da schon gross erwarten?

Um es gleich vorwegzunehmen: Alles! Selten wurde eine solche Vielfalt an musikalischer Innovation und theaterreifen Lichtschau auf einer so kleinen Bühne dem Publikum dargeboten. Man merkte der Lightshow, die auch einer Bühne im Hallenstadion perfekt gepasst hätte, jederzeit an, dass hier jemand mit Theatererfahrung mittätig war und ich hoffe, meine Fotos tragen dieser Arbeit Rechnung – eine solche Arbeit im Bereich der Beleuchtung konnte ich in meiner ganze Arbeit bei Negative White noch nie erleben… die Grenzen zwischen Theater und klassischem Konzert wurden weggewischt und ein neues visuellen Erlebnis erschaffen.

Doch nicht nur visuell haben The Moonling neue Wege beschritten, auch musikalisch kann man sie in keine gängige Schublade stecken. Da meint man bei einem Song einen Hauch von Udo Lindenbergs Simme zu hören, während man im nächsten die Gitarrenriffs von The Doors im Ohr hat, nur um sich darauf bei Led Zeppelin wiederzufinden. Und dies, ohne dass sich The Moonling in irgendeinerweise selber verleugnen würden. Im Gegenteil, das Sextett aus dem Zürcherischen Aesch und Umgebung schafft esnicht zu letzt dank der extrem wandelbaren Stimme von Sebastian Möhr, sich in all diesen Bereichen absolut heimisch anzufühlen.

In einem Schmelztigel absoluter Kreativität, in welchem klassisches 60er Jahre Theater mit Rockshows der 70er und den dunklen Einflüssen einer postapokalyptisch-nihilistischen Gesellschaft zu einem Konglomerat musikalischer Stilrichtungen gemächlich vor sich hin kochte, um sich dann in einem Rohdiamanten, der später unter dem Namen The Moonling bekannt werden wird, wiedergeboren zu werden, einem Schmelztigel unverschämter zürcherischer Frechheit, fanden sich die Besucher des Provitreff wieder und keiner davon wird wohl auch nur ein schlechtes Wort finden darüber, was ihm an diesem Freitagabend geboten wurde.

Klar, die Band könnte noch etwas lockerer auftreten, sich etwas mehr bewegen, aber wenn man bedenkt, dass sie noch nicht wirklich allzuviele Auftritte hinter sich hatten und dass die Bühne sehr knapp bemessen war für die immerhin sechs Musiker, haben sie schon sehr viel herausgeholt. Man merkte dem Auftritt an, dass Theaterkundige Leute in der Band sitzen und ich denke, sie werden auch in Zukunft verstärkt Einfluss darauf nehmen, wie sich die Formation auf der Bühne präsentieren wird. Ich persönlich bin mir sicher, dass sich die Auftritte nur noch steigern werden und dem Publikum etwas vom feinsten, was die Schweizer Musiklandschaft zu bieten hat, bieten werden.

Manchmal reicht es wirklich, die Schnautze extrem weit aufzureissen, um sich neue Fans zu schaffen. Ich wurde wohl noch nie so positiv überrascht von einer Newcomerband. Von The Moonling haben wir ganz bestimmt nicht zum letzten Mal gehört.